Geothermie: Viele Fragen offen

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Ein Bohrturm. © Jens Büttner

Viele Fragen gibt es zu dem geplanten Geothermie-Projekt gleich neben dem Herrschinger Moos. Im Gemeinderat wurde am Montagabend auch viel Kritik am Umgang damit laut.

Herrsching - Hätte es im vergangenen Dezember nicht die gut besuchte Informationsveranstaltung im Seehof gegeben, hätten die Besucher der Gemeinderatssitzung am Montag in Herrsching denken können, der nun vorliegende Hauptbetriebsplan zur „Herrichtung des Bohrplatzes und Durchführung der Bohrarbeiten Herrsching GT1 und Herrsching GT2“ wäre ohne jede Vorankündigung im Rathaus gelandet. GT steht für Geothermie. Wie berichtet, beabsichtigt das ortsansässige Unternehmen Erdwärme Herrsching, das auch Claiminhaber ist, noch in diesem Jahr Bohrungen durchzuführen.

Der Hauptbetriebsplan, also der erforderliche Antrag beim Bergamt, datiert vom 4. März. Details der Planung hatten die Betreiber schon im Dezember dargelegt. Bürgermeister Christian Schiller hatte diese Veranstaltung nicht besucht. Die Gemeinde Herrsching wurde nun vom zuständigen Bergamt Südbayern in ungewohnter Funktion, nämlich als Träger öffentlicher Belange, angeschrieben und um Stellungnahme zu dem Vorhaben gebeten. Verwaltung und Bürgermeister taten sich mit ihren Aussagen zu der mehr als 400-seitigen Vorlage schwer, ihre Wortwahl wurde scharf kritisiert. Trotzdem segnete der Gemeinderat sie gegen drei Stimmen der Bürgergemeinschaft ab.

Viereinhalb Seiten waren es, die Schiller am Montag verlas. „Ein Katalog von Ablehnungen“, nannte Christiane Gruber (BGH) die Ausführungen. Ihr war es nicht sachlich genug, wenn zum Beispiel hieß, dass „Ausführungen … mehr als unseriös“ erschienen, statt zu formulieren, dass sie nicht realistisch seien. Ihre Fraktionskollegin Susanne Hänel empfand es ähnlich: „Der Brief drückt aus, als wollten wir alles verhindern.“ Dem Herrschinger Unternehmen würde keine einzige Option geboten, es anders zu machen.

„Ein Papier, das nicht zu retten ist“, pflichtete Gerd Mulert (Grüne) bei. Anders als seine BGH-Ratskolleginnen stimmte er der Stellungnahme aber zu – in der Hoffnung, dass offene Fragen damit gelöst und beantwortet werden können. Denn diese hatte auch er. Aber Mulert betonte: „Wir wollen Geothermie.“ Das sagte auch sein Fraktionskollege Dr. Jan Grunwald: „Ich befürworte die Geothermie, aber nicht um jeden Preis.“ Denn der geplante Bohrplatz befindet sich genau an der Grenze zum Herrschinger Moos, ein ausgewiesenes Naturschutz- und FFH-Gebiet und von Biotopen umgeben. Die Gefahr, bei der Bohrung das Moos trocken zu legen und damit Mengen an CO₂ freizusetzen, will der Gemeinderat fraktionsübergreifend ausschließen.

Ich befürworte Geothermie, aber nicht um jeden Preis.

Die Erschließung mit Schwerlastverkehr soll, wie schon im Dezember bekannt gegeben, über die Verlängerung des Mitterweges erfolgen, vorbei am Pfarrzentrum mit Kinderzentrum. Diese Verlängerung ist ein Feldweg, der der Gemeinde gehört. „Wir wurden aber nie gefragt“, schimpfte Schiller und fand Unterstützung durch Thomas Bader (CSU). Der Groll Schillers und der Verwaltung darüber, nicht kontaktiert worden zu sein, drückte sich in fast allen 19 Punkten aus, die in der gemeindlichen Stellungnahme angeführt sind. Dass darin laienhafte Bürgeranregungen aufgenommen, aber die Gemeinderäte vorab nicht hinzugezogen worden seien, erzürnte wiederum Christiane Gruber maßlos. Alexander Keim (FDP) erinnerte daran, dass er schon – „wie oft?“ – in der Vergangenheit angeregt habe, den Claiminhaber ins Gremium einzuladen. Die Bitte wurde bislang ignoriert. „Schade“ fand dies auch Dr. Tanja Kodisch-Kraft (CSU). „Es wird allerhöchste Zeit“, sagte sie. Die Abgabefrist für die Stellungnahme war aber bereits einmal verlängert worden auf den 9. Mai, weil Schiller sie mit dem Gemeinderat abstimmen wollte. Eine weitere Verlängerung würde nicht gewährt, sagte er.

Der Stellungnahme, „in einer Sprache geschrieben, die alles ablehnt“, wie Keim sagte, stimmte auch er am Ende zu, weil faktisch viele Fragen in dem Hauptbetriebsplan unbeantwortet bleiben – Schutzgebiete oder auch Erschließung und Entwässerung betreffend. Deshalb fühlte sich Schiller bestätigt und betonte, dass die Untere Naturschutzbehörde auf sechs Seiten ins gleiche Horn stoße wie die Gemeinde. „AWA und Strombetreiber wurden als Träger öffentlicher Belange zum Beispiel gar nicht hinzugezogen“, wunderte er sich. In dem Betriebsplan würden zum Beispiel gute infrastrukturelle Anbindungsmöglichkeiten beschrieben. „Das ist derzeit aber in keinem Fall zutreffend“, heißt es auch in der Stellungnahme.

Der Hauptbetriebsplan behandelt die Errichtung eines Bohrplatzes mit vier Bohrkellern und zwei Schächten für Tiefenbohrungen. Das Geothermie-Vorhaben ist privilegiert, die Gemeinde nur Träger öffentlicher Belange. Genehmigungsbehörde ist die Regierung von Oberbayern, genauer das Bergamt Südbayern. Geplant sind die Bohrungen in diesem Jahr. Ab 2027 sollen drei weitere Förderstandorte im Landkreis geplant werden. Fernziel ist, Wärme für 150 000 Haushalte bereitzustellen, etwa zweimal so viele, wie es im Landkreis Starnberg gibt. Voraussetzung für die Nutzung ist ein Nahwärmenetz, das noch bereitzustellen wäre.

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