Wenn der Wolf zur Chefsache wird

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In majestätische Höhen haben sich auf Einladung der heimischen Landwirte Vertreter des Bund Naturschutz begeben. Unter die Teilnehmer mischen sich unter anderem Josef Glatz (2. v. l.), Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Bayerns BN-Chef Richard Mergner (4. v. l.) und Organisator Christian Neuner (7. v. l.). © privat

Einen für alle Seiten gangbaren Weg scheint es beim Konfliktthema Wolf nach wie vor nicht zu geben. Immerhin hat sich jetzt die Führungsspitze des Bund Naturschutz Bayern mit heimischen Landwirten über diesen ungelösten Dauerbrenner in Mittenwald ausgetauscht.

Mittenwald – Christian Neuner verfolgte ein konkretes Ziel: „Sie sollen einfach mal nachdenken, welch‘ wertvollen Schatz man aufs Spiel setzt.“ Adressat ist der Bund Naturschutz Bayern, dessen führende Vertreter nun zu einem Ortstermin in Mittenwald waren. Hintergrund dieses Gedankenaustausches ist der Wolf, der Landwirte und Umweltorganisationen gleichermaßen seit Jahren in Atem hält.

Die Idee zu dieser hochalpinen Exkursion von der Karwendelbahn-Bergstation übers Dammkar hinunter zum Bankerl hatte der Werdenfelser Bezirksalmbauer Neuner. Seinem Ruf waren nicht nur Vertreter des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) und der Unteren Naturschutzbehörde gefolgt, sondern auch die komplette weißblaue BN-Spitze mit Vorsitzendem Richard Mergner und dessen Stellvertreterin Beate Rutkowski.

Etwa zwei Stunden diskutierte die Expertenrunde über den Wolf im Hochgebirge. „Dort ist Herdenschutz einfach nicht möglich“, betont Christian Neuner. „Und eines wollen wir sicherlich nicht: eine Zaunlandschaft!“ Der „Hackl“ und AVO-Chef Josef Glatz aus Garmisch-Partenkirchen bekräftigen einmal mehr die Wichtigkeit von sogenannten Schutzzonen. Doch wie will man dort Schaf- und Ziegenweiden vor einem hungrigen Beutegreifern verteidigen? „Risse alleine mit der Flinte zu verhindern, das wird nicht funktionieren“, verdeutlicht BN-Vorsitzender Mergner. Er verweist stattdessen auf das neue Positionspapier des Bund Naturschutz in puncto Wolfsmanagement in den bayerischen Alpen. Damit wolle man „einen Schritt auf die Alm- und Alpbauern zugehen und zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen“, erklärt Mergner. „Dies bedeutet auch, dass wir unsere bisherige Position ein Stück weit öffnen. Nach sorgfältiger, fachlicher Prüfung sind wir zu dem Schluss gekommen, dass in bestimmten Fällen Wölfe leichter entnommen werden sollten. Klar ist aber auch: Am generellen Schutzstatus des Wolfes wird dabei nicht gerüttelt!“

Immerhin hören die heimischen Landwirte und Weidegenossen auch Elemente der Einigkeit aus dieser Stellungnahme heraus – beispielsweise bei der Schaffung einer Schnellen Eingreiftruppe, die in Sachen Abschuss tätig wird, oder bei der Etablierung professioneller Riss-Gutachter.

Doch die generelle Sorge bei den heimischen Bauern bleibt. „In den Bergregionen hat es noch nie eine Koexistenz zwischen Wolf und Weidetierhaltern gegeben, dies anders darzustellen, ist schlichtweg falsch“, merkt etwa Josef Grasegger von den Partenkirchner Weidegenossen an. „Der Wolf kommt überall zu Recht und braucht keinen speziellen Lebensraum, unsere spezialisierten Schafe in der Region schon“, ergänzt AVO-Vorsitzender Glatz. „Knapp 80 Prozent des Alpenraums sind nachweislich nicht zumutbar schützbar und brauchen eine gesonderte Behandlung in Sachen Wolf“, bemerkt schließlich Dr. Christian Mendel von der Landesanstalt für Landwirtschaft.

Stand heute ist die Diskussion – zumindest auf den Almen im Werdenfelser Land – eher theoretischer Natur. Denn wie bereits im Vorjahr bleiben die rund 500 Mittenwalder Bergschafe, die aktuell im Karwendel grasen, bisher von Wolfsangriffen verschont.

Was auch Peter Strohwasser von der Unteren Naturschutzbehörde glücklich macht. „Nur wer Tiere hält – und sind es auch nur zwei oder drei Schafe –, braucht Winterfutter und bewirtschaftet deshalb Buckelwiesen, Streuwiesen oder extensive Grünlandflächen. Kurzum: Unsere Tierhalter erhalten eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, die unsere Region prägt und zu dem gemacht hat, was sie ist“, wird der Sachgebietsleiter des Landratsamts in der Presse-Mitteilung des Amtes für Landwirtschaft Holzkirchen zitiert. Denn dieses Treffen fand wohlweislich im nicht-öffentlichen Rahmen statt.

„Es wurde knallhart, offen und ehrlich diskutiert“, fasst Ideengeber Christian Neuner das Gesprächsklima in der Dammkar-Hütte zusammen. BN-Chef Mergner spricht von einer „konstruktiven“ Atmosphäre. Wobei er allerdings einräumt: „Die Lösungen sind nicht einfach.“ Das kann Neuner nur bestätigen: „Immerhin haben wir miteinander und nicht übereinander gesprochen.“

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