Die deutsche Industrie steckt in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Wirtschaftsexperte Lars Feld warnt im Interview mit der „Augsburger Allgemeine“ vor massivem Stellenabbau und geht hart mit der neuen Regierung ins Gericht. Sein Urteil fällt vernichtend aus: Bundeskanzler Friedrich Merz fehlt der Mut, sich gegen die SPD durchzusetzen.
150.000 Jobs weg – und es wird noch schlimmer
Das Jahr 2025 markiert einen bitteren Wendepunkt. Laut Feld sind bereits 150.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen. Tendenz steigend. Und das Schlimmste kommt noch: Viele Beschäftigte sitzen derzeit in Transfergesellschaften. Die echte Lawine rollt erst noch auf den Arbeitsmarkt zu.
Der Grund ist hausgemacht: Die Produktionskosten in Deutschland sind schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig.
Merz gegen die SPD-Bremse
Kanzler Merz hat die Generalüberholung der Sozialsysteme versprochen. Feld glaubt nicht daran. Der Grund: der Koalitionspartner. „Die SPD lehnt im Herzen notwendige Einschnitte ab“, sagt Feld. Er wirft Merz vor, sich durch den Druck der CSU gegen eine Koalition mit den Grünen entschieden zu haben. Die wäre aus Felds Sicht geschmeidiger gewesen.
Jetzt sitzt Merz in der Falle. Er muss seinen eigenen Leuten „die Pistole auf die Brust setzen“, um die drohende blaue Welle bei den nächsten Landtagswahlen zu stoppen. Ob er das schafft? Feld zweifelt.
Heizungsgesetz und Verbrenner-Verbot: Weg damit
Die Kritik an der Regulierungswut fällt vernichtend aus. Feld fordert die ersatzlose Streichung des Heizungsgesetzes und des Verbrenner-Verbots. Beides sind für ihn reine Fehlsteuerungen.
Die Energiewende? Sie atme den „Geist der Planwirtschaft“. Zwar sinken die Einkaufspreise für Strom, aber Steuern und Abgaben fressen den Effekt für Sie als Bürger wieder auf. Am Ende zahlen Sie genauso viel wie vorher. Er ist der Auffassung, dass wir höhere CO2-Preise brauchen.
Die Bürokratie ist ein eigenes Kapitel. Ein aufgeblähter Beamtenapparat produziert ständig neue Vorschriften, nur um die eigene Existenz zu rechtfertigen. Ein Teufelskreis.
Die Renten-Rechnung geht nicht auf
Deutschlands Arbeitskosten sind im internationalen Vergleich zu hoch, das sagt er schon länger. Feld plädiert für unpopuläre, aber notwendige Schritte. Wer früher in Rente geht, muss das im Geldbeutel spüren. Höhere Abschläge sind für ihn der einzige Weg, den Personalmangel effektiv zu bekämpfen.
Auch bei den Sozialsystemen sieht Feld keine Alternative: Ohne mehr private Vorsorge im Gesundheitssystem wird es nicht gehen. Das aktuelle Rentenpaket, das den Nachhaltigkeitsfaktor bis 2031 aussetzt, hält er für unfair gegenüber den Beitragszahlern. Die junge Generation zahlt die Zeche.
Einziger Lichtblick: Rüstung boomt
Die Rüstungsindustrie erlebt einen Boom. Eine direkte Folge der Bedrohung durch Russland. Doch Feld warnt vor Euphorie: Ein Bandarbeiter aus der Autobranche wird nicht über Nacht zum Panzerbauer. Die Umschulung dauert, die Fachkräfte fehlen anderswo.
In der Bauwirtschaft zeichnet sich dank staatlicher Infrastrukturprogramme eine Bodenbildung ab. Aber auch hier sieht der Ökonom eine Gefahr: Die Lockerung der Schuldenbremse führt dazu, dass Milliarden nicht investiert, sondern als Wahlgeschenke verfrühstückt werden.
Felds Fazit ist klar: Deutschland braucht nicht mehr Geld, sondern echte Reformen. Solange die Regierung sich vor unpopulären Entscheidungen drückt, wird sich nichts ändern. Die Industrie blutet aus, die Jobs verschwinden, und ein Ende ist nicht in Sicht.