Weniger Chaos am Eibsee: Zugspitz-Region versucht es mit neuem Online-Angebot

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Menschenmassen und verstopfte Straßen rund um den Eibsee sind ein bekanntes Problem. Die Zugspitz-Region will mit einer Informationsplattform entgegenwirken.

Es ist eine Mammutaufgabe, die sich die Zugspitz Region vorgenommen hat. Gemeinsam mit betroffenen aus dem Landkreis will sie die Besucherströme am Eibsee entzerren. Riesige Menschenmassen, verstopfte Straßen und überfüllte Parkplätze sind dort seit Jahren ein vertrauter Anblick. Vor allem in der Hochsaison. Ein Zustand, der besonders Einheimischen, aber auch Gästen zu schaffen macht. Das Rezept beim jetzigen Ansatz lautet: mehr Information, Transparenz und Appelle an den gesunden Menschenverstand. Helfen soll eine Online-Plattform, die über Möglichkeiten der Anreise informiert – und mit einer Art Ampelsystem über die Kapazität der Parkflächen.

Situation am Eibsee soll nicht schöngeredet, sondern realistisch dargestellt werden

Mehr Ordnung zwischen Grainau und Zugspitze. Nicht weniger als dieser großer Wunsch steckt dahinter: Wie bei einem Schneeballsystem soll sie sich das neue Online-Angebot unter www.anreise-zugspitze.de und www.anreise-eibsee.de im Landkreis und darüber hinaus etablieren. Grundsätzlich werden alle Zugangsoptionen aufgeführt: zu Fuß, mit dem ÖPNV oder per Pkw. Zweiteres muss man stärken, Letzteres reduzieren – darüber sind sich alle Beteiligten einig.

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„Es geht auch nicht darum, die Situation vor Ort schönzureden“, sagt Phillip Holz. Dem Tourismusmanager der Zugspitz-Region geht es viel mehr um eine „sachliche“ Kommunikation mit den Gästen. Die beinhaltet grundlegende Appelle. Eine frühere Anreise, Rücksichtnahme auf Hinweisschilder und die Nutzung des ÖPNV zum Beispiel. „Mit dem Eibseebus und der Zahnradbahn haben wir ja zwei Möglichkeiten“, betont Kollegin und Regionalmanagerin Anna-Lena Huber.

Entzerrung an den Parkplätzen ein wichtiger Faktor

Damit die Menschen schon vor oder während der Anreise wissen, wie sich die Parkplatzsituation am Fuße der Zugspitze gestaltet, gibt es eine Ampel auf der neuen Website. „Grün“ bedeutet viele freie Plätze. Werden diese weniger, springt sie irgendwann auf „Rot“. Mit dieser Transparenz macht auch Marc Rieppel gute Erfahrungen. An beiden Parkflächen vor seinem Eibsee-Hotel zeigen elektronische Tafeln die verfügbaren Flächen an. „Das nimmt viel Druck von den Parkplatzwächtern“, erklärt er. Mit einem ähnlichen System will bald auch die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) vor ihren Stellplätzen arbeiten, versichert Logistik-Chef Mario Lanzenhofer.

Starkes Bündnis: v.l. Stephan Märkl, Sebastian Kramer, Marc Rieppel, Phillip Holz, XY, Olaf Buchberger, Anna-Lena Huber, Sarah Hoffmann, Mario Lanzenhofer und Verena Tanzer gehen das Dauerthema Besucherlenkung am Eibsee gemeinsam an.
Großes Bündnis: v.l. Stephan Märkl, Sebastian Kramer, Marc Rieppel, Phillip Holz, Anja Eder, Olaf Buchberger, Anna-Lena Huber, Sarah Hoffmann, Mario Lanzenhofer und Verena Tanzer gehen die Besucherlenkung gemeinsam an. © tsch

Weil es mit der Seilbahn Zugspitze und dem Eibsee zwei Besuchermagneten an einem Ort gibt, hat die Plattform auch beide Adressen. Der Inhalt ist jeweils identisch und soll nun fleißig verbreitet werden. Von den verschiedenen Tourismusorganisationen, Gastgebern, Gemeinden und weiteren Akteuren aus der Branche. Erreichen soll er jeden, der beide Orte ansteuern möchte. Eine gewichtige Rolle kommt den sozialen Medien zu. Schließlich haben diese zum großen Teil erst dazu beigetragen, dass sich beide Ziele zu weltweit bekannten Foto- und Videohotspots entwickeln. In Kürze soll auf den gängigen Plattformen ein erstes Erklärvideo erscheinen. In Form eines „Reels“, die sich im Internet aufgrund ihrer kurzen Dauer großer Beliebtheit erfreuen.

Regulierter Zugang zum Eibsee als langfristige Lösung?

Das werden auch Eibsee und Zugspitze weiterhin tun. Viele Einheimische meiden die Hotspots inzwischen oder suchen sie nur noch zu bestimmten Zeiten auf. „Das kann nicht sein“, findet Stephan Märkl (CSU). Der Grainauer Bürgermeister wünscht sich eine dauerhafte Entzerrung. Die Informationsplattform ist für ihn ein erster Schritt. Auf lange Sicht denkt er an einen regulierten Zugang, wie es ihn auch am Pragser Wildsee gibt. Das Ausflugsziel in Südtirol ist für Touristen nur noch mit vorheriger Buchung erreichbar. Kurzfristig soll das neue Hilfsmittel für Abhilfe schaffen. Auch Verena Tanzer ist überzeugt, dass es die Situation verbessern kann. „Wir wollen, dass es weniger Frust und Ärger am Eibsee gibt“, sagt die BZB-Sprecherin. Denn dafür – sind sich alle einig – ist es dort oben viel zu schön. (tsch)

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