Das Tölzer Hotel Alpenhof stand einst vor dem Aus. Doch Jürgen und Hedwig Ostermann investierten viel Arbeit. Heute ist es ein beliebtes Ziel für Stammgäste.
Bad Tölz – Eine bewegte Geschichte liegt hinter dem Tölzer Hotel Alpenhof an der Buchener Straße im Badeteil. Errichtet wurde das Haus 1980/81. „Es gehörte mit Eberl und Tölzer Hof zu den letzten, die gebaut wurden“, sagt Jürgen Ostermann. Er betreibt das Haus seit fast 20 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Hedwig. Deren Mutter hatte das Hotel seit 1989 geführt, 2006 übernahmen dann Tochter und Schwiegersohn, die dafür aus Nordrhein-Westfalen nach Bayern zogen. Der „Alpenhof“ sei damals in keinem guten Zustand gewesen. „Wir haben ganz unten angefangen“, sagt Hedwig Ostermann, die zunächst skeptisch war, aber dann das Haus schließlich kaufte. „Es wäre zu schade gewesen“, sagt Jürgen Ostermann.
Kaiserschmarrn für 50 Gäste
„Wir haben sehr viel Arbeit reingesteckt, alles mitgenommen, was kam“, sagt Jürgen Ostermann. Das waren in der Anfangszeit zahlreiche Reisebusse, um deren Passagiere sich das Ehepaar mit Hilfe von nur einer Angestellten kümmerte. 70 Frühstücke wurden jeden Morgen gereicht, einmal habe er für 50 Gäste Kaiserschmarrn serviert, „à la minute“, sagt der gelernte Koch Ostermann. Damals gab es die Zimmer noch mit Halbpension. Auch wenn der Aufwand enorm war: „Wir wollten das Haus nicht kaputtgehen lassen“, beschreibt das Paar seinen Antrieb. Und der lohnte sich. Stammgäste wurden wiedergewonnen und blieben teilweise zwei bis drei Wochen.
Die Gäste waren und sind bunt gemischt: Geschäfts- und Einzelreisende, Familien, Paare. „Ein erster Knick kam mit der Schließung des Alpamare im Jahr 2015“, sagt Jürgen Ostermann. 1500 bis 1600 Übernachtungen fielen plötzlich weg. Es waren vor allem russische Gäste gewesen, die teilweise bis zu sechs Wochen geblieben waren. Ein weiterer Einschnitt war Corona. „Wir hatten elf Monate zu.“ Danach aber ging es richtig gut weiter. „Die Leute durften nicht fliegen. Ein Paar hatte für Kanada gebucht, kam dann aber zu uns“, erzählt er schmunzelnd. Der „Alpenhof“ hatte immer wieder Glück: Brach eine Seite weg, tat sich eine andere auf. „Es kamen neue Gäste.“ Gestartet war man bei 7000 Übernachtungen pro Jahr, derzeit sind es 12 000.
Wichtig sind die Stammgäste. Einige waren bereits 30-, 40-, 50-mal da. „Das sind keine Gäste mehr, das sind Freunde“, sagen die Ostermanns. Was den Leuten am „Alpenhof“ so gefällt, dass sie immer wieder kommen? „Die Zimmer sind sehr geräumig, und es gibt eine Kochecke“, sagt Hedwig Ostermann. Sehr viel Glück habe man immer mit den Angestellten gehabt, ergänzt Jürgen Ostermann. „Wir haben mit nur einer Dame angefangen, jetzt sind wir bei acht“, sagt der 69-Jährige. Diese sind teilweise schon viele Jahre dabei.
Im Laufe der Zeit kamen auch immer wieder prominente Gäste in den „Alpenhof“. Schauspieler, etwa während der Drehs von „Wicky und die starken Männer“ oder „Tonio und Julia“ oder auch Konstantin Wecker und die Huber-Buam. „Für uns sind das Gäste wie jeder andere. Die wollen einfach ihre Privatsphäre“, sagt Jürgen Ostermann.
Gast aus Libyen wollte Antiquitäten
In Erinnerung bleibt ihm auch die Begegnung mit einem Gast aus Libyen. „Er war sechs Monate lang bei uns.“ Der Mann, der wohl recht wohlhabend war und in seiner Heimat ein Schloss besaß, hatte eine Sammelleidenschaft: Um nach kunstvollen, älteren Vorhängeschlössern zu suchen, bat er Ostermann, ihn zu Antiquitätenläden im gesamten Umkreis zu begleiten. „Das war krass.“ Ebenfalls ein halbes Jahr lang war eine Familie aus Kuwait zu Gast. Die habe auf einen Termin für ihr Kind in der Fachklinik Gaißach gewartet. Auch wenn Geld bei diesen Gästen keine Rolle gespielt habe: „Die Mutter hat jeden Mittag auf dem Zimmer gekocht und mir immer etwas davon gegeben“, sagt er lachend.
Steckbrief
Gründungsjahr: 1980/81 wurde das Haus gebaut, ab 1989 führte es Hedwig Ostermanns Mutter als Hotel.
Wievielte Generation: 2
Anzahl der Zimmer: 27 Zimmer, 52 Betten
Mit Gastronomie: Mit Frühstück
Bekanntester Gast: Konstantin Wecker, die Huber-Buam und viele weitere
Besonderheit des Hauses: Einziges, zertifiziertes Vier-Sterne-Haus in Bad Tölz
Durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste: 4,9 Tage
Obwohl sich das Haus in seiner Größe nicht verändert hat, daran gearbeitet wurde laufend. Kurz vor Corona wurde das Gebäude komplett renoviert. Alle Zimmer wurden entkernt, „wir haben 34 Container voll entsorgt“, sagt Jürgen Ostermann. Schon in den 90er-Jahren wurde das Schwimmbad vergrößert. Es gibt außerdem ein Whirlpool und einen Sauna-Bereich. Für sportliche Gäste stehen zwei Garagen zur Verfügung, um Fahrräder sicher abzustellen. Dazu kommen Lademöglichkeiten für E-Bikes und -Autos. Außerdem baut Familie Ostermann auf nachhaltige Technik, mit Blockheizkraftwerk und Photovoltaik-Anlagen. Das Hotel stehe nach vielen Jahren harter Arbeit auf soliden Beinen und sei in einem Top-Zustand, betont Jürgen Ostermann.
Trotz vieler Widerstände, unter anderem auch gesundheitlicher Natur, mache es immer noch sehr viel Spaß, Gastgeber zu sein. „Ich würde es jederzeit wieder machen. Es gibt nichts Schöneres, als mit Menschen gute Gespräche zu führen.“ Es sei wichtig, seine Energie „in den Gast zu stecken und nicht in Sachen, die ich nicht ändern kann“, sagt Jürgen Ostermann. Die Gäste wissen das zu schätzen. Die Zimmer sind von Mai bis nach Leonhardi stets gut gebucht. „Danach kommt die Saure-Gurken-Zeit“, sagt Ostermann. Aber auch die ließe sich überbrücken.
Wenn es die Gesundheit zulasse, wollen er und seine Frau den „Alpenhof“ noch bis 2029 führen. Dann werde er 73 Jahre alt sein. Wie es dann weitergeht? Unklar. Die Tochter der Familie hat beruflich einen anderen Weg eingeschlagen, eine innerfamiliäre Weitergabe ist unwahrscheinlich.
Serie „Gastgeber mit Geschichte“
Gastlichkeit hat im Tölzer Land Tradition. Es gibt viele Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, die schon seit Generationen in Familienhand sind. In der Serie „Gastgeber mit Geschichte“ beleuchtet der Tölzer Kurier Beherbergungsbetriebe im Wandel der Zeit.
Die bisherigen Folgen:
Mutter-Tochter-Gespann lebt oberbayerische Gastlichkeit: Das Haus Krinner in Bad Tölz
Junge Hotelchefinnen möbeln Traditionshaus auf: Das Hotel Waltraud in Kochel
„Alles für unseren Betrieb selbst gemacht“: Café und Pension Schusterpeter in Arzbach
Landwirtschaft mit allen Sinnen: Der Abrahamhof in Benediktbeuern
„Da müssen alle dahinterstehen“: Das Hotel und Café am Wald in Bad Tölz
Vier Generationen Frauenpower: Der Landgasthof Fischbach
„Kinder haben mit den Gästen schwimmen gelernt“: Der Langerbauernhof in der Jachenau