Die Gsteigstraße im Ortsteil Partenkirchen ist bis zum Ende der Baustelle an der B2/Schwabekurve ab sofort nur noch für Anlieger befahrbar – Nächste Staus drohen am Wochenende.
Garmisch-Partenkirchen – Das vergangene Wochenende war prädestiniert für Verkehrsprobleme im südlichen Landkreis: Ferienbeginn in den drei Bundesländern Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen, dazu alleine drei größere Baustellen an der Bundesstraße 2 auf der Nord-Süd-Route zwischen Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck: Die Bayern arbeiten am Gsteig und bei Gerold, die Tiroler am Zirler Berg. Das sorgt schon im Normalverkehr für reichlich Behinderungen. Dazu die Urlauber – dann herrscht Stillstand. Mit einer bekannten, aber unschönen Folge: Die Navigationsgeräte finden eigene Wege aus der Misere, versuchen die Staus zu umgehen.
Am Ortsende in Partenkirchen musste die Gsteigstraße herhalten. „Die ist aber für einen dauerhaften zweispurigen Verkehr nicht ausgelegt“, betont Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). Am Sonntag machte sie sich vor Ort ein Bild von der Lage – und schritt ein: Der Bauhof riegelte die Zufahrt von Süden her ab. „Wir brauchten eine Sofortmaßnahme, weil die Situation speziell im Gegenverkehr einfach zu gefährlich wurde.“ Bis die Baustelle unterhalb an der B2 im Bereich der Schwabekurve verschwunden ist, wird die Trasse ab sofort nur noch für Anlieger-Verkehr benutzbar sein. „Hoffentlich nur für zwei Wochen“, sagt sie in Richtung Staatliches Bauamt in Weilheim. Das hat nach dem Hangrutsch im Mai die Arbeiten dort in Auftrag gegeben, musste das Ende schon zweimal nach hinten verschieben, will aber unbedingt vor dem Beginn der bayerischen Ferien fertig sein.
Verkehrsintensive Wochen für die Region Garmisch-Partenkirchen nahen erst noch
Es nahen die „verkehrsintensivsten Wochen“, sagt Christian Frobin aus dem Ordnungsamt im Rathaus. Das ist bekannt. Nach und nach verabschieden sich die deutschen Schüler in die Sommerferien. Allein am kommenden Wochenende sind es wieder drei Länder: Berlin, Brandenburg und Hamburg. Die Trasse in Richtung Gardasee oder Adria dürfte wieder hoch im Kurs stehen. Verbunden damit sind Staus an den bekannten Stellen – nicht nur am Autobahnende oder vor den Tunnels. Damit steigt auch die Gefahr, dass kleine Gemeindestraßen wie die Gsteigstraße wieder als Stau-Umfahrung benutzt werden. „Da fangen zwei, drei Autos an, schon erkennen die Navis das“, moniert Koch. „In diesem Fall sind die Geräte wirklich ein Fluch.“
Das „alte Gsteig“ packt eine derartige Belastung nicht. Obwohl die Straße für den G7-Gipfel 2022 als Rettungs- und Notweg ertüchtigt worden war. „Aber speziell die Bankette sind nicht dafür ausgelegt, grundsätzlich die Straße auch nicht für Gegenverkehr“, versichert Wolfgang Berger, der geschäftsleitende Beamte im Rathaus. An Stellen wie der Wasserreserve sei die Trasse viel zu schmal, es gebe nur wenige Ausweichmöglichkeiten. Dennoch registrierten Koch und Bauhofchef Michael Sexl am Sonntag dort Wohnmobile, Pkw mit Anhängern, auf denen gar Boote transportiert wurden, und Reisebusse. Gerade für letztere wird es am Ende in Partenkirchen besonders prekär: Die Kurve von der Dr.-Wigger- in die Mittenwalder Straße ist für sie zu eng. „Sie ist damals extra so angelegt worden, damit der Schwerverkehr dort nicht fahren kann“, sagt Berger. Die Ludwigstraße ist ohnehin für den Lkw-Verkehr gesperrt. „Die Navis leiten aber einfach rein“, bemängelt Koch. Und selbst dort sorgt aktuell eine Baustelle gegenüber der Kirche für Engstellen.
Gemeinde kann auf eigener Straße reagieren: „Anlieger frei“ heißt es ab sofort
Eine verzwickte Lage also. Nur gut, dass die Gsteigstraße eine reine Gemeindestraße ist. Somit hat der Markt Möglichkeiten, dort verkehrslenkende Maßnahmen zu ergreifen. Anders als beispielsweise die Gemeinde Grainau am Eibseeberg, weil die dortige Route eine Staatsstraße ist. Die aktuelle Lösung seit gestern Nachmittag: Die Verbindung von der Abzweigung an der B2 nach Schlattan bis ins Partenkirchner Zentrum darf nur noch von Anliegern benutzt werden. Grundsätzlich herrscht dort Tempo-30, das bleibt bestehen. „Das ist das Einzige, was wir derzeit machen können“, betont Berger. Denn für die Anwohner muss die Strecke befahrbar sein.
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Wie erfolgreich die neue Beschilderung ist, wird sich am Wochenende zeigen. „Leider wissen wir auch, dass Schilder kaum noch jemanden interessieren“, sagt der Geschäftsleiter. Das unterstreicht Koch. „Es ist schlimm. Jeder ist sich selbst der Nächste. Aber was sollen wir machen: Wir können nur appellieren, dass wir die Schilder nicht zur Gaudi aufstellen.“ An der Gsteigstraße können durchaus gefährliche Situationen entstehen. Vor allem für Radfahrer. Berger und Koch hoffen, dass die Polizei dort Präsenz zeigen wird. Doch auch die hat derzeit mehrere solcher „Baustellen“. Denn eine ähnliche Situation herrscht am Kramertunnel-Nordportal im Ortsteil Garmisch vor, wo die Abzweigung nach Burgrain eigentlich für den motorisierten Verkehr gesperrt ist. „Es gibt nur noch ein Motto“, murrt Koch: „Hauptsache ich! Was anderes kennen die Leut‘ nicht mehr.“