Der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher strebt eine zweite Amtszeit an. Bei drei Gegenkandidaten rechnet er aber mit einer Stichwahl.
Lenggries – Die Familie komme für ihn immer an erster Stelle. Da lässt Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (Freie Wählergemeinschaft) keinen Zweifel. Dennoch sei es gerade am Anfang eine Herausforderung gewesen, Amt und Familie unter einen Hut zu bringen. „Fünf bis sieben Abendtermine“ in der Woche seien normal, dazu weitere Veranstaltungen am Wochenende, die er besuchen muss. Und auch beim Spazierengehen mit seiner Frau Nathalie und den drei Kindern (2, 6 und 8) nutzt mancher die Gelegenheit, den Rathauschef dienstlich zu befragen. „Wichtig sind für die Familie feste Rituale“, sagt der 39-Jährige. Nicht verhandelbar ist das gemeinsame Frühstück. „Und ich versuche, mittags auch heimzukommen“, sagt Klaffenbacher.
Ohne Eingewöhnungszeit ins Amt gestartet
Nach seiner Wahl vor sechs Jahren blieb keine Eingewöhnungszeit. Sein Vorgänger Markus Landthaler von der Freien Wählergemeinschaft war nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt verstorben. Die Nachwahl im September gewann Klaffenbacher bei zwei Gegenkandidaten mit gut 58 Prozent der Stimmen. Bereits am Tag nach dem Wahlsieg trat er seinen Dienst im Rathaus an. „Der Einstieg war alles andere als einfach“, erinnert er sich an die Pandemie, die damals das Land fest im Griff hatte. „Der Austausch mit Kollegen war schwierig und lag eigentlich auf Eis.“ Auch die Jahre danach brachten Krisen und Herausforderungen. Trotzdem, sagt Klaffenbacher, hat er weiter Lust auf den Job im Lenggrieser Rathaus. „Sonst würde ich mich nicht bewerben.“
Kasernenareal: „Kann man nicht übers Knie brechen“
Einiges sei in den ersten sechs Jahren seiner Amtszeit bewegt worden. Der Neubau des Pflegeheims und des Schlegldorfer Feuerwehrhauses wurden abgeschlossen, die Fortsetzung der Schulsanierungen, die Weiterentwicklung der Beachvolleyballanlage gemeinsam mit dem TV und die Sanierung des Sportheims zusammen mit dem LSC. Klar, mit der Entwicklung des Kasernenareals „wäre ich gerne weiter gewesen“, sagt der 39-Jährige. Aber es gehe hier um Dimensionen, „die wir so noch nie hatten“. Im Prinzip entstehe hier ein neues Quartier. „Das kann man einfach nicht übers Knie brechen.“
Herausforderung: Erweiterung der Grundschule
Es ist nicht die einzige Herausforderung. Die Erweiterung der Grundschule mit Räumen für die Ganztagsbetreuung wird Millionen kosten. Die Ortskernsanierung soll fortgesetzt werden im Bereich Marktstraße und Kirchplatz. Über die Gestaltung wird man diskutieren. „Die Marktstraße wird aber keine Fußgängerzone“, sagt Klaffenbacher bestimmt. Denn dass man vor den Läden parken könne, sei für viele ein Grund, Lenggries anzusteuern. „Wir müssen den Bereich optisch aufwerten und Lenggries als Einkaufsziel erhalten.“ Für den Tourismus müsse man die Konzepte weiterentwickeln. Dabei lohne es sich vielleicht auch mal, zu den Nachbarn zu schauen.
Bei all den Herausforderungen „braucht man auch mal Zeit, um herunterzufahren“, sagt Klaffenbacher. Dabei hilft, dass die Familie nicht mitten im Dorf, sondern eben außerhalb in Klaffenbach wohnt. Im Nebenerwerb ist der 39-Jährige nach wie vor Landwirt. „Viele Arbeiten muss natürlich die Familie übernehmen“, sagt der Bürgermeister. „Und auch die Nachbarschaft steht parat. Die helfen alle, das ist viel wert.“ Im Sommer beim Mähen legt Klaffenbacher aber immer noch gerne selbst Hand an. Die Verbundenheit mit der Landwirtschaft ist auch etwas, das den 39-Jährigen ausmacht. Kein Wunder also, dass ein Feldrand nahe seinem Haus der Lieblingsplatz ist, den er sich für das Foto ausgesucht hat.
Ohne Stichwahl wird es nicht gehen
Zeit für Hobbys bleibt dem gelernten Feinwerkmechanikermeister und Bürokaufmann kaum noch. „Ab und zu bin ich mit dem Radl unterwegs oder mache mit den Spezln mal eine Radltour.“ Zum Schwimmen reicht die Zeit auch noch manchmal – und fürs Skifahren. Gerade hat er mit einer Mannschaft aus Lenggrieser Gemeinderäten am Alpencup in Ofterschwang teilgenommen. Zu einem Pokal für die sportliche Leistung reichte es nicht, aber das sei nicht so schlimm.
Bei drei Gegenkandidaten, da ist Klaffenbacher realistisch, werde es wohl nicht ohne Stichwahl ausgehen. „Die Bürger sollen aber auch die Wahl haben. Das ist Demokratie.“ Er rechnet sich aber gute Chancen für eine zweite Amtszeit aus. „Ich glaube, dass ich Taten sprechen lassen konnte.“ Für den Gemeinderat wünscht er sich, dass die „fraktionsübergreifende gute Zusammenarbeit“ so weitergeht. „Ich hoffe, dass es eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe bleibt.“