Mit viel Rückenwind startet Andreas Wild in den Wahlkampf. Die Grünen nominierten den Landratskandidaten ohne Gegenstimme.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war eine klare Sache: 55 der 57 anwesenden Grünen-Mitglieder stimmten am Mittwoch für Andreas Wild als Landratskandidaten. Ein Stimmzettel war ungültig, der zweite eine Enthaltung. Jubel brandete in den Geretsrieder Ratsstuben auf, als das Ergebnis verlesen wurde. Unter stehenden Ovationen bedankte sich der 54-jährige Tölzer für das Vertrauen. „Mit großer Freude und Demut nehme ich die Wahl an. Das ist ein klarer Auftrag und Rückenwind, wie ich ihn mir besser nicht hätte wünschen können.“
Es geht nicht um Einzelinteressen, sondern darum, was für uns alle gut ist.
Für seine Vorstellungsrede hatte sich Wild, der zusammen mit Melanie Grünwald den Kreisverband führt, einiges einfallen lassen. Mitgebracht hatte er unter anderem einen Bierkrug. Den habe ihm der damalige Landrat Manfred Nagler vor 25 Jahren für seine ehrenamtliche Arbeit als Vorsitzender des Kreisjugendrings überreicht. Damals habe er dafür gekämpft, Geld für die offene Jugendarbeit locker zu machen – gegen alle Widerstände in der „echt zähen Behörde“ und in einem „extrem konservativen Kreistag“. Tiefere Einblicke in die Jugendhilfe und die Arbeit des Jugendamts bekamen der Tölzer und seine Frau dann, als sie zwei Pflegekinder aufnahmen. Für die Jugend, „über die die Politik oft hinwegbestimmt“, möchte sich Wild besonders einsetzen und sie an Entscheidungen beteiligen.
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Einsatz für wohnortnahe Gesundheitsversorgung
Sein Kompass, sagte Wild und holte das entsprechende Instrument hervor, „bleibt der Gemeinwohlkompass. Es geht nicht um Einzelinteressen, sondern darum, was für uns alle gut ist.“ Auch eine Maske hatte der Tölze mitgebracht. Der Erhalt der wohnortnahen Gesundheitsversorgung stehe auf seiner Agenda – mit Klinikstandorten in Bad Tölz und Wolfratshausen. Die Kreisklinik müsse in kommunaler Trägerschaft bleiben. „Denn nur so entscheiden über das Angebot wir und nicht private Konzerne.“ Natürlich gehe das nicht mit einem beliebigen Defizit. „Aber ich bin sicher, es geht, wenn wir es wollen.“
Energiewende? „Da möchte man sagen: Setzen, sechs“
In der Klimakrise gebe es keinen gemächlichen Wandel. Es sei vielmehr höchste Zeit zu handeln. Doch 20 Jahre nach Gründung der Energiewende Oberland und dem Ausrufen des Ziels, bis 2035 energieautark sein zu wollen, sei die Bilanz ernüchternd. „82 Prozent der Wärme werden fossil erzeugt, 94 Prozent des Verkehrs wird fossil betrieben. Da möchte man sagen: Setzen, sechs.“ Wild forderte, dass der Landkreis hier Vorbild sein müsse. Er müsse „seine Liegenschaften weiter konsequent sanieren, den Nahverkehrsplan umsetzen und Anreize schaffen“. Dem Kreissprecher schwebten hier lokale Förderprogramme beispielsweise für Batteriespeicher vor. 200 Millionen Euro würden im Jahr von den Landkreis-Bewohnern für fossile Energie ausgegeben. Dieses Geld fließe ab, es bringe keine regionale Wertschöpfung.
Ein Herz für die Landwirtschaft
Als Geschäftsführer in produzierenden Unternehmen wisse er, was es heißt, gegen Bürokratie zu kämpfen. „Ich weiß aber auch, dass es besser geht, wenn man es anpackt und richtig organisiert.“ Dafür wolle er sich als Landrat einsetzen.
Am Herzen liegt Wild auch die Landwirtschaft. „Sie ist bei uns wichtig und prägend.“ Beruflich sei er viel in Ställen unterwegs. „Daher verstehe ich die Themen und Sorgen.“ Viele Landwirte würden die Wertschätzung vermissen. „Ich will eure Nöte ernst nehmen – und nein, das gilt nicht nur für Bio-Landwirte.“
Vom Gegeneinander wegkommen
Sollte er Landrat werden, „möchte ich eine Politik betreiben, die immer aufrichtig bleibt und gute Lösungen liefert“. Transparenz, Fairness und Ehrlichkeit seien ihm wichtig. Er wolle Menschen über Meinungs- und Denkschranken hinweg zusammenbringen. „Wir müssen als Gesellschaft zurück in die Kooperation finden und vom Gegeneinander wegkommen“, sagte Wild. Er sei ein „leidenschaftlicher Demokrat“. Sein Versprechen: „Ich werde für den ganzen Landkreis eine Politik machen, die Probleme wirklich angeht, dabei das Ziel Gemeinwohl nie aus den Augen verliert und deren Markenzeichen ist, dass sie kein Blatt – auch kein grünes – vor den Mund nimmt.“
Schon vor der Vorstellungsrede hatte Kreistagsfraktionssprecher Klaus Koch Werbung für Wild gemacht: Die Kandidatur Wilds „beschert uns richtig Wind in den Segeln“. Er sei „total glücklich“, dass es gelungen sei, den Tölzer als Bewerber zu gewinnen. „Besser kann es nicht laufen.“
Ebenfalls am Mittwoch haben die Freien Wähler Ludwig Schmid als Landratskandidaten nominiert. Die CSU schickt Thomas Holz ins Rennen um die Nachfolge von Landrat Josef Niedermaier. Und für die SPD tritt aller Voraussicht nach Klaus Barthel an.