Starkes Bier und starke Sprüche: Wenn der Bürgermeister Theater spielt

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Rund 100 Besucher füllten am Freitagabend den Alpenfestsaal beim Starbieranstich der Freien Wählergemeinschaft. © Arndt Pröhl

Beim Starkbieranstich der Freien Wähler flossen Bier und Spott gegen die Konkurrenz. Die wichtigsten Wahlkampfthemen kamen auch zur Sprache.

Lenggries – Im Besucherzahlen-Vergleich hatten die Freien Wähler am Freitag die Nase vorn. Während CSU-Bürgermeisterkandidat Bastian Gassl im Sportstüberl in kleiner Runde mit Jungwählern redete (siehe unten), füllten rund 100 Gäste beim Starkbieranstich der FWG den Alpenfestsaal. Dort erwarteten die Besucher Wahlkampf, Freibier, Musik von der „6er Musi“, ein prominent besetztes Theaterstück und eine Starkbieransprache des Ayinger Brauereidirektors Helmut Erdmann.

Bekamen großen Applaus: Die Theaterspieler (v.li.): Anna Willibald, Pfarrer Josef Rauffer, Florian Kellner, Bürgermeister Stefan Klaffenbacher, Sepp Willibald und Veronika Eder.
Bekamen großen Applaus: Die Theaterspieler (v.li.): Anna Willibald, Pfarrer Josef Rauffer, Florian Kellner, Bürgermeister Stefan Klaffenbacher, Sepp Willibald und Veronika Eder. © va

Austeilen gegen die Gegenkandidaten

Gemeinderat Peter Gascha übernahm die Begrüßung. Er hatte sich Gedanken zu den Gegenkandidaten von Bürgermeister Stefan Klaffenbacher und Landratsbewerber Ludwig Schmid gemacht. Gut weg kam keiner der anderen. Gassl wolle in erster Linie ein Fitnessstudio für sein Muskeltraining, Grünen-Kandidat Martin Haider sei „ein Träumer“ und bei „Grillmeister Tobias Raphelt“ (SPD) müsse man Angst um seine Fischteiche haben, nachdem er bei der Podiumsdiskussion erklärt hatte, schon mal über Goldfische auf dem Grill nachgedacht zu haben. Ähnlich Gaschas Urteile zu Schmids Gegenkandidaten. Thomas Holz‘ (CSU) angekündigte Bürgersprechstunden seien beispielsweise „Wahlpropaganda“. Denn wenn Holz „jeden Monat in 21 Gemeinden eine Sprechstunde anbieten will, frage ich mich, was will er eigentlich sonst noch machen?“

Zitate Aus der Starkbieransprache von Helmut Erdmann:

Für die Welt der Linken, Grünen und anderen politischen Irrläufer gibt es solche Leute wie mich gar nicht: alter, weißer, biertrinkender Mann, fleischessender Fahrer eines Verbrennermotors, nicht aus der Kirche ausgetretener Katholik, männlich, hetero, verheiratet, zwei Kinder. Meine Mutter ist eine Frau, mein Vater nicht.“

„Hier in Lenggries gibt es vier Kandidaten. Das ist keine Wahl, das ist fast schon eine Castingshow. Deutschland sucht den Superbürgermeister – Isarwinkel Edition.“

„Ich habe mich von dieser Klimahysterie anstecken lassen und bin deshalb zwei Wochen mit dem Radl in die Arbeit gefahren. Neben der Tatsache, dass der Einfluss auf das Klima gegen Null geht, bin ich der Meinung, dass das Radl einfach zu viel Platz im Kofferraum wegnimmt.“

„Wissenschaftler haben angeblich herausgefunden, dass ein Glas Bier das Leben um neun Minuten verkürzt. Ich habe nachgerechnet und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich etwa um 1997 herum verstorben bin.“

„Namenstage werden immer seltener gefeiert. Das liegt primär aber an der Namensgebung begründet. Denn ein Kevin, Ronny oder Justin sind nachweislich noch keinen Märtyrertod gestorben, um als Heilige verehrt zu werden.“

In einem Land, in dem ein Olympiasieger 20 000 Euro bekommt, aber ein Dschungelkönig 150 000, sollte sich niemand über fehlende Medaillen wundern.

Bürgermeisterkandidat blickt auf die wichtigsten Themen

Klaffenbacher konzentrierte sich auf die wichtigsten Themen, die auf die Gemeinde zukommen. Dazu gehört die Entwicklung des Kasernenareals. Das sei „eine einmalige Chance“, deren Realisierung aber wohl überlegt sein müsse. Der Rathauschef verteidigte den Umzug des Bauhofs auf das Gelände. Am Standort in Anger gebe es kein Entwicklungspotenzial. Die ins Spiel gebrachte Fläche nördlich des Bauhofs lehnt Klaffenbacher ab. „Ich nehme den Kindern nicht ihren Bolzplatz weg.“ Die vor 15 Jahren erstellte Sanierungsstudie weise Kosten von 1,2 Millionen aus, um den Bauhof am Standort zu sanieren. Mit Blick auf die Kostenentwicklung geht Klaffenbacher heute vom Doppelten aus. „Ich mach‘ das nicht. Ich stecke nicht so viel Geld in den Standort, wenn ich weiß, dass er zu klein ist.“

Hoffen auf Bundesförderprogramm für die Isarwelle

Zumal auf die Gemeinde weitere große Aufgaben warten. Allen voran: Die Sanierung der Isarwelle für rund 19 Millionen Euro. Just am Freitag hatte das Bad wegen eines technischen Defekts erneut geschlossen (wir berichteten). Die Hoffnungen der Gemeinde ruhen auf einem Förderprogramm des Bunds. Dafür sind aber so viele Anträge eingegangen, dass es noch Wochen dauern wird, bis klar ist, welche Projekte zum Zug kommen. „Druckt‘s uns die Daumen“, sagte Klaffenbacher. Dazu kommt die Erweiterung der Grundschule um die Ganztagsbetreuung. „Das werden wir im nächsten Jahr baulich angehen.“

Hoffen auf starke Fraktionen

Glücklicherweise sei es der Gemeinde gelungen, Rücklagen zu schaffen. „Darauf können wir uns aber nicht ausruhen“, denn die finanzielle Lage werde angespannter. Deshalb hofft Klaffenbacher auf eine starke FWG-Fraktion im Gemeinderat. „Gemeinsam“, betonte der Bürgermeister, „stehen wir für die Zukunft von Lenggries.

Kürzer fasste sich Landratskandidat Schmid. Ziel aller Politik müsse es sein, „dass es möglichst vielen Leuten möglichst gut geht“. Grundlagen dafür seien unter anderem ein funktionierender ÖPNV, lösungsorientierte, vernetzte Behörden, die Sicherung der gut und vor allem breit aufgestellten Wirtschaft, bezahlbarer Wohnraum oder auch ein Lehrlingswohnheim und die Förderung ehrenamtlicher Strukturen. Dabei müsse man immer die Finanzen im Auge behalten. „Für viele Probleme wird es keine einfachen Lösungen geben“, sagte Schmid. Daher sei es umso wichtiger, dass auch der Landrat eine starke Fraktion im Rücken habe.

Bürgermeister und Pfarrer spielen Theater

Brauereidirektor Erdmann machte dann in seiner Fastenrede ein weites Feld auf – von der Kommunal- bis zur Bundespolitik, von der Generation Z bis zum beklagenswert gesunkenen Bierverbrauch pro Kopf. Vieles war lustig, einiges nicht. Bei den Besuchern kam‘s sehr gut an. Am Ende gab es anhaltenden Applaus.

Höhepunkt des Abends war aber das Theaterstück der „Oldstars“ der katholischen Landjugend – unter anderem mit Klaffenbacher (als Bürgermeister) und Pfarrer Josef Rauffer (als Pfarrer). Für den Einakter um die uneheliche Tochter der Pfarrersköchin, die ihren Vater sucht, gab es nach vielen Lachern tosenden Beifall. Danach wurde bei Starkbier und Musik weitergefeiert.