Wie geht es mit dem Oberammergauer Kultursommer weiter? Eine spannende Frage, auf die es noch keine Antwort gibt. Weil es Probleme zwischen dem Gemeinderat und Passionstheater GmbH gibt.
Der Kultursommer in Oberammergau steht auf der Kippe. Ob es ihn 2025 in seiner gewohnten Form noch geben wird, in dieser Sache ist die Kuh längst nicht vom Eis. Denn Gemeinderat und Passionstheater GmbH haben noch keinen Vertrag abgeschlossen. Stattdessen dominieren Dissonanzen. In der Sitzung am Mittwochabend waren sie unüberhörbar. Sogar in den leiseren Zwischentönen. „Das Verhältnis ist stark zerrüttet“, sagte Wolfgang Proksch (Augenmaß). Eine Meinung, mit der er wahrlich nicht alleine stand. So mancher Ortspolitiker fuhr schwere Geschütze auf. Ob es unter diesen Bedingungen noch eine gemeinsame Zukunft geben kann, muss zeitnah geklärt werden. „Wir brauchen auf beiden Seiten Planungssicherheit“, betonte Bürgermeister Andreas Rödl (CSU). Um eine Entscheidung herbeizuführen, sollen sich Gemeinderat und GmbH nun in Konklave begeben und ein klärendes Gespräch führen. Darauf verständigte sich die große Mehrheit im Gremium (zwei Gegenstimmen), nachdem viele Problemfelder auf den Tisch gekommen waren.
Verbindung mit der Spielleiter-Frage
Der Knackpunkt: Die GmbH um die Geschäftsführer Walter Rutz und Frederik Mayet verquicken den Kultursommer mit der Spielleiter-Frage. Christan Stückl selbst auch. Da sie ehrenamtlich die Veranstaltungen organisieren und dies als Nachwuchsförderung betrachten, macht ihre Arbeit für sie nur Sinn, wenn der 62-Jährige bei der Passion 2030 diese Aufgabe erneut übernimmt. Im anderen Fall wird nach Stand der Dinge kein Vertrag zustande kommen. Doch genau diese Verquickung missfällt vielen. „Letztendlich werden wir erpresst“, meinte Florian Schwarzfischer (BIO), was er gebetsmühlenartig wiederholte. Anton Preisinger (Augenmaß), enger Stückl-Freund, der wegen Befangenheit nicht mitberaten durfte, aber Rede-Erlaubnis bekam, bezeichnete das Vorgehen der GmbH stattdessen als Angebot, das man annehmen kann oder nicht.
Wie man das Kind auch nennen mag, der Gemeinderat stößt sich daran. Weil es den Eindruck einer One-Man-Show erweckt. Einer Stückl-Show. „Die Gemeinde investiert Gelder, alles hängt aber jedes Jahr zu 100 Prozent von einer Person ab“, kritisierte etwa Simon Fischer (CSU). Würde diese aus etwaigen Gründen einmal ausfallen, „stehen wir vor dem Nichts“. Zu viel Risiko. Doch auf die Verknüpfung zwischen Spielleiter und Kultursommer beharren Mayet, Rutz und Co.. „Die Verquickung kriegen wir nicht raus“, davon zeigten sich Rödl und Werkleiterin Ramona Wegenast überzeugt. Zumindest bei der Eigenproduktion. In diesem Fall wäre für Ludwig Utschneider (PWG) die Sache klar: Dann gibt es 2025 keine Kooperation mehr.
Gemeinde ins falsche Licht gerückt
Ihm reicht‘s. Gewaltig. Utschneider nutzte die Sitzung, um sich seinen Unmut von der Seele zu reden. Es sei „wahnsinnig ärgerlich“, welches Bild einzelne Vertreter der GmbH von der Gemeinde zeichnen. Eines von der bösen Kommune – und der guten GmbH. Eines, das es zu korrigieren gilt. „Die Zusammenarbeit“, stellte er klar, „knirscht an vielen Ecken.“ Sei es beim Zeitmanagement der GmbH, die oft auf den letzten Drücker agiere. Oder bei ihrer Info-Politik. Zum Beispiel, als die Gemeinderäte erst am Abend vor der Veröffentlichung der Pressemitteilung über das Aus der „Rebell“-Inszenierung in Kenntnis gesetzt wurden. Sogar Inhalte aus nicht-öffentlichen Gesprächen plauderte er aus, was Rödl zu unterbinden versuchte. Doch Utschneider, ungewöhnlich in Rage, wollte aufräumen mit Aussagen seitens der Passionstheater GmbH, die die Kommune in ein schlechtes Licht rücken. „Ich möchte, dass wir eine Zusammenarbeit finden mit einem vertrauensvollen Miteinander.“ Aufgrund von aus seiner Sicht unangemessener Äußerungen Stückls in der Öffentlichkeit hält er das gerade nicht für möglich. Da war er kein Einzelfall.
Zukunft des Kultursommers
Gespräche haben zwischen den beiden Vertragspartnern stattgefunden. Die Gemeinde signalisierte mehrfach, dass sie einen Kultursommer, auch in abgeänderter Weise, haben möchte. Jetzt gab es einen Antrag dazu, der – etwas unglücklich – erarbeitet wurde, bevor Stückl und Co. ihre Linie kundgetan hatten. Der GmbH wurde darin Unterstützung bei Fremdproduktionen angeboten, aber auch die Möglichkeit, Eigenes zu inszenieren. Zudem schlug die Kommune vor, über die Eigen- und Fremdproduktionen unabhängig voneinander zu betrachten. Damit wenigstens für den „Brandner Kaspar“ und das „Heimatsound-Festival“ Planungssicherheit entsteht. Dies lehnt die GmbH zum jetzigen Zeitpunkt aber ab. Das Problem, das daraus resultiert: Die Gemeinde hängt in der Luft, da die Planungen für ein eigenes Programm 2025 zeitnah anlaufen müssten und nicht bis zur geplanten Spielleiterwahl im Mai 2025 warten können.. „Für uns ist wichtig, inwieweit wir in Verhandlungen treten dürfen“, erklärte Rödl. Und zu wissen, wohin die Reise grundsätzlich gehen soll. Zu einem Beschluss über den Antrag aber kam es gar nicht, er wurde vertagt. Wie auch der über das Anliegen der PWG, dass Bürgermeister und Werkleitung zeitnah ein Konzept für kulturelle Veranstaltungen erarbeiten und bis spätestens 30. September vorstellen sollen.
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Politisches Signal an die GmbH
Über den Gemeinde-Antrag abzustimmen, machte für einige keinen Sinn. Es wäre für die Katz, meinte etwa Michael Fux (PWG). Er passe nicht zur Forderung der GmbH-Vertreter. „Wenn, müssten wir das Bewerberverfahren aufheben, weil sie von ihrer Position nicht abrücken werden.“ Solange die aktuelle Ausschreibung für die Spielleitung aber existiert, sei es müßig, zu verhandeln. Rödls Bestreben war schlicht, der GmbH die Hand zu reichen. Ein Zeichen zu setzen, dass die Gemeinde den Kultursommer prinzipiell fortführen möchte. „Um Gräben zu überwinden, muss man anfangen, sich zu bewegen“, drückte es der Rathauschef philosophisch aus. Die seien nämlich nicht so tief. Ins gleiche Horn stieß sein Vize Eugen Huber (Augenmaß), der an die Riesenerfolge und die positiven Dinge erinnerte. Und an die geplanten Gespräche zwischen Stückl und seinen Mitbewerber Abdullah Karaca, die eine Zusammenarbeit ausloten. „Vielleicht klärt sich die Spielleiter-Frage ja im August.“ Deshalb erachtete er es für den richtigen Schritt, aufeinander zuzugehen.
Die große Aussprache
Hubers Appell war das Stichwort für dessen Fraktionskollegen Proksch. Er brachte als Erster ins Spiel, dass sich der Gemeinderat mit der gesamten GmbH an einen Tisch setzt und bei positivem Gesprächsverlauf „gute“ Verträge erstellt. Markus Köpf, der ebenfalls Stückls öffentliche Äußerungen verurteilte und die Gemeinde verteidigte, schlug angesichts der „atmosphärischen Störungen“ vor, eine Aussprache anzuvisieren. Ein entsprechender Antrag zur Geschäftsordnung aus dem Gremium ließ nicht lange auf sich warten – und ging durch. Anfang August soll das Treffen anberaumt werden. Hinter verschlossenen Türen geht es über die Bühne. Im Anschluss, erklärt Bürgermeister Rödl auf Tagblatt-Nachfrage, sollen die vertagten Anträge behandelt werden.
Nicht-Öffentliches ausgeplaudert
Eigentlich sollte nichts durchsickern. Weder von den Initiatoren des Pro-Stückl-Bürgerbegehrens noch von Gemeindeseite. Doch im Eifer des Gefechts schoss es aus manchen Oberammergauer Ortspolitikern einfach heraus. Im Hintergrund gibt es Überlegungen, den Beschluss zum Bewerberverfahren zu ändern – die Zeitachse zu verkürzen. Damit die Spielleiter-Frage noch heuer geklärt wird. Das Ganze nicht zu beschleunigen, dafür warb Utschneider. Dass er dieses Thema aufgriff, dafür gab es den nächsten Rüffel von Rödl in Bezug auf nicht-öffentliche Informationen. Auch Schwarzfischer gab Einblicke in seine Gedankenwelt: Er würde ebenfalls die Finger vom Beschluss lassen, betonte er. „Da geht es um unsere Glaubwürdigkeit.“