„Kein Ausreißer mehr, sondern Trend“: Warum 2026 neues Pleitejahr für den Mittelstand wird

Für das Jahr 2026 ist mit einem erneuten Pleiterekord zu rechnen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin FOCUS unter Berufung auf den DATEV-Mittelstandsindex. „Wir haben 2025 einen Rekord an Insolvenzen gesehen, und der Trend wird sich fortsetzen, ich rechne folglich mit neuen Höchstständen“, sagte DATEV-Chef Robert Mayr dem FOCUS. 

„Insbesondere bei kleinen Unternehmen steigen die Insolvenzen seit 2023 kontinuierlich an. Das sind keine einzelnen Ausschläge nach oben mehr, das ist ein stetiger, schleichender Anstieg. Die finanziellen Ressourcen und Reserven, insbesondere bei Kleinstbetrieben, schmelzen einfach weg.“ Der Mittelstand stecke in einer „Phase der strukturellen Ermüdung. „Wir befinden uns nicht mehr in einem zyklischen Tief, sondern in einem langsamen, kontinuierlichen Abschwung. Die Lage der deutschen Wirtschaft ist besorgniserregender als eine konjunkturelle Schwäche.“

 Einzelhandel und Gastgewerbe besonders hart getroffen

Besonders hart getroffen ist laut DATEV-Statistiken der Einzelhandel, und vor allem das Gastgewerbe. Daran ändere auch die seit Jahresbeginn geltende Mehrwertsteuersenkung nichts, betonte Mayr im FOCUS: „Das wird allenfalls eine Art Pufferffekt haben für die Gastronomie. Ohne gezielte weitere Entlastungen werden wir im Gastrobereich flächendeckend Betriebe verlieren.“ 

Das Gastgewerbe ist demnach die am stärksten vom Niedergang getroffene Branche. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Umsatz um mehr als 5 Prozent, während die Löhne seit 2022 um mehr als 20 Prozent gestiegen sind, so Mayr: „Allein seit März 2024 hat die Beschäftigung um knapp 5 Prozent abgenommen. Nirgendwo gehen die Jobs schneller verloren. Themen wie der höhere Mindestlohn beschleunigen diese Entwicklung, zumal die Gastronomie sehr personalintensiv arbeitet.“

 Kleinere Betriebe leiden stärker unter der Rezession

Generell gilt laut Mayr für die deutsche Wirtschaft: „Je kleiner die Betriebe sind, desto stärker leiden sie im Augenblick unter dem dritten Jahr Rezession in einer strukturellen Krise. Bei den Kleinstunternehmen haben wir richtige Erosionseffekte.“ 

Die Politik konzentriere sich fälschlicherweise zu stark auf Großkonzerne, kritisiert der DATEV-Chef:  „Es ist halt nicht so spektakulär, wenn ein kleiner Handwerksbetrieb irgendwo auf dem Land mit sieben Mitarbeitern einen oder zwei entlassen muss. Das kriegt man, wenn überhaupt, nur im Dorfanzeiger mit. In die Schlagzeilen schaffen es nur die Großen, darauf reagiert die Politik dann.“