Erst Kündigung, dann Aus: Milliardenkonzern schließt Standort nach Telefon-Entlassungen

Das Jahr 2025 endete für 70 italienische Arbeitnehmer mit einem abrupten Jobverlust. Wie die italienische Tageszeitung „Il Fatto Quotidiano“ berichtet, wurden die Beschäftigten einzeln per Videoanruf über ihre Entlassung informiert. Der Grund: Der Schweizer Multikonzern Oerlikon stellte das Unternehmen Amom zum 1. Januar ein. Damit haben die Betroffenen ihre Arbeit von einem Tag auf den anderen verloren.

Amom: Ein Traditionsunternehmen vor dem Aus

Das Unternehmen Amom, mit Sitz in Badia al Pino, ist auf Modeschmuck spezialisiert und wurde in den 1960er Jahren von der Familie Veneri gegründet. Laut „La Nazione“ wurde es 2021 von der Gruppe Riri übernommen, die wiederum 2023 Teil des Oerlikon-Konzerns wurde. 

Nach der Übernahme durch Oerlikon brach der Umsatz des Unternehmens jedoch ein. Gewerkschaftsvertreter Lorenzo Casini äußerte den Verdacht, dass Aufträge und Kunden gezielt an andere Werke innerhalb der Gruppe umgeleitet worden sein könnten, die ähnliche Produkte herstellen.

Der Schweizer Multikonzern Oerlikon gab bekannt, dass Unternehmen Amom zum 1. Januar seine Tätigkeit einstellen wird.
Der Schweizer Multikonzern Oerlikon gab bekannt, dass Unternehmen Amom zum 1. Januar seine Tätigkeit einstellen wird. Imago/SOPA Images

Amom-Entlassungen sorgen für Empörung: Überprüfung gefordert

Die Entlassungen haben für Empörung gesorgt und es kam zu einem Termin zwischen dem Metallgewerkschaftsverband Fiom Cgil, der Arbeitgeberorganisation Confindustria und Vertretern von Oerlikon. "Wir haben den Rückzug des Verfahrens zur kollektiven Entlassung gefordert – und sie haben Nein gesagt", so die Fiom-Vertreter Antonio Fascetto und Gianni Rialti. Sie hätten außerdem arbeitsplatzerhaltende soziale Sicherungsinstrumente vorgeschlagen. Oerlikon lehnte dies ebenfalls ab.

Auch politisch sorgt die Vorgehensweise von Oerlikon für Kritik. Emiliano Fossi, Abgeordneter der Demokratischen Partei und Parteisekretär in der Toskana, sagt laut „Il Fatto Quotidiano“: „70 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit einem improvisierten Videoanruf zu entlassen, ist ein Akt inakzeptabler Arroganz und eine schwere Verletzung der Würde der Arbeit.“ Er fordert eine sofortige Überprüfung der Rechtmäßigkeit des Verfahrens sowie die Einberufung eines nationalen Krisengipfels.

Oerlikon: Ein globaler Industriekonzern mit breitem Portfolio

Der börsennotierte Schweizer Konzern Oerlikon beschreibt sich selbst als „weltweit führend im Bereich der Oberflächentechnologien und modernen Werkstoffe“. Das Unternehmen bedient zahlreiche Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Automobilbau, Medizintechnik und Luxusgüter

Mit einem Hauptsitz in Pfäffikon, Schweiz, beschäftigt Oerlikon weltweit 9500 Mitarbeiter in 38 Ländern. Im Jahr 2024 erzielte der Konzern einen Umsatz von 1,6 Milliarden Schweizer Franken.