Kultursommer Oberammergau vor ungewisser Zukunft

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Die biblischen Stoffe, wie „Moses“ im Jahr 2013, sind beim Publikum gefragt. © Sehr

Wird es 2025 noch einen Kultursommer in gewohnter Form geben? Das steht noch in den Sternen. Die Passionstheater GmbH ist an Fortführung interessiert, allerdings unter einer Voraussetzung.

Es klingt wie der Stoff für ein Jugendbuch: Sechs Freunde tun sich zusammen und schmieden einen Plan. Sie wollen die Kultur, das Theater in ihrem Heimatort beleben. Dafür gründen sie sogar eine Organisation. Auf sie warten Abenteuer, Hochs und Tiefs. Und vermeintliche Widersacher, die sie von ihrem Weg abbringen wollen. Ob das gelingt? Im Oberammergauer Fall ist das Ende noch nicht geschrieben.

Eigentlich, sagt Frederik Mayet, einer der Spezl, „ist’s eine totale Erfolgsgeschichte“. 2005 wurde der Kultursommer ins Leben gerufen, ein paar Jahre später die Passionstheater GmbH. Imposante Inszenierungen wie „König David“ oder „Moses“, Opern wie „Nabucco“ und der „Fliegende Holländer“ zeigte man auf der weltberühmten Bühne. Hinzu kamen das Gastspiel „Brandner Kasper“ und das Heimatsound-Festival. Alles Publikumsmagneten. Und trotzdem wackelt die Veranstaltungsreihe. Mehr denn je. Es ist Sand ins Getriebe gekommen. Immer öfter knirschte es zuletzt hinter den Kulissen, zwischen GmbH und Gemeinde. Aus vielerlei Gründen. Finanzieller, organisatorischer und persönlicher Natur. Der aktuelle casus knaxus, der eine Fortführung in gewohnter Form bedroht: die ungeklärte Besetzung des Spielleiters für die Passion 2030. Eigentlich zwei Paar Stiefel, sollte man meinen. Nicht aber für die sechs Freunde, zu denen Christian Stückl zählt.

Vertrag für 2025 ist noch festzuzurren

Mehrere Umstände führten dazu, dass die Zukunft derzeit noch ungewiss ist. Heuer, im Mai, hatten GmbH-Geschäftsführer Mayet und Stückl das Aus für die für diesen Sommer geplante Eigenproduktion „Der Rebell“ verkündet. Wegen enormer Preissteigerungen. Die Folge: Der Vertrag für 2024 und 2025 mit der Gemeinde wurde – der juristischen Korrektheit halber – einvernehmlich aufgehoben. Ein neuer, exklusive Theaterstück, für dieses Jahr unterschrieben. Er läuft bis 30. September. Den Kontrakt für kommendes Jahr gilt es noch festzuzurren. Nur gibt es dabei ein gewaltiges Problem. Denn für die GmbH steht eines fest: „Wir würden gerne was machen, aber das hängt für uns auch an der Spielleiter-Frage“, betont Mayet. Heißt nichts anderes als: Wird Stückl 2030 nicht mehr mit der Aufgabe betraut, die er bereits viermal erfüllt hat, zieht er nicht mehr mit. Der Rest ebenfalls nicht.

In manchen Ohren, zum Beispiel von Gemeinderäten, mag das wie Erpressung klingen. Der Vorwurf wird hinter vorgehaltener Hand immer mal wieder laut. Was das GmbH-Team weiß, aber mit Vehemenz abstreitet. Stattdessen weisen sie auf „ihren Anreiz“ hin. Denn was die Freunde seit den Anfängen antreibt, ist die Nachwuchsförderung. Für die Passion. „Das ist das einzig relevante Ziel“, verdeutlicht der Regisseur. Dieses von der Spielleitung zu trennen, macht aus Sicht der Verantwortlichen keinen Sinn. Machte es noch nie. Damals nicht, heute nicht.

Spielleiter-Entscheidung im Mai 2025: Für die GmbH zu spät

Erschwerend hinzu kommt jetzt die zeitliche Schiene. Wie berichtet, hat die Gemeinde zum ersten Mal in der Geschichte der Passion ein Verfahren gestartet, das Interessenten die Möglichkeit bietet, ihre Bewerbung bis Ende des Jahres einzureichen. Um Transparenz herzustellen. Wer das Rennen um die prestigeträchtige Stelle macht, soll dann im Mai 2025 entschieden werden. Viel zu spät, meinen Stückl und die beiden GmbH-Chefs Mayet und Walter Rutz. Bis Herbst müsste der Vertrag für den Kultursommer 2025 stehen. Eine Zwickmühle. Genau deshalb gab es auch die ersten Anläufe für das Bürgerbegehren pro Stückl. Dieses pausiert bis Mitte August, bis der 62-Jährige und sein Herausforderer Abdullah Karaca (35) ausgelotet haben, ob sie beim Gelübdespiel womöglich gemeinsame Sache machen könnten.

Nach mehreren Gesprächen zwischen Gemeinde und GmbH beschäftigt sich am Mittwoch auch der Gemeinderat mit der Zukunft des Kultursommers (Beginn 19 Uhr im Ammergauer Haus). Zum einen geht es um ein Angebot der Kommune an Rutz und Co., zum anderen um einen Antrag der Gelben, der darauf zielt, dass Bürgermeister und Werkleitung ein Konzept für die kulturellen Veranstaltungen 2025 und die Folgejahre erarbeiten. Was Mayet angesichts der unsicheren Situation derzeit sogar versteht.

Helfer fürs Heimatsound-Festival gesucht

Das Heimatsound-Festival im Oberammergauer Passionstheater steigt am Freitag und Samstag, 2. und 3. August. Für den Ausschank werden noch freiwillige Helfer gesucht. Wer Interesse hat (eine Schicht dauert zirka drei Stunden) und volljährig ist, kann sich per E-Mail an catering@passionstheater.de wenden.

Das Verhältnis der beiden Vertragspartner scheint geprägt von Schuldzuweisungen und Missverständnissen zu sein. Mayet kann sich dem Gefühl nicht erwehren, „Teile des Gemeinderats wollen die Veranstaltung, aber haben ein Problem mit den Leuten“. Doch der GmbH-Geschäftsführer würde gerne wieder harmonischere Zeiten aufleben lassen, die Differenzen ad acta legen. Er würde sich wünschen, dass alle Beteiligten sich wieder darauf besinnen, dass es sich um eine „gemeinsame“ Veranstaltung handelt. „Wir machen das ehrenamtlich fürs Dorf.“ Und nicht, um sich zu bereichern oder sich zu profilieren. Deshalb hofft er, dass schnellstmöglich eine gute Lösung gefunden wird – in den Augen der GmbH mit Stückl als Spielleiter.

Diesen Wunsch kann Bürgermeister Andreas Rödl (CSU) aus emotionaler Sicht durchaus nachvollziehen. Kommunalrechtlich ist es aber kein Muss, Kultursommer und Spielleitung miteinander zu verquicken. Nichtsdestoweniger „bin ich dabei, wenn es eine Lösung gibt, die dem Ort guttut“, stellt der Rathauschef klar. Eine solche herbeizuführen, darauf liegt derzeit der Fokus. Ein Kapitel dürfte die Geschichte der Freunde also noch bekommen.

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