Sobald Schnee, Eis oder Reifglätte die Straßen bedecken, steigt das Unfallrisiko erheblich – besonders für Autofahrer, die noch mit Sommerreifen unterwegs sind. Viele fragen sich: Ist das überhaupt erlaubt? Und wie wirkt sich das auf den Versicherungsschutz aus? Versicherungsexperte Bastian Kunkel von Versicherungen mit Kopf erklärt, welche Regeln gelten, welche Strafen drohen und wann Versicherungen bei Unfällen Leistungskürzungen vornehmen.
Keine starre Winterreifenpflicht – aber klare Regeln
In Deutschland gibt es keine feste Winterreifenpflicht nach Zeitraum. Die verbreitete „O-bis-O“-Regel (Oktober bis Ostern) ist lediglich eine Empfehlung. Gesetzlich gilt die situative Winterreifenpflicht:
Bei winterlichen Straßenverhältnissen – also Glatteis, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte – darf nur mit geeigneten Winterreifen gefahren werden.
Wer bei solchen Bedingungen mit Sommerreifen fährt, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung. Das gefährdet nicht nur die eigene Sicherheit, sondern kann auch versicherungsrechtliche und finanzielle Folgen haben.
Bußgelder und Punkte: Das droht bei falscher Bereifung
Wer mit Sommerreifen bei winterlichen Bedingungen erwischt wird, muss mit spürbaren Strafen rechnen:
- 60 Euro Bußgeld + 1 Punkt bei normaler Fahrt
- 80 Euro bei Behinderung
- 100 Euro bei Gefährdung
- 120 Euro bei Unfall
Auch der Fahrzeughalter kann belangt werden, wenn er die Fahrt zulässt – mit 75 Euro und einem Punkt.
Der Grund: Sommerreifen verlieren bei Temperaturen unter sieben Grad erheblich an Haftung. Bremsweg, Lenkverhalten und Stabilität verschlechtern sich deutlich – ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
Versicherungsschutz in Gefahr: Was passiert bei einem Unfall?
Kommt es mit Sommerreifen im Winter zu einem Unfall, kann es teuer werden. Entscheidend ist, ob Haftpflicht-, Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung betroffen sind – und ob der Unfall selbst verschuldet wurde.
1. Haftpflichtversicherung – Regresszahlungen möglich
Verursachen Sie den Unfall selbst, zahlt die Haftpflicht zwar zunächst den Schaden des Gegners. Anschließend kann der Versicherer jedoch bis zu 5000 Euro Regress verlangen – wegen grober Fahrlässigkeit.
Auch wenn Sie nicht der Unfallverursacher sind: Fahren mit Sommerreifen kann eine Mitschuld begründen, etwa wenn der verlängerte Bremsweg zur Kollision beigetragen hat.
2. Kaskoversicherung – Leistungskürzung möglich
In der Kasko kann der Versicherer die Leistung teilweise oder vollständig kürzen, wenn ungeeignete Bereifung zum Unfall beigetragen hat. Das gilt auch bei Wildunfällen oder Rutschschäden.
Wie stark gekürzt wird, hängt vom Einzelfall ab – entscheidend ist, ob die falschen Reifen ursächlich waren.
Grobe Fahrlässigkeit: Warum Sommerreifen im Winter problematisch sind
Das Fahren mit Sommerreifen bei winterlichen Bedingungen gilt rechtlich meist als grobe Fahrlässigkeit. Fahrer hätten die Gefahr erkennen müssen.
Zwar bieten manche moderne Kfz-Tarife einen Schutz bei grober Fahrlässigkeit. Doch Vorsicht: Einige Versicherungen schließen den Fall „Sommerreifen im Winter“ ausdrücklich aus. Deshalb lohnt ein Blick in die eigenen Vertragsbedingungen – oder der rechtzeitige Wechsel auf Winterreifen.
Ganzjahresreifen: Eine Alternative – aber nur mit richtiger Kennzeichnung
Ganzjahresreifen können eine gute Lösung sein, jedoch nur, wenn sie wintertauglich sind. Das ist der Fall, wenn sie das Alpine-Symbol tragen – ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke.
Ältere Reifen mit lediglich M+S-Kennzeichnung gelten seit 2024 nicht mehr als ausreichend wintertauglich. Ohne Alpine-Symbol drohen dieselben Konsequenzen wie bei Sommerreifen.
Warum Winterreifen unverzichtbar sind
Winterreifen unterscheiden sich nicht nur im Profil, sondern auch in der Gummimischung. Diese bleibt bei niedrigen Temperaturen weich und sorgt für:
- besseren Grip
- kürzere Bremswege
- stabileres Fahrverhalten
Sommerreifen hingegen verhärten bei Kälte und verlieren massiv an Haftung – selbst auf trockener Straße.
Schon bei Temperaturen unter sieben Grad bieten Winterreifen deutlich mehr Sicherheit.
Fazit: Sommerreifen im Winter sind ein unnötiges und teures Risiko
Mit Sommerreifen im Winter zu fahren ist nicht nur gefährlich, sondern kann auch versicherungsrechtlich schwerwiegende Folgen haben. Bußgelder, Punkte und Leistungskürzungen sind realistische Risiken.
Wer sicher durch die kalte Jahreszeit kommen möchte, sollte rechtzeitig auf Winterreifen wechseln oder hochwertige Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol nutzen. Das schützt nicht nur die eigene Sicherheit – sondern auch den Versicherungsschutz.
Bastian Kunkel, Gründer von „Versicherungen mit Kopf“, ist ein führender Experte in der Versicherungsbranche mit über 850.000 Followern auf Social Media. Seine VMK Versicherungsmakler GmbH zählt zu den besten Maklern Deutschlands. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.