Der Kreisvorstand der Linken hat seinen Rücktritt angekündigt. Bis auf ein Mitglied laufen alle zur neuen Partei von Sahra Wagenknecht über.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Vor einem großen Umbruch steht der Kreisverband (KV) Oberland der Partei „Die Linke“: Der fünfköpfige Vorstand will am kommenden Sonntag geschlossen zurücktreten, um dann – mit einer Ausnahme – zur Partei von Sahra Wagenknecht überzulaufen, die sich derzeit in Gründung befindet. Das teilte der KV jetzt mit.
Auch etwa ein Dutzend Mitglieder kehren der Linken den Rücken
Nicht nur der Großteil des Vorstands, sondern auch etwa ein Dutzend weiterer KV-Mitglieder kehren der „Linken“ den Rücken oder haben dies bereits getan, wie der bisherige Kreissprecher Rolf Walther erklärt. Der Schritt wird in einer Pressemitteilung mit diversen Argumenten begründet. Unter anderem heißt es: „Unser Ziel war eine Politik für Geringverdienende, Kleinselbstständige, Hilfeempfänger und Menschen in Existenznot. Diese Menschen spricht ,Die Linke’ nicht mehr an, sie fühlen sich von ihr nicht mehr vertreten, wurden zu Nichtwählern oder wählen anders.“ Zudem fehlt den Unterzeichnern bei ihrer bisherigen Partei die „Positionierung für einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand in der Ukraine“ sowie im Nahen Osten und in allen sonstigen militärischen Konflikten.
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Tölzer Kreisrat Sebastian Englich gehört nicht zu den Überläufern
Dem Linkspartei-Kreisverband Oberland, der die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Landsberg, Garmisch-Partenkirchen und Miesbach umfasst, gehören derzeit noch rund 70 Mitglieder an. Über die Zukunft des KV sagt Walther, es hätten sich für die frei werdenden Vorstandsposten schon Bewerber gemeldet. Der scheidende Kreissprecher geht davon aus, dass diese fast ohne Gegenstimme gewählt werden. Für den Posten des Schatzmeisters wird der Tölzer Sebastian Englich kandidieren, wie er auf Anfrage berichtet. Er gehöre nicht zu denen, die die Partei verlassen. Neue Sprecherinnen sollen Elisabeth Osiander aus Holzkirchen und Angela Sterr aus Miesbach werden. Darüber hinaus würden sich zwei Genossen aus Garmisch-Partenkirchen als Beisitzer zur Verfügung stellen, so Englich, der seit 2020 für die Linke im Kreistag sitzt.
Bisherige Kreissprecher fahren zur Gründungsversammlung
Kreissprecher Walther dagegen wird mit der weiteren scheidenden Kreissprecherin Simone Ketterl am 27. Januar am Gründungsparteitag der Wagenknecht-Partei in Berlin teilnehmen. Seine Prognose: Das neue Bündnis werde bei den nächsten Wahlen – Europa-, Bundestags- und Kommunalwahl – im Oberland mehr Stimmen holen als die Linkspartei. Einen „Rosenkrieg“ mit deren Kreisverband gelte es aber zu vermeiden.
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