Rathaus Gauting: Wie das Gebäude wurde, was es ist

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Überzeugender Entwurf: Architekt Klaus Goebl präsentiert das Holzmodell des Gautinger Rathauses von Anfang der 1970er-Jahre. © Andrea Jaksch

Bei der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Gautinger Rathauses schilderte Architekt Klaus Goebl die Entstehungsgeschichte und die Ideen hinter dem Konzept des Gebäudes.

Gauting – Das Rathaus dominiert das Gautinger Ortsbild, das steht fest. Wer hat es gebaut? Warum sieht es so aus? Wie war das Konzept? Diese Fragen beantwortete Klaus Goebl von der damaligen Architektengemeinschaft, der auf Einladung von Bauamtsleiterin Christiane Ait am Samstag im Großen Sitzungssaal einen Vortrag hielt. Im Raum befand sich auch das alte Holzmodell, das zeigte, dass ursprünglich auch ein Gemeindesaal geplant war, und zwar im Bereich des heutigen Rathausgartens. Doch dafür fehlte dann das Geld. Möglicherweise hätte er wegen der Gräberfunde am Krapfberg auch gar nicht verwirklicht werden können.

Zunächst machte der Architekt deutlich, dass das Rathaus ein Gemeinschaftswerk darstellt. Die Konzeption geht auf ihn selbst, Klaus Grass, Michael Rosner und Harald Scholz zurück, die im Oktober 1971 den ersten Preis des Bauwettbewerbs gewannen. „Wir waren jung, wir brannten, wir wollten unsere Ideen verwirklichen“, erzählte Goebl. Es war das erste Rathaus, das das Quartett baute, und es blieb auch das einzige. „So etwas ist kein Allerweltswerk“, sagte er. Die Wege der vier Jungarchitekten trennten sich bald danach, Goebl selbst arbeitete im Stadtbauamt Ingolstadt, zwei weitere gingen in den Staatsdienst.

Die vier jungen Männer entschieden sich bewusst gegen die damalige Mode des „Brutalismus“ (aus dem Französischen „beton brut“ = roher Beton). „Das wollten wir nicht“, sagte Goebl. „Die Fassade sollte nicht an eine Kaserne erinnern.“ Stattdessen favorisierten sie Klinker, der in Waldsassen gebrannt wurde. Einen Fremdkörper stellte der rote Klinker an der Bahnhofstraße nur bedingt dar, auch der Bahnhof und die Hypo-Vereinsbank waren in Ziegelbauweise gehalten. Dennoch: In dieser Dominanz war es neu. „Zusammen mit dem Grün des Parks sollte das Rot beruhigend und angenehmem wirken“, erzählte Goebl.

Außerdem wollten die vier Jungarchitekten kein „kompaktes, eckiges Gebäude“. Stattdessen nahm ihr Entwurf die Geländebewegungen am Bahnhofsberg auf. „Wir haben uns an der Topografie orientiert“, so Goebl. „Deshalb ist das Gebäude stark terrassiert.“ Dank der Machart verfügt die Bibliothek über eine große Fensterfront. Gewollt war obendrein, dass sich die Materialien, die außen verwendet werden, innen fortsetzen. So begegnet man dem Klinker auch in den Foyers. Die Eingangssituation erweitert den Fußgängerbereich der Bahnhofstraße und lädt zum Verweilen ein.

Der Architekt freute sich, dass das Rathaus so gut erhalten ist. „Da hat Frau Ait Gott sei Dank ein wachsames Auge darauf“, sagte er. Besonders erwähnte er die Teppiche, die heute wohl kaum mehr verlegt würden. Der qualitativ hochwertige grüne Teppich stammt noch aus dem Jahr 1975 und hat sich gut erhalten. „Nach jeder Reinigung schaut er aus wie neu.“ Die Baukosten damals beliefen sich auf sieben Millionen D-Mark. „Dafür würde man heute kein Rathaus mehr bekommen“, stellte Goebl fest. „Heute würde das sicher 15 Millionen Euro kosten.“ Auch eine derart großzügige Planung wäre wohl kaum mehr möglich.

Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger bedankte sich ausdrücklich für die Kooperationsbereitschaft des Architekten. Er besitzt das Urheberrecht am Bau und muss bei Veränderungen gefragt werden. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte sie. Auch Christiane Ait lobte den Entwurf wie den Bau. „Hier ist sehr vorausschauend geplant worden“, sagte sie. „Der Bau ist qualitativ wirklich sehr, sehr gut.“

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