Hotelprojekt in Mittenwald: Investor kämpft gegen Insolvenz

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Anspruch: So soll das geplante Silva-Mountain-Hotel einmal aussehen. © ANIMATION: RIZZANI DE ECCHER, ATIPROJECT, (PISA)

Steht das ambitionierte Silva-Mountain-Projekt auf der Kippe? Viele in Mittenwald fragen sich das, nachdem nun der federführenden GmbH sogar ein Insolvenzverfahren droht. Alles halb so schlimm, versucht Investor Urlrich Franzky den Ball flach zu halten.

Mittenwald – Die Nachricht hat sich in Mittenwald wie ein Lauffeuer ausgebreitet: „Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Mountain-Resort-Mittenwald-GmbH“, heißt es in einer Mitteilung des zuständigen Amtsgerichts Weilheim. Das hat natürlich wie eine Bombe eingeschlagen, weil es um das Tourismus-Projekt schlechthin geht: das Silva-Mountain-Hotel auf dem sogenannten Kaffeefeld hoch über dem Geigenbauort.

Schon lange wird über dieses millionenschwere Prestigeprojekt gerätselt, zumal seit Jahren die Zeit auf der Großbaustelle am Latscheneck stillzustehen scheint (wir berichteten). Die neueste Kunde von Justitia nährt den Verdacht, dass dem Münchner IT-Unternehmer Ulrich Franzky tatsächlich langsam die Luft ausgeht.

Mitnichten, versichert der Geschäftsführer der scheinbar ins Schlingern geratenen Mountain-Resort-Mittenwald-GmbH. Beim drohenden Insolvenzverfahren spricht Ulrich Franzky von einem „Schnellschuss“ eines „Externen aus dem Norden“. Dieser soll jetzt Außenstände eingefordert haben. Franzky erwähnt in diesem Kontext einen sechsstelligen Euro-Betrag.

Wir werden uns zusammensetzen. Es kann alles beglichen werden. 

Dieser Geldgeber soll Teil eines von zwei Finanzierungsmodellen für das „Silva Mountain“ gewesen sein. Doch nun kommt laut Franzky Variante zwei zum Tragen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei ein Immobilienfonds aus der Schweiz. „Über den können wir den kompletten Bau abwickeln“, informiert Franzky. Ein Treuhänder soll bereits eine Finanzierungszusage abgegeben haben. Noch in dieser Woche erwartet man bei der Mountain-Resort-Mittenwald-GmbH erste ergiebige Geldströme.

Dann können auch die berechtigten Forderungen des ehemaligen Finanziers befriedigt werden, versichert Franzky. Zuvor jedoch muss während der 14-tägigen Einspruchsfrist Beschwerde eingelegt werden. „Wir werden uns zusammensetzen“, sagt Franzky. „Es kann alles beglichen werden.“

Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Münchner Anwalt Ivo Meinert-Willrodt aus München, der vom Amtsgericht als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde. Für eine Stellungnahme war der Jurist gestern nicht zu erreichen.

Das Silva-Mountain-Projekt erweist sich für den Ideengeber und Investor also immer mehr zur Achterbahnfahrt. Im Sommer 2016 hatte Franzky das 1,8-Hektar-Filetgrundstück oberhalb der Kranzbergbahn-Talstation für einen Millionenbetrag erworben. Schnell liefen im Verbund mit dem Markt Mittenwald die Planungen für das ambitionierte Vorhaben in exponierter Lage an. Dort, wo einst das Hotel Latscheneck gestanden hatte. Sollte das Folgeobjekt tatsächlich irgendwann mal gebaut werden, wird das Luxusresort 80 Zimmer, 150 Gästebetten, Wellness- und Gastroräume sowie eine Tiefgarage für 75 Pkw aufweisen.

Alles schien angerichtet, als man sich im April 2020 zum symbolischen Spatenstich traf. Doch schon bald war klar, dass an eine Eröffnung Ende 2021 nicht zu denken ist: Anspruchsvolle Erschließung, tonnenweise Erdbewegungen oder unzählige Sprengungen im Fels verzögerten den ehrgeizigen Zeitplan und verschlangen Unsummen. War ursprünglich einmal von 15 Millionen Euro die Rede, so sind es laut Bauherrn Franzky inzwischen um die 30 Millionen Euro. Zusätzliche Geldgeber in Zeiten einer Pandemie und Energiekrise zu finden, machte die Sache zusätzlich schwer.

Glaubt man dem stress-geplagten Silva-Mountain-Visionär, ist er nun auf eine Geld㈠ader in der Schweiz gestoßen. In diesem Zusammenhang erwähnt Franzky, dass seine Familie alleine in das Projekt auf dem Kaffeefeld bereits eine zweistellige Millionensumme an Eigenmitteln gepumpt hat. Es sei also im ureigensten Interesse, dass „Silva Mountain“ Wirklichkeit wird. Besagter Investmentfonds wird Franzky zufolge nicht als Miteigentümer auftreten. Man will die Millionen aus der Schweiz zeitnah zurückzahlen. Das „Silva Mountain“ soll nämlich ein Familienunternehmen sein.

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