Russlands Trump-Euphorie: Während alle jubeln, warnt die Presse vor dem Kollaps

Nach dem Gipfeltreffen zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump in Mar-a-Lago herrscht in den russischen Redaktionen Euphorie. Steve Rosenberg, langjähriger Moskau-Korrespondent der BBC, analysiert in seiner Presseschau „Reading Russia“, wie der Kreml den US-Präsidenten regelrecht vereinnahmt. Doch die Schlagzeilen zum „neuen Kapitel“ der Weltpolitik werden von düsteren Prognosen zur heimischen Wirtschaft überschattet.

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Trump als „Partner“: Kreml-Medien attackieren „russophobes Europa“

In der russischen Boulevardpresse wird Donald Trump fast schon zärtlich nur noch „Donald“ genannt. Man sieht in ihm einen Geistesverwandten, während das restliche Europa zum neuen Erzfeind deklariert wird. Die „Komsomolskaja Prawda“ zieht eine radikale Bilanz aus der neuen US-Sicherheitsstrategie:

„Amerika betrachtet unser Land nicht mehr als Bedrohung. Die Bedrohung ist nun das militarisierte Europa. Die Philosophie des amerikanischen Führers liegt näher an den Werten des Präsidenten Russlands als an denen der Politiker der Alten Welt.“

Für Trump sei Russland kein Feind, sondern ein „potenzieller Partner für künftige gemeinsame Projekte“, da er die Gefahr einer nuklearen Apokalypse verstehe. Europa hingegen wird als „liberale Hochburg“ gebrandmarkt, die es zu zerstören gelte. 

Die Militärzeitung „Krasnaja Swesda“ schlägt in die gleiche Kerbe und tituliert europäische Staatschefs als „russophobe Politiker der Alten Welt“. Während „Iswestija“ sicher ist, dass Trump Kiew massiv unter Druck setzen wird, um den Konflikt schnellstmöglich zu beenden, sieht „Kommersant“ bereits den Anbruch eines völlig neuen Kapitels in den russisch-amerikanischen Beziehungen.

Der „perfekte Sturm“: Düstere Prognosen für die russische Wirtschaft 2026

Doch so glänzend die diplomatische Fassade wirken mag, so schockierend ehrlich äußern sich russische Medien zum Zustand der eigenen Wirtschaft. Die „Nesawissimaja Gaseta“ warnt ungeschminkt vor einem wirtschaftlichen Kollaps im kommenden Jahr.

„Die Industrie ist in einen ‚perfekten Sturm‘ geraten. Die Aufgabe für 2026 wird es sein, damit irgendwie zu überleben. Neue Probleme werden zu den bestehenden hinzukommen: Steuererhöhungen, die schneller steigen als die Tarife, ein Mangel an Betriebskapital und eine wachsende Krise bei nicht geleisteten Zahlungen.“

Laut Analysten werden die Investitionen in Schlüsselsektoren wie Öl, Gas und Chemie im Jahr 2026 massiv einbrechen. Besonders dramatisch ist die Lage in der Kohleindustrie: Laut Energieministerium sind drei Viertel aller Kohleunternehmen des Landes unrentabel. Die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ versucht zwar, die Lage zu beschönigen („Es war ein schwieriges Jahr, aber es hätte schlimmer kommen können“), doch die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Schulden-Falle und Steuer-Schock: Russen verlieren ihre Reisefreiheit

Auch für die Bevölkerung wird der Preis für den Kriegskurs immer spürbarer. „Kommersant“ erinnert daran, dass zum Jahreswechsel die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent steigt, um das klaffende Haushaltsdefizit zu stopfen.

Gleichzeitig wird die Reisefreiheit massiv eingeschränkt – und zwar nicht durch westliche Sanktionen, sondern durch die private Pleitewelle. „Moskowski Komsomolez“ berichtet von einer neuen Rekordzahl:

„Mehr als 850.000 Einwohner von Moskau und der umliegenden Region dürfen wegen ihrer Schulden nicht ins Ausland reisen. Schuld sind nicht Sanktionen oder geopolitische Konflikte, sondern ganz gewöhnliche Schulden: unbezahlte Geldstrafen, überfällige Kredite oder nicht gezahlte Alimente.“

Wer in Russland Schulden hat, wird konsequent an der Ausreise gehindert. Während Trump also in den Schlagzeilen als Heilsbringer gefeiert wird, bereitet sich das russische Volk auf ein Jahr der Entbehrungen und der wirtschaftlichen Isolation vor.