Motorradfahrer: Die ungeliebte Gäste im Mühltal

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Weithin hörbar: Mit dem Frühling hat auch wieder die Motorrad-Saison im Mühltal begonnen. © Andrea Jaksch

Das Mühltal lockt viele Motorradfahrer an. Mancher ist davon genervt. Doch von gravierenden Verkehrsverstößen weiß die Polizei nichts.

Gauting – Klaus Bayer ist genervt. Er wohnt an der Leutstettener Straße, also am südlichen Rand von Gauting, und findet es furchtbar, dass die Motorradsaison wieder begonnen hat. „Mit den ersten Blüten beginnt auch wieder das furchtbare Rasen“, sagt der ehemalige Verleger. „Wer durch das wunderschöne Würmtal läuft und sich der romantischen Natur erfreuen will, wird oft durch Höllenlärm gestört, der kilometerweit zu hören ist.“ Doch nicht nur das: Auch wer selbst durch das Mühltal fährt, sollte nach seiner Erfahrung extrem vorsichtig sein. „Derzeit muss man damit rechnen, dass man waghalsig überholt wird oder einem in den Kurven schräg liegende Biker mit hoher Geschwindigkeit entgegenkommen, dass einem angst und bange wird.“

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Was Bayer ganz und gar nicht versteht, ist die Tatsache, dass eine früher geltende Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben worden ist. Wer noch ein älteres Navi-Programm in seinem Auto hat, wird wissen, dass auf der gesamten Strecke früher Tempo 70 gegolten hat. „Wer um Himmelswillen hat diese vernünftige Begrenzung bloß aufgehoben?“, fragt der 78-Jährige. Außerdem stört er sich daran, dass den Motorradfahrern in der lang gestreckten Linkskurve, von Gauting kommend, ein Unterfahrschutz „spendiert“ worden sei. „Muss man den Rennfahrern zusätzliche Sicherheit bieten, wenn sie so einen Spaß am Rasen haben?“, fragt er.

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Was die Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzung angeht, kann der Gautinger Inspektionsleiter Andreas Ruch Auskunft geben. In der Tat galt bis ins Jahr 2015 ein durchgehendes Tempolimit von 70 Km/h. Allerdings hat es sich nicht bewährt. „Die Unfallzahlen waren hoch“, sagt er. „Die Leute sind 70 gefahren, auch wenn es die Straßenverhältnisse gar nicht erlaubt haben.“ Aus diesem Grund hat die Verkehrskommission die Strategie gewechselt: Fortan wurde das Tempolimit aufgehoben, sodass sowohl Auto- als auch Motorradfahrer gezwungen waren, selbst die Entscheidung zu treffen, wie schnell sie fahren können. „Es geht da um das Prinzip Eigenverantwortung“, sagt er. Die neue Regelung habe sich bewährt, die Zahlen seien danach deutlich gesunken. Nur in zwei besonders engen Kurven, die Auswärtige möglicherweise nicht richtig einschätzen, gilt Tempo 40.

Auch den Vorwurf, dass sich die Motorradfahrer um die Verkehrsregeln nicht scheren, will Ruch so nicht stehen lassen. Es gibt beim Polizeipräsidium Oberbayern Nord eine sogenannte Schwerpunktgruppe, die sich speziell mit Motorradfahrern befasst und der eine Polizeibeamtin aus Gauting angehört. „Wir kontrollieren immer wieder, aber es sind bislang keine gravierenden Verstöße festgestellt worden“, sagt er. Der jüngste Unfall, der sich Ende April ereignete und bei dem ein Auto und ein Motorrad ein paar hundert Meter hinter der Hauser Kreuzung frontal zusammengestoßen sind, habe nichts mit überhöhtem Tempo zu tun gehabt. „Die Ursache war ein Fahrfehler“, so Ruch. „Der Motorradfahrer hat beim Überholen die Situation falsch eingeschätzt.“

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Nun ist die kurvenreiche Straße durch das Mühltal eine Staatsstraße, zuständig ist daher das Staatliche Bauamt Weilheim. Die Behörde zählt immer wieder den Verkehr im Straßennetz, wobei Motorradfahrer eine eigene Kategorie bilden. „Da die Werte an den verschiedenen Wochentagen stark unterschiedlich sind und natürlich das Wetter eine sehr große Rolle spielt, besteht zwischen den gemittelten Werten für einen durchschnittlichen Tag und den Spitzentagen ein großer Unterschied“, teilt Pressesprecher Michael Meister mit. Der bisherige Spitzenwert stammt aus dem Jahr 2022: Da waren an einem Sonntag 1100 Motorräder im Mühltal unterwegs (Summe beider Fahrtrichtungen). Der Durchschnitt liegt weit niedriger: zwischen 110 und 160 Fahrten pro Tag.

In der Arbeit der Unfallkommission – bestehend aus Polizei, der Verkehrsbehörde am Landratsamt und dem Staatlichen Bauamt Weilheim – spielen natürlich auch die Unfälle von Motorradfahrern eine Rolle. Da allen Beteiligten bekannt ist, dass es sich hier um eine beliebte Motorradstrecke handelt, werden neue und schon vorhandene Schutzplanken in Außenkurven bei Bedarf mit einem Unterfahrtschutz ausgerüstet. „Zwischen Gauting und Starnberg existieren aktuell fünf Außenkurven mit einem Unterfahrschutz“, so Meister.

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Der Zweck eines Unterfahrschutzes ist, dass ein gestürzter Motorradfahrer nicht unter der Schutzplanke durchrutscht beziehungsweise gegen einen der Stützpfosten prallt, sondern an dieser Schutzeinrichtung entlang gleiten kann. „Die Unfallfolgen sind dann deutlich geringer“, erklärt Meister. Jüngst wurde die langgezogene Linkskurve als mit einer Schutzplanke inklusive Unterfahrschutz ausgerüstet. „Ausschlaggebend dafür waren Unfälle an dieser Stelle“, so Meister.

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