Vortrag beim 12er-Event: Das Mühltal und seine Geheimnisse

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Gruß aus dem Mühltal: Die Gegend zwischen Gauting und Leutstetten war schon um 1900 ein beliebtes Ausflugsziel. Davon zeugen viele Postkarten aus dieser Zeit. © privat

Das Mühltal ist ein besonderer Ort. Stephan Limmer hat deshalb einen Wanderführer verfasst und beim 12er-Event im Breitwandkino vorgestellt.

Gauting – Das Mühltal ist eine Moränenlandschaft des Voralpenlands zwischen Leutstetten und Gauting, durchflossen von der Würm, mit dem Karlsberg und der Reismühle. So steht es im Lexikon. Stephan Limmer (55) aus Unterbrunn wollte es aber genauer wissen. Er hat das Mühltal erforscht und vor ein paar Jahren einen Wander- und Freizeitführer herausgegeben, der 15 besondere Orte auf einer Länge von 16 Kilometern miteinander verknüpft, mit Start am Bahnhofsberg und Ende an der Reismühle. Am Mittwoch stellte er das Buch „Im Mühltal: Eine Zeitreise von Gauting nach Leutstetten“ beim 12er-Event auf Einladung der Kulturplattform im Breitwandkino vor. „Wir glauben ja immer, dass wir unsere Heimat gut kennen“, sagte Vereinsvorsitzende Elke Groebler. „Heute werden wir eines Besseren belehrt.“

Erinnerung an das Grasser-Gütl

In der Tat stellte Limmer das Mühltal als einen Raum dar, der nicht nur Natur in all ihrer Schönheit bietet, sondern gesättigt ist mit Geschichte und Geschichten. Der Vortrag startete wie auch das Buch am Bahnhofsberg in Gauting. An der Stelle der heutigen Sparkasse stand einst das Grasser-Gütl. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber historische Fotos belegen es: Das kleine Haus stand ganz allein auf den unverbauten Hängen. 1933 wurde der Bahnhofsberg geteert, 1937 musste das kleinbäuerliche Anwesen weichen. Der aktuelle Sparkassenbau stammt aus dem Jahr 1980.

Der Weg führt weiter über die Königswieser Straße (die ursprünglich als Diagonale angelegt wurde, damit Pferdefuhrwerke den Bahnhofsberg überwinden konnten) zu den bekannten Keltengräbern und dann nach Königswiesen. Was viele nicht wissen: Die ursprüngliche Ortschaft lag viel weiter südlich. Die Hofmark hatte aber keine Zukunft mehr, als Mitte des 19. Jahrhunderts Unternehmer Ulrich Himbsel die Bahnlinie München-Starnberg baute. „Es wurde unmöglich, die Felder zu bewirtschaften“, erzählte Limmer seinen etwa 40 Zuhörern. Die ersten Häuser des heutigen Königswiesen entstanden erst 1912. Von der alten Hofmark ist nur noch die St.-Ulrichs-Kapelle übriggeblieben, ein mystischer Ort unweit der Hangkante.

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Wer sich, dem Wanderfüher folgend, im weiteren Verlauf westlich der Bahnlinie Richtung Obermühltal hält, gelangt irgendwann an ein Hügelgräberfeld aus der Bronzezeit. Dort spielen sich angeblich bis heute in der Nacht auf den 1. Mai, der Walpurgisnacht, sonderbare Dinge ab: Frauen, die einen Kinderwunsch hegen, beten dort zur „Weißen Frau“, die ihnen helfen soll, schwanger zu werden. Tatsächlich war an dieser Stelle der Maler und Archäologe Julius Naue 1868 auf 40 uralte Grabhügel gestoßen, in denen sich unter anderem eine mit viel Schmuck beigesetzte Frauenleiche fand. Er vertrat die Ansicht, dass es sich dabei um eine Seherin gehandelt haben muss – die „weise Frau“, aus der später im Volksmund die „weiße Frau“ wurde. „Ich war da noch nie und würde es mir auch gut überlegen, da hinzugehen“, scherzte der Hobby-Historiker.

Elke Groebler, Stephan Limmer
Gastgeberin und Gast: Kulturplattform-Vorsitzende Elke Groebler und Autor Stephan Limmer. © Ufertinger

Der Rundweg führt weiter am ehemaligen Bahnhof sowie dem einst florierenden, jetzt leerstehenden Gasthaus Obermühltal zum heutigen Gut Rieden. Wo heute Golfer ihrem Hobby nachgehen, hatte einst der letzte König von Bayern, Ludwig III., eine Musteranstalt für Milchwirtschaft errichtet, um notleidende Münchner Kinder zu versorgen. „Wenn es der Landwirtschaft gut geht, geht es auch dem Volk gut“, lautete der königliche Leitspruch. Besonders erwähnte Limmer den Friedhof um die Kirche, auf dem unter anderem der Nobelpreisträger Feodor Lynen beerdigt ist.

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Auf einen geologisch bedeutsamen Ort gelangt, wer sich von Gut Rieden über den einstigen Kurort Petersbrunn in Richtung Leutstetten begibt. Dort, unmittelbar an der Staatsstraße, findet sich der sogenannte Würm-Durchbruch. Er heißt so, weil an dieser Stelle der Fluss vor 12 000 Jahren durch die Doppelmoräne des Isar-Loisach-Gletschers stieß. „Der war angeblich einen ganzen Kilometer hoch“, so Limmer. Auf die Dramatik des erdgeschichtlichen Ereignisses weist dort heute nicht mehr viel hin, im Gegenteil. Es ist eher ein idyllischer Ort, wie gemacht für eine kleine Auszeit im hektischen Alltag.

An der Reismühle endet das Würmtal

Ein Muss für Kinder ist die Karlsburg. 1172 wurde sie erstmals erwähnt, als Schutz des Mühltals gegen die Grafen von Dießen-Andechs. Doch schon bald nutzten die Wittelsbacher die Anlage nur noch als Jagdschloss, und auch als solches hatte es bald ausgedient. Die Steine der Karlsburg wurden später beim Bau des Schlosses Leutstetten verwendet, an Ort und Stelle finden sich nur noch ein paar Felsquader, auch das Grabensystem ist noch gut zu erkennen.

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Als Schlusspunkt des Mühltals (und den Übergang zum Würmtal) bezeichnet Limmer die Reismühle. Diese ist seit 1846 im Besitz der Familie Haller und war immerhin bis 1998 in Betrieb. Viel berühmter ist sie allerdings als Geburtsort Karls des Großen. „Das kann man glauben oder auch nicht“, so der Unterbrunner. Tatsache ist, dass die Legende sehr lebendig ist und es die Krone ins Wappen der Gemeinde Gauting geschafft hat. Sein Resümee: „Das Mühltal ist ein Raum, in dem Menschen vor uns gelebt haben und in dem Menschen nach uns leben werden. Er braucht unseren Schutz.“

Der Wanderführer ist in der Buchhandlung Kirchheim für 17,90 Euro erhältlich. Limmer bietet Führungen durch das Mühltal für Schulklassen an. Wer Interesse hat, meldet sich über die Homepage www.gauting-damals.de

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