Selbst Reiche knausern: Warum Luxusprodukte in der Schweiz plötzlich Ladenhüter sind

Die Konsumstimmung in der Schweiz ist auf einem Tiefpunkt – und das betrifft laut einem Bericht von "Blick.ch" längst nicht mehr nur die Mittelschicht. Auch viele wohlhabende Schweizer halten sich zurück, wenn es um Ausgaben für Kunst, Autos oder Accessoires geht.

So soll bei einer Oldtimer-Auktion von Emil Frey Classics „kaum ein Auto verkauft worden sein“, wie ein Insider gegenüber "Blick.ch" berichtet. Anfragen ließ das Unternehmen demnach unbeantwortet. Auch im Kunstmarkt sei ein Rückgang zu beobachten, in Extremfällen seien die Preise „um bis zur Hälfte“ eingebrochen. Hochpreisige Werke über 10 Millionen Dollar (rund 9,2 Mio. Euro) würden laut Art Basel deutlich seltener verkauft.

Kunst, Autos, Handtaschen: Vieles bleibt liegen

Laut "Blick.ch" trifft der Rückgang insbesondere das obere Preissegment. Käufer agieren vorsichtiger, große Investitionen werden mit mehr Bedacht getätigt. Gleichzeitig läuft es im unteren Preissegment besser – Bilder regionaler Künstler würden dennoch schwer verkäuflich bleiben, berichtet das Auktionshaus Dobiaschofsky in Bern.

Kunstexperte Thomas Boller sagt gegenüber "Blick.ch": „Es ist in der Tat nicht zu leugnen, dass die Auktionshäuser und der Kunstmarkt allgemein mitten in einem radikalen Wandel stehen“. Vor allem mittelgroßen Anbietern drohe eine schwere Zeit.

Kunstauktion bei Sotheby's in New York
Kunstauktion bei Sotheby's in New York picture alliance/landov

Auch Uhren, Champagner und Cognac sind betroffen

Die schwächelnde Nachfrage zeigt sich auch in anderen Luxusbranchen: Die Schweizer Uhrenindustrie spürt vor allem die Zurückhaltung in den USA und China. Laut Karine Szegedi von Deloitte gebe es dort eine starke Reaktion auf Börsenschwankungen – selbst bei der Oberschicht.

Der Absatz von Champagner und Cognac ist ebenfalls rückläufig. Französische Weine wie der Château Cheval Blanc werden mittlerweile für rund 330 Franken (etwa 335 Euro) angeboten – ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Luxus wird hinterfragt – vor allem bei Handtaschen

Besonders bei teuren Accessoires wie Luxushandtaschen gibt es laut Analyst Manuel Lang einen Trend zur Abkehr. Die stark gestiegenen Preise und Berichte über günstige Produktionsbedingungen ließen Kunden zunehmend zweifeln.

„Besonders die weniger wohlhabende Luxuskundschaft, die seltener einkauft, ist betroffen“, erklärt Lang. Viele Konsumenten wechseln vom Luxus- ins Premiumsegment – statt Gucci wird dann Ralph Lauren gekauft.

Cédric Waldburger versucht seinen Konsum ganz bewusst einzuschränken.
Cédric Waldburger versucht seinen Konsum ganz bewusst einzuschränken. Cédric Waldburger

Warum ein Millionär auf Luxus verzichtet und minimalistisch lebt

Während sich viele wohlhabende Schweizer aktuell bewusster beim Geldausgeben zurückhalten, geht ein Unternehmer noch deutlich weiter: Er schränkt seinen Konsum radikal ein – freiwillig.

Cédric Waldburger besitzt nur 55 Gegenstände. Der Schweizer wurde als Startup-Investor zum Millionär, doch statt Luxusvillen oder Uhren sammelt er Erlebnisse. „5-Sterne-Hotels langweilen mich“, sagt Waldburger im Gespräch. Stattdessen lebt er minimalistisch – und investiert sein Geld in neue Ideen statt in Statussymbole.

4 Fakten über die Schweiz

  • 8,9 Millionen Einwohner: Die Schweiz zählt rund 8,9 Millionen Menschen – davon leben über 400.000 in Zürich, der größten Stadt des Landes.
  • Höchstes Medianvermögen weltweit: Laut Credit Suisse lag das Medianvermögen pro Erwachsenem zuletzt bei über 156.000 Euro – höher als in jedem anderen Land.
  • 3463 Meter höchster Punkt: Die Dufourspitze ist mit 3463 Metern der höchste Berg der Schweiz und Teil des Monte-Rosa-Massivs.
  • 60 Prozent Exportquote: Rund 60 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts stammen aus Exporten – vor allem aus Pharma, Maschinenbau und der Uhrenindustrie.