In Oberammergau geht‘s rund: Die Spielleiter-Diskussion nimmt an Fahrt auf. Jetzt soll es ein Bürgerbegehren geben.
Wer im Landkreis an Bürgerentscheide denkt, dem fällt in der Regel sofort ein Ort ein: Oberammergau. In der Gemeinde wurden in der Vergangenheit die Einheimischen schon oft an die Wahlurne gebeten. Ob in Sachen Wellenberg, Rathaus oer Ammergauer Haus. Jetzt soll es in die nächste Runde gehen. Im Fokus steht diesmal keine Sache, sondern ein Mensch: Christian Stückl. Seine Anhänger machen mobil, wollen ihn zum fünften Mal mit der Rolle des Passionsspielleiters ausstatten. Und das jetzt, noch Monate vor Fristablauf des kommunalen Bewerbungsverfahrens.
Der Buschfunk im gut 5300-Seelenort läuft auf Hochtouren. Denn bereits am Donnerstag, 18. Juli, soll es ein Arbeitstreffen (20 Uhr, Hotel Alte Post) geben. Wer sich informieren möchte, kann diesem beiwohnen. In diesem Rahmen soll unter anderem über das weitere Vorgehen und die Formulierung der Fragestellung gesprochen werden. Läuft alles nach Plan, tragen sich bis Ende Juli genug Oberammergauer auf den Unterstützer-Listen ein. Danach hätte die Gemeinde vier Wochen Zeit, zu prüfen und über die Zulässigkeit zu befinden.
Kritik am Aufruf der Gemeinde
Zu den Köpfen des Vorgehens zählt mitunter Walter Rutz, Ex-Werkleiter und Geschäftsführer der Passionstheater GmbH. Er gibt offen zu, dass er von dem Aufruf der Gemeinde für Kandidaten wenig hält. „Das macht man nicht“, betont er. Mit Stückl zu sprechen – er hat sein Interesse bekundet – und im Nachgang mit großer Mehrheit diesen Weg einzuleiten, ist für ihn ein Unding. „So geht man nicht mit jemandem um, der so erfolgreich für die Gemeinde gearbeitet hat.“
Stattdessen hätte der 60-Jährige, seit heuer Geschäftsführer von GaPa Tourismus, auf einen Dialog zwischen Kommune und Stückl gesetzt. Und zwar mit Blick auf die Zukunft, auf die Nachfolge. „Christian schaut doch schon immer, wo es hingehen kann.“ Und mit wem. Wie auch 2022, als er es mit Abdullah Karaca, seinem aktuellen Herausforderer, versuchte. Aus Stückls Sicht offensichtlich vergeblich.
Wir haben nichts gegen Abdullah.
Den 35-Jährigen wollen sie mit dem Vorgehen nicht persönlich angreifen. „Wir haben nichts gegen Abdullah“, betont Josef Zwink, wie Rutz einer der treibenden Kräfte des Bürgerbegehrens. Einen Konkurrenzkampf zu entfachen, sei nicht Sinn und Zweck des Ganzen. Vielmehr könnte sich der Passionsgesangssolist prinzipiell eine Gemeinschaftsproduktion der beiden Theatermacher vorstellen. Nur: Dass sie wieder zusammenfinden, dafür, denkt er, dürfte es wohl zu spät sein. Verursacht unter anderem durch das „höchst befremdliche Procedere“.
Schon jetzt in die Offensive zu gehen, halten Rutz und er für richtig. Auch wenn dadurch ein demokratischer und transparenter Prozess womöglich gestoppt wird. Aber es steht viel auf dem Spiel, stellt Zwink klar. Unter anderem eine saubere Übergabe der Passion an die nächste Generation und die Zukunft des Kultursommers, die derzeit unsicher ist. Was die weltberühmte Inszenierung über Jesu Leiden und Sterben betrifft. Denn die Eigenproduktion gilt als Art Präsentationsplattform für den Theaternachwuchs. Doch für den Sänger und Vermieter lautet die Preisfrage: Warum sollte Stückl dafür Kraft aufwenden – noch dazu umsonst –, wenn er vielleicht nicht mehr als Spielleiter fungieren wird?
Angst vor einer Spaltung im Ort
Im Herbst zirka müsste der nächste Vertrag festgezurrt werden. Die Entscheidung des Gemeinderats im Mai abzuwarten, ist für Rutz und Co. unter diesen Gesichtspunkten unmöglich. Deshalb bleibt der ehemalige Werkleiter dabei: Je früher Klarheit herrscht, desto besser. Auch für das Bild nach außen.
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Mit der Hauptperson wurde im Vorfeld gesprochen. Das Bürgerbegehren würde man ohne sein Einverständnis nicht einleiten, sagt Rutz. Stückl selbst war am Dienstag telefonisch nicht zu erreichen. Die Gelben hingegen lassen in einem Facebook-Beitrag kein gutes Haar an dem Vorgehen, festgemacht an einer Person: Rutz. Im Gegensatz dazu möchte sich Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) derzeit nicht äußern. Die Gemeinde wird, wie vorgeschrieben, prüfen, ob das Begehren zulässig ist.
Damit dieser Fall eintritt, sorgt die Gefolgschaft des Regisseurs morgen vor. An einen Erfolg glaubt man ohnehin. „Ich habe keine Bedenken, dass Stückl durchgeht“, sagt Zwink. Mehr ängstigt ihn die Stimmung im Ort. Was keinesfalls passieren solle, ist eine Spaltung Oberammergaus.