Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle als …
So oder so ähnlich fangen wohl die meisten Anschreiben an. Und ehrlich gesagt: Wie auch sonst? Es ist einfach, Bewerbern mangelnde Kreativität oder Originalität vorzuwerfen, wenn Bewerbungsverfahren über lange Zeit so standardisiert sind – und der Bewerber nicht weiß, wer am Ende das Anschreiben lesen wird.
Eltern erziehen ihre Kinder zur kompletten Unselbstständigkeit
Zur ohnehin vorhandenen Anschreiben-Monotonie kommt leider ein neues Phänomen: Es scheint zuzunehmen, dass überfürsorgliche Eltern die Bewerbung für ihre Kinder übernehmen. Klar, der Wunsch, dass es die eigenen Kinder einmal leichter haben als man selbst, ist nachvollziehbar. Wenn Eltern jedoch die Jobsuche für ihre volljährigen Kinder übernehmen, inklusive Bewerbung und Anschreiben, erweisen sie ihnen einen Bärendienst. Kinder werden so zur kompletten Unselbstständigkeit erzogen. Erlernte Hilflosigkeit lässt sich schwer wieder ablegen. Eher früher als später wird das dann auch der Arbeitgeber merken.
Ein guter KI-Prompt hilft bei der Bewerbung
Dabei gibt es mittlerweile eine schöne Alternative zu Mama oder Papa: künstliche Intelligenz. In der Praxis gibt das Anschreiben ohnehin keine Auskunft über Motivation oder Teamfähigkeit. Es kann vielleicht einen nicht geradlinigen Lebenslauf erklären und verrät etwas über die schriftliche Ausdrucksfähigkeit (wenn es nicht gerade die Eltern verfasst haben).
Nun kann es aber auch zeigen, wie gut Bewerber mit künstlicher Intelligenz umgehen können und wie kreativ sie prompten. Wenn man als Arbeitgeber im Bewerbungsprozess den Einsatz von ChatGPT & Co. nicht mal bemerkt, umso besser. Dann ist er wirklich gelungen. Und jeder vernünftige Arbeitgeber wird einen Bewerber, der KI einsetzen kann lieber einstellen als jemanden, der sich dem verweigert. Wenn ein Unternehmen KI im Arbeitsalltag erwartet, aber im Bewerbungsprozess sanktioniert, handelt es inkonsequent.
Echte Eignung für den ausgeschriebenen Job muss ohnehin an anderer Stelle überprüft werden: in Gesprächen, Arbeitsproben oder auch über Referenzen. Dafür ist ein Anschreiben ungeeignet, ob mit oder ohne KI geschrieben.
KI-Bewerbungen können zur Chancengleichheit beitragen
Und wie oft habe ich es schon erfahren, dass Bewerber mit unterdurchschnittlichen Anschreiben ganz überdurchschnittlich gute Arbeit geleistet haben. Wer mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen ist oder aus anderen Gründen Schwierigkeiten bei der schriftlichen Formulierung hat, findet in künstlicher Intelligenz einen ganz großartigen Helfer. Einen, der vielleicht mehr für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt tun kann als alle staatlichen Programme gleichzeitig.