Ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige, wie es Australien eingeführt hat, wird hier kontrovers diskutiert. Jugendliche haben dazu Alternativvorschläge.
Bad Tölz – Für unter 16-Jährige ist in Australien seit einigen Wochen der Zugang zu eigenen Social-Media-Accounts auf TikTok, Instagram & Co. tabu. Auch in Deutschland diskutieren Politik und Gesellschaft über Einschränkungen für Jugendliche. Doch wie sehen das die Betroffenen? Eine Umfrage unter Heranwachsenden.
„Ein komplettes Verbot sollte es eher nicht geben, aber auf jeden Fall eine Einschränkung“, sagt Benedikt (19) aus Benediktbeuern. Durch Social Media sei man nur noch am Handy, es könne süchtig machen. Doch bekomme man auf den Plattformen auch wichtige Nachrichten aus aller Welt mit. „Ein allgemeiner Zugang sollte deshalb schon da sein, aber bestimmte Themen und Videos, die einen nicht weiterbringen, sollten verboten werden.“
Hauptzugang zu Nachrichten
Für viele Jugendliche sind Social-Media-Plattformen tatsächlich der Hauptzugang zu Nachrichten. Das klassische Fernsehen hat ausgedient. „Ich nutze viel Social Media, bekomme dort auch viele Informationen mit und erfahre, was in der Welt passiert. Deshalb bin ich gegen ein Verbot für unter 16-Jährige“, sagt der 15-jährige Max aus Bad Tölz. Er plädiert stattdessen dafür, den Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit den sozialen Netzwerken näherzubringen. Ähnlich sieht das Lino (16) aus Bad Tölz. „Social Media ist Teil unseres Alltags, wir informieren uns, tauschen uns aus und kommunizieren, zum Beispiel in Klassenchats.“ Außerdem könne ein pauschales Verbot dazu führen, dass Jugendliche sich entweder gar nicht mehr informieren oder Social Media heimlich nutzen.
Zeit- oder Nachtseperren als Alternative
Es gibt aber auch Befürworter des Verbots. „Ich nutze Social Media täglich zwei bis drei Stunden und denke selbst, dass das zu viel ist, weil es zur Sucht werden kann“, sagt Felix (16) aus Tölz. „Ein Verbot für unter 16-Jährige finde ich gut, weil junge Menschen dann nicht so früh abhängig werden. Mit 16 kann man den Umgang meiner Meinung nach besser regulieren.“ Auch Antonia (20) aus Tölz, denkt, dass sie zu viel Zeit in den sozialen Netzwerken verbringt. „Im Nachhinein sind die Momente im echten Leben ja sowieso schöner als die Momente auf Social Media.“
Anstatt eines Verbots haben die Jugendlichen andere Vorschläge: „Alternativ könnte man Zeit- oder Nachtsperren einführen, um Überkonsum zu vermeiden“, sagt die 16-jährige Paula aus Bad Tölz. Mathäus (15) aus Benediktbeuern weiß zwar, wie stark Social Media die junge Generation beeinflusst. „Trotzdem könnte man anstatt eines Verbots zum Beispiel bestimmte Themen unzugänglich machen oder eine Zeitbegrenzung auf eine gewisse Stundenanzahl am Tag durchsetzen“, findet der Benediktbeurer. (Laura Illes, Julia Geiger und Thomas Kainzmaier)