Der Kapitän fürs Segelschiff: Freie Wähler nominieren ihren Landratskandidaten

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Der 48-jährige Geretsrieder Ludwig Schmid will Landrat im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen werden. Die Freien Wähler haben ihn jetzt offiziell nominiert. © Hans Lippert

Die Freien Wähler im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen haben ihren Landratskandidaten nominiert: Der Bäcker und Lebensmitteltechnologe Ludwig Schmid soll Nachfolger von Josef Niedermaier werden.

Ascholding/Geretsried – Dass Ludwig Schmid, Kreisrat der Freien Wähler (FW), höhere politische Ambitionen hat, ist dem Geretsrieder schon häufig nachgesagt worden. Seit Mittwochabend um 20.21 Uhr ist es offiziell, der 48-Jährige ist Landratskandidat seiner Partei. 63 von 65 Wahlberechtigten gaben dem Geschäftsführer der Brot- und Feinbäckerei Schmid-Bäck‘ bei der Aufstellungsversammlung im Saal des Gasthauses Holzwirt in Ascholding ihre Stimme. „Meine Unterstützung hast Du voll und ganz“, betonte Landrat Josef Niedermaier (FW), der wie berichtet bei den Kommunalwahlen am 8. März nicht mehr antritt.

Franz Beckenbauer wollte zu den Löwen, die CSU lockte Ludwig Schmid

Ein Ausflug aufs Brauneck hatte für Schmid Folgen. Mit einer großen Tasse Tee versuchte er in seiner rund halbstündigen Bewerbungsrede, seine Heiserkeit einzudampfen. Er dankte zunächst denen, die ihn zur Kandidatur ermutigt hatten. Allen voran seiner Ehefrau Doris – und dem politischen Wettbewerber. Ihm, Schmid, sei‘s ähnlich ergangen wie weiland dem späteren Fußballkaiser Franz Beckenbauer. Der, im Trikot des SC München 1906, wollte unbedingt bei den Löwen kicken – bekam aber im Lokalderby eine Watschn von einem 60er-Spieler. Die Konsequenz: Beckenbauer wechselte zum FC Bayern.

Die CSU, verriet Schmid, habe ihn vor langer Zeit gefragt, ob er für sie für den Kreistag kandidieren wolle. Kurz darauf habe man ihm eröffnet, „dass das nur eine Gaudi war“. So sei die Entscheidung gefallen, sich den Freien Wählern anzuschließen. „Vielen Dank Sabine Lorenz, vielen Dank CSU“, so Schmid sarkastisch.

So wie es jetzt ist, bin ich glücklich und zufrieden.

Bei seiner Vorstellung verzichtete der Bäcker und Lebensmitteltechnologe auf ausschweifende Ausführungen zu seiner Vita und seinem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement. „Ja, ich bin Mitglied bei der Feuerwehr Geretsried – aber ich bin nur förderndes Mitglied“, räumte er ein. Denn: „Wenn man etwas sagt, dann muss das Hand und Fuß haben.“ Sein Credo, das er mehrfach unterstrich.

Häufig sei er in den vergangenen Wochen gefragt worden, wie‘s mit dem Familienbetrieb, den er gemeinsam mit seinem Bruder Georg führt, im Fall seiner Wahl zum Landrat weitergeht. Reibungslos, so Schmid, denn hinter dem erfolgreichen Betrieb stecke „Mannschaftssport“. Das sei bei der Kreisverwaltung nicht anders: „Wie auf einem Segelschiff gibt es viele Aufgaben, aber alle sind gleichwertig.“ Ohne Matrosen, die die Segel setzen, verhallt das Kommando des Kapitäns, der den Kurs vorgibt, ungehört – und ohne guten Smutje lösen die knurrenden Mägen der Mannschaft eine Meuterei aus. Kurzum: „Es geht nur gemeinsam.“

Schmid will Politik und Verwaltung „näher zum Bürger bringen“

Bezahlbarer Wohnraum, die Gesundheitsversorgung, die Sicherheit und andere Themen: Die seien jedes für sich sehr komplex und es gebe keine einfachen Lösungen. Was für den einen gut sei, passe nicht immer dem anderen. Persönlich wichtig sei für ihn aber, „dass das, was für den einen gut ist, für den anderen nicht schlecht sein darf“. Als Ursache für viele Dissonanzen hat Schmid eine mangelhafte Binnenkommunikation zwischen Behörden, Politik und Bürgern ausgemacht. Ihm schwebe ein „Erklärbär“ vor, der dem Souverän hilft, das Zusammenspiel von Landkreis und Kommunen besser zu verstehen. Konkret: Schmid plädiert für drei statt wie bisher zwei Landrats-Stellvertreter, somit würde es für alle vier Sozialräume im Kreis einen Zuständigen geben. „Damit wäre der Landkreis für die Bürgerinnen und Bürger sichtbarer.“ Sein Ziel sei es, Politik und Verwaltung „näher zum Bürger zu bringen“.

Landratskandidat bezieht Stellung zur Kreisklinik Wolfratshausen

Stellung bezog der 48-Jährige in Sachen Kreisklinik. Es müsse weiterhin eine Tür geben, durch die der Patient Tag und Nacht, sieben Tage die Woche gehen könne „und dahinter Hilfe bekommt“. Eine Klinik dürfe wie Schulen und der ÖPNV auch Geld kosten. „Mir ist letztendlich auch wurscht, wie die heißt“ und in welcher Gesellschaftsform die Klinik betrieben werde. Doch auf Krankenhausreformen und neue Abrechnungsmodalitäten habe der Landkreis keinen Einfluss.

Sollte – Konjunktiv – eine finanzielle Schmerzgrenze erreicht werden, müsse es legitim sein, „Überlegungen“ anzustellen, wie es mit der Kreisklinik Wolfratshausen weitergehe. „So wie es jetzt ist, bin ich glücklich und zufrieden“, sagte Schmid. Aber zu versprechen, „dass alles so bleibt, wäre unredlich“. (cce)