Martin Haider (Grüne) möchte Bürgermeister werden: „Ich will das wirklich"

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Martin Haider geht für die Grünen ins Rennen ums Bürgermeisteramt. Sein Lieblingsplatz in Lenggries ist sein Grundstück mit Hühnerstall, Fischweiher und Bienenstöcken. © Arndt Pröhl

Martin Haider kandidiert für die Grünen als Lenggrieser Bürgermeister. Sein sportlicher Ehrgeiz treibt ihn an, das Rennen zu gewinnen.

Lenggries – Es ist ein schmales Paradies, das Martin Haider am Ortsrand von Lenggries gehört. Schon sein Vater hatte das Grundstück am Fuß des Geiersteins gekauft. Im hinteren Teil hält Haider, der für die Grünen als Bürgermeisterkandidat antritt, Hühner. Araucaner sind dabei, die grüne Eier legen, Marans und schwedische Blumenhühner. Vor dem Hühnerstall liegt der kleine Fischweiher, daneben steht eine etwas wackelige Bank, auf der der 62-Jährige gerne sitzt. Gleich am Eingang zum Grundstück befinden sich die Bienenstöcke. Das Imkern hat Haider vom Vater gelernt. „Es hat uns ermöglicht, noch fünf Jahre was gemeinsam zu machen“, sagt er. Auch nach dem Tod des Vaters blieb Haider dem Imkern treu. „Es ist eine kreative Arbeit“, sagt er mit Blick auf die zehn Völker.

Nach 25 Jahren an der Börse suchte er einen neuen Sinn im Leben

40 Jahre war Haider aus Lenggries weg, arbeitete als Bänker an den Börsen in Frankfurt oder auch London. Nach 25 Jahren sei ihm aber klar geworden, dass er einen anderen Sinn im Leben brauche. Er ließ sich zum Heilpraktiker für Psychotherapie ausbilden und eröffnete in München eine Praxis für Kinder- und Jugendcoaching.

Im Oktober 2025 beendete er auch dieses Kapitel. „Es war eine gute Zeit, aber ich bin jetzt 62“, sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern, der seit einigen Jahren mit seiner Lebensgefährtin wieder in Lenggries lebt. Derzeit ist er als Referent für den Bayerischen Handballverband tätig und sucht Strategien, wie sich der Vereinssport bei der Einführung der Ganztagsbetreuung an Grundschulen integrieren lässt.

Sport spielt eine große Rolle in Haiders Leben

Sport spielte schon immer eine große Rolle in Haiders Leben. „Mein Vater war ja praktisch der Lenggrieser Skiclub“, sagt er. Haider selbst war im Nachwuchsbereich ein erfolgreicher Skifahrer, besuchte vier Jahre lang das Skigymnasium in Berchtesgaden. 1987 gewann er übrigens den Interbancario, das Ski-Meeting europäischer Banken, das heuer zum ersten Mal in Lenggries ausgetragen wurde.

Auch heute fährt der 62-Jährige, der vor einem halben Jahr Opa geworden ist, noch gerne Ski. Das gehe auch als Grüner, sagt er. Seine Parteimitgliedschaft bedeute ja nicht, dass er bei jedem Thema mitgehe. Der Wintertourismus sei wichtig für Lenggries. Aber natürlich müsse man sich darüber Gedanken machen, wie man ihn künftig gestalten will.

Investitionen in Beschneiungsanlagen können sinnvoll sein

Auch die Investition in neue Beschneiungsanlagen könnte durchaus sinnvoll sein, sagt Haider, wenn dadurch beispielsweise der Energieverbrauch gesenkt werde. „Und wir brauchen ein Konzept für danach, wenn das mit dem Beschneien nicht mehr geht. Denn eines ist klar: Wenn Chemie zugesetzt werden muss, damit das Beschneien noch klappt, dann bin ich raus.“

Die Podiumsdiskussion mit allen vier Kandidaten gibt es hier im Video.

Haider ist erst seit zwei Jahren Mitglied bei den Grünen. „Klimaschutz ist für mich eine wichtige Geschichte. Das Thema hat mich schon immer bewegt.“ Und die Grünen seien eben die einzige Partei, „die das überhaupt noch thematisiert“. Das Interesse für Politik erbte er aber auch vom Vater. Der habe Anfang der 70er-Jahre gemeinsam mit Lenggrieser Geschäftsleuten die Freien Wähler gegründet, um den schon beschlossenen Bundeswehr-Schießplatz in Lenggries zu verhindern. „Er war der Meinung, dass das den Ort kaputt macht, und hat so lange gebohrt, bis der Strauß gesagt hat, dass der Platz nicht kommt“, erinnert sich Haider.

Er will kein Zählkandidat sein

Dennoch: In seiner Lebensplanung war die Bürgermeisterkandidatur eigentlich nicht vorgesehen. „Mein Umfeld hat aber überraschend positiv darauf reagiert“, sagt Haider schmunzelnd. Er sei im Übrigen kein Zählkandidat, der nur antritt, um Stimmen für die Liste zu holen. „Ich will das wirklich. Da kommt schon auch mein sportlicher Ehrgeiz durch. Und man gewinnt kein Rennen, wenn man sich vorher schon Gedanken macht, was ist, wenn man Zweiter wird.“

Es gebe viele Themen, die er nach vorne bringen möchte: Kasernenentwicklung, Tourismus, bezahlbarer Wohnraum – nicht nur im alten Krankenhaus. „Es gibt vieles, das man offensiver und positiver gestalten könnte“, findet Haider.

Wichtig ist ihm Bürgerbeteiligung

Transparenz und Bürgerbeteiligung liegen ihm ebenfalls am Herzen. Er möchte ein Bürgerbudget einführen, einen festen Betrag, über dessen Verwendung die Bürger unmittelbar entscheiden können. „Jeder kann einen Vorschlag machen, dann wird geprüft, ob das realistisch ist“, sagt Haider. „Und bei einem Fest auf dem Dorfplatz wird dann darüber befunden, was umgesetzt werden soll.“