Die Schlehdorferin Martina Obermeyer hat ein Buch geschrieben, das Menschen in Führungspositionen helfen soll.
Schlehdorf – Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind nicht leicht zu finden – und wenn, dann soll sich ein Team gemeinsam auch wohlfühlen. Martina Obermeyer aus Schlehdorf beschäftigt sich seit vielen Jahren als Coach mit diesem Thema. Nun hat sie ein Buch veröffentlicht, das den Titel trägt: „Mitarbeiter sind Chefsache!“
Obermeyer ist promovierte Zahnärztin, stammt gebürtig aus Straubing und kam in den 1990er-Jahren der Liebe wegen nach Kochel, wo sie einige Zeit eine eigene Praxis betrieb. Zudem absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilpraktikerin. 1999 wurde Obermeyer als „Zahnärztliche Unternehmerin des Jahres in Deutschland“ ausgezeichnet. Wegen gesundheitlicher Probleme mit der Halswirbelsäule gab sie ihre eigene Praxis auf, arbeitete in Teilzeit als Ärztin in einer anderen Zahnarztpraxis mit und fokussierte sich im Laufe der Jahre nicht nur auf ihre Heilpraktiker-Ausbildung, sondern auch auf das Coaching von kleineren Unternehmen, vor allem aus dem medizinischen Bereich, in Bezug auf Teamführung und den Umgang mit Kunden und Klienten. Aber auch Einzelpersonen werden von Obermeyer betreut.
Ein Fehler ist nicht schlimm, wenn er nur einmal passiert.
Seit 2001 ist sie mit ihrem Seminarhaus namens „Aufwind“ in Schlehdorf ansässig. Dort beschäftigt sie fünf Mitarbeiterinnen. Als Referentin ist die 65-Jährige bundesweit gefragt, zum Beispiel bei der „Medizinischen Woche“ in Baden-Baden und bei Zahnärztekammern. Auch zu Vorträgen ins Ausland wird sie eingeladen.
Idee für das Buch schon vor 35 Jahren gehabt
Schon seit 35 Jahren, sagt Obermeyer im Gespräch mit unserer Zeitung lächelnd, habe sie sich mit dem Gedanken getragen, ein Buch zum Thema Führung zu schreiben – und nun war der Zeitpunkt gekommen. „In einem Rutsch“ habe sie es geschrieben. „Denn Chef zu sein, lernt man nirgends.“ Obermeyer greift viele Themen auf, beispielsweise: Soll man sich siezen oder duzen? Wie führt man gute Mitarbeitergespräche? Wie fühlen sich Mitarbeiter im richtigen Maße wertgeschätzt? Sind Geschenke sinnvoll, und wenn ja, welche? Welche Rolle spielen soziale Medien? Wie mit Mobbing, Kritik und anderen Unannehmlichkeiten umgehen? Zudem befinden sich in dem Buch interessante Fragebögen, zum Beispiel für die eigene Einschätzung, jener der Mitarbeiter und ein Gesprächsleitfaden für Einstellungsgespräche.
Obermeyer greift viele Beispiele aus dem Alltag auf und schildert Situationen, die sie als Coach mit Teams gelöst hat. Ein wiederkehrendes Problem in vielen Betrieben sei, dass es keine durchgängige, offene Kommunikation gebe, etwa über gewisse Abläufe oder Neuerungen, sagt sie. Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, bei der sich jeder auf den anderen verlassen könne, sei eine ehrliche und wertschätzende Kommunikation aber unabdingbar. Und was Kritik anbelangt: „In einer Arbeitssituation gilt die Regel: Dreimal Lob für einmal Kritik“, sagt sie. Und: „Kritik ist immer eine Frage der Formulierung. Da muss man reinwachsen.“ In ihrem Buch liefert sie auch Vorschläge, wie man konstruktiv Kritik übt.
Kein Chef ist jeden Tag gleich gut drauf. „Ich persönlich halte es so, dass ich es morgens meinem Team sage, wenn ich spüre: Das ist heute nicht mein Tag“, sagt Obermeyer. Vor allem sei es wichtig, als Chef auch eigene Fehler einzusehen. „Wenn ich als Chefin vermittle, zu 100 Prozent perfekt zu sein, habe ich lauter unsichere Leute um mich herum.“ Sie plädiert dafür, Fehler aus erweiterter Perspektive zu sehen: „Aus Fehlern lernt man ja auch was“, sagt Obermeyer. „Ein Fehler ist nicht schlimm – wenn man ihn nur einmal macht.“
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Heutzutage arbeiten viele Menschen aus dem Homeoffice. Wie schafft man es, hier ein gutes Klima im Team zu haben? Mit dieser Herausforderung ist auch Obermeyer konfrontiert. „Ich finde es wichtig, dass wir uns gemeinsam immer wieder treffen. Das sollte auch einen geselligen Charakter haben, zum Beispiel eine gemeinsame Unternehmung, zwei oder dreimal im Jahr“, berichtet sie aus eigener Erfahrung.
Wenn es im Team passt, spüren das die Kunden.
In Obermeyers Buch werden sich vor allem Chefs und Chefinnen wiederfinden, die ein kleines oder mittelständisches Unternehmen führen. Aber es gibt natürlich auch Chefs, die in großen Firmen im mittleren Management arbeiten, und die nicht so viel Gestaltungsspielraum haben wie beispielsweise der Leiter einer Handwerkerfirma. Obermeyer rät, den individuellen Kontext und kleine Schritte auszuloten, etwa, wenn es um besseres Kennenlernen geht: „Es muss nicht gleich ein kostspieliger, langer Betriebsausflug sein. Auch ein geselliger Grillabend oder ein gemeinsamer Konzertbesuch sind schön.“
Obermeyer hat das Buch ihren Mitarbeiterinnen gewidmet, einige sind auch auf dem Titelbild zu sehen. Veröffentlicht wurde es – wie schon zwei andere Bücher von ihr – bei „Books on Demand“. Sie wollte es „so schreiben, wie ich es möchte, ohne weitere Einmischung oder Vorgabe eines Verlags“, sagt Obermeyer. Zu spüren ist in dem Buch, dass der Autorin wertschätzende, motivierende Kommunikation sehr wichtig ist. Das ist ihr auch in der eigenen Arbeit wichtig: „Wenn es im Team passt, dann spüren das auch die Kunden.“
Weitere Infos
Martina Obermeyer: „Mitarbeiter sind Chefsache!“, 137 Seiten, 25 Euro. Das Buch gibt es über die Webseite www.aufwind.org sowie überall im Buchhandel zu kaufen.