Ab dem 1. Januar 2026 müssen zahlreiche privat Krankenversicherte mit teils erheblichen Beitragssteigerungen rechnen. Schätzungen zufolge sind rund 60 Prozent aller Versicherten betroffen. Im Durchschnitt liegt die Anpassung bei etwa 13 Prozent, bei bestimmten Tarifen können es jedoch 30 bis 40 Prozent sein. Diese starken Erhöhungen sind kein Zufall – sie haben klare, gesetzlich verankerte Ursachen.
Versicherungsexperte Bastian Kunkel von Versicherungen mit Kopf erklärt, warum die Anpassungen notwendig sind, welche Probleme besonders bei alten Tarifen sichtbar werden und wie Versicherte sinnvoll reagieren können.
Warum Beitragsanpassungen in der PKV notwendig sind
Private Krankenversicherungen müssen regelmäßig prüfen, ob die Beiträge die tatsächlichen Gesundheitskosten decken. Steigen medizinische Ausgaben schneller als prognostiziert, besteht gesetzlicher Anpassungsbedarf. Dazu gehören etwa:
- Teurere medizinische Behandlungen
- Steigende Pflegekosten
- Längere Lebenserwartung und zunehmende Leistungsinanspruchnahme
Die Anpassungen werden streng reguliert. Jede Kalkulation durchläuft die Prüfung eines unabhängigen Treuhänders. Beitragserhöhungen dürfen nicht aus Gewinninteresse erfolgen. Zinsüberschüsse müssen überwiegend zur Entlastung der Versicherten eingesetzt werden – besonders im Alter.
Steigende Gesundheitskosten als zentraler Treiber
Die Ausgaben für medizinische Leistungen steigen seit Jahren spürbar. Besonders betroffen sind:
- Ambulante Leistungen: zuletzt ein Plus von über acht Prozent
- Krankenhausbehandlungen: 2024 lagen die Ausgaben rund zehn Prozent über dem Vorjahr, vor allem durch steigende Pflegekosten (plus fast 18 Prozent)
- Häufigere Inanspruchnahme: Krankenhausaufenthalte nahmen zwischen 2022 und 2024 um etwa elf Prozent zu
- Psychotherapeutische Versorgung: 2023 stiegen die Ausgaben um über 13 Prozent
Ein Beispiel für die Kostenentwicklung durch medizinischen Fortschritt ist die Gürtelrose-Impfung: Von acht Millionen Euro PKV-Ausgaben im Jahr 2019 stiegen die Kosten bis 2023 auf fast 110 Millionen Euro.
Fortschritt verbessert die Versorgung – er erhöht aber auch die Ausgaben.
Wenn Tarife zu günstig kalkuliert wurden – Beitragsschock 2026
Einige Versicherer haben Tarife in der Vergangenheit zu niedrig kalkuliert, oft um im Wettbewerb günstige Beiträge anbieten zu können. Über Jahre wurden notwendige Anpassungen nur minimal umgesetzt oder hinausgezögert.
Das Ergebnis zeigt sich jetzt:
Statt moderater jährlicher Steigerungen kommt es 2026 in einzelnen Tarifen zu massiven Sprüngen von bis zu 40 Prozent.
Diese extremen Anpassungen sind kein Zeichen eines Problems des gesamten PKV-Systems, sondern Ausdruck einer fehlerhaften Kalkulation einzelner Tarife. Sie verdeutlichen: Günstige Beiträge sind kein Qualitätsmerkmal. Nachhaltigkeit entsteht durch solide und regelmäßige Beitragspflege.
Neue Einkommensgrenzen und Zuschüsse
2026 treten außerdem mehrere gesetzliche Neuerungen in Kraft, die für viele Privatversicherte, vor allem für die, die neu in die PKV wollen, relevant sind.
Höhere Hürde für den Wechsel in die PKV
Ab 2026 steigt die Jahresarbeitsentgeltgrenze deutlich auf 77.400 Euro. Erst oberhalb dieses Einkommens sind Beschäftigte nicht mehr in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert und können in die PKV wechseln. 2025 lag die Schwelle noch bei 73.800 Euro.
Wer bereits privat versichert ist und nun durch die neue Grenze eigentlich versicherungspflichtig würde, kann sich regulär von der GKV-Pflicht befreien lassen – und in der PKV bleiben. Parallel gibt es auch am unteren Ende eine Anpassung: Für geringfügig Beschäftigte steigt die Grenze, bis zu der eine PKV-Mitgliedschaft zulässig ist, auf 603 Euro monatlich.
Auch bei der Beihilfe ändern sich die Regeln: Familienangehörige von Bundesbeamtinnen und -beamten dürfen sich weiterhin privat versichern, wenn ihr eigenes Einkommen 2026 unter 22.648 Euro jährlich liegt. Die Werte der Landesbeihilfen können jedoch abweichen.
Höhere Zuschüsse für Angestellte und Rentner
Durch die neue Beitragsbemessungsgrenze erhöhen sich 2026 auch die Arbeitgeberzuschüsse. Privatversicherte Arbeitnehmer erhalten künftig maximal 508,59 Euro Zuschuss zur Krankenversicherung und 104,63 Euro zur Pflegeversicherung.
Wer den Höchstzuschuss nicht ausschöpft, kann unter bestimmten Bedingungen sogar einen Zuschuss für privatversicherte Familienmitglieder erhalten, etwa, wenn diese kein eigenes Einkommen haben oder nur geringfügig beschäftigt sind. Maßgeblich ist hier eine neue Einkommensgrenze von 565 Euro pro Monat.
Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung
Auch gesetzlich Versicherte müssen 2026 mehr zahlen. Gründe sind unter anderem:
- Steigende Beitragsbemessungsgrenze: Voraussichtlich 5.812,50 Euro monatlich
- Höhere Zusatzbeiträge: Prognostiziert werden rund 2,9 Prozent
Für besserverdienende Versicherte ergibt sich daraus ein Monatsbeitrag von etwa 1.268 Euro.
Langfristige Analysen zeigen, dass PKV und GKV beide von wachsenden Gesundheitskosten betroffen sind. Der Unterschied: Die PKV bietet individuelle Gestaltungsmöglichkeiten und bildet kapitalgedeckte Rücklagen für das Alter.
Was Versicherte jetzt tun können
1. Tarifwechsel innerhalb des eigenen Versicherers
Versicherte haben das Recht, innerhalb ihrer PKV in einen günstigeren Tarif zu wechseln – oft ohne Verlust wichtiger Leistungen.
2. Selbstbehalt anpassen
Ein höherer Selbstbehalt kann den Monatsbeitrag reduzieren. Die Entscheidung sollte jedoch zur eigenen Gesundheitssituation passen.
3. Zusatztarife überprüfen
Optionale Leistungen wie Einbettzimmer oder Chefarztbehandlung können gekündigt oder durch günstigere Varianten ersetzt werden.
4. Sonderkündigungsrecht nutzen – mit Bedacht
Nach einer Erhöhung besteht ein zweimonatiges Sonderkündigungsrecht. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter lohnt jedoch meist nur bei Neuverträgen, da bestehende Alterungsrückstellungen nicht vollständig übertragen werden.
Warum die PKV weiterhin überzeugt
Trotz steigender Beiträge bleibt die private Krankenversicherung ein stabiles, leistungsstarkes System. Sie bietet:
- Schnellen Zugang zu Fachärzten
- Individuell wählbare Leistungsbausteine
- Hochwertige Behandlungsqualität
- Kapitalgedeckte Rückstellungen zur Entlastung im Alter
Während die GKV stärker unter dem demografischen Wandel leidet, sorgt die PKV mit kapitalgedeckten Strukturen für Nachhaltigkeit.
Fazit: Kein Systemfehler – sondern notwendige Korrekturen
Die Beitragsanpassungen 2026 zeigen zwei Dinge:
Das PKV-System ist stabil und gesetzlich streng reguliert – aber dort, wo Tarife künstlich niedrig gehalten wurden, werden jetzt die Folgen sichtbar. Seriöse Anbieter kalkulieren dauerhaft solide und vermeiden Beitragsschocks.
Oder, wie es Bastian Kunkel formuliert:
„Wer solide kalkuliert, bleibt verlässlich. Wer zu günstig startet, muss später nachzahlen.“
Bastian Kunkel, Gründer von „Versicherungen mit Kopf“, ist ein führender Experte in der Versicherungsbranche mit über 850.000 Followern auf Social Media. Seine VMK Versicherungsmakler GmbH zählt zu den besten Maklern Deutschlands. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.