Auch Jonas Kaufmann sang hier schon: Diesen Ort lieben die Stars
Geigerin Anne-Sophie Mutter, Tenor Jonas Kaufmann, Pianist Maurizio Pollini: Sie alle und viele weitere Weltstars traten schon im Bibliotheksaal Polling auf. Seit 50 Jahren dient dieser als Konzertstätte mit viel gerühmter Akustik. Und das wird jetzt groß gefeiert.
Als der Weilheimer Kinderarzt Dr. Ernst Wittermann 1971 den Plan fasste, den lange zum Lager degradierten und ziemlich heruntergekommenen Bibliotheksaal des Pollinger Klosters zu restaurieren, und dafür einen gemeinnützigen Verein gründete, war viel Idealismus im Spiel – und die Vision eines herrlichen Raums, den es wiederherzustellen und mit Leben zu füllen gelte. Doch dass sich hier bald Musiker von Weltrang die Klinke in die Hand geben würden, das hat damals keiner geahnt.
Tatsächlich wurde die herausragende Akustik, für die der Bibliotheksaal heute europaweit gerühmt wird, erst zwei Jahre später eher zufällig entdeckt: Mit einem „Hausmusikkonzert auf der Baustelle“ wollte Wittermann 1973 weitere Unterstützer werben. Dabei zeigte sich, wie unglaublich gut Musik in diesem Raum klingt – trotz des damals noch vorhandenen Gerüsts. Und es war schlagartig klar, dass er künftig als Konzertsaal genutzt werden sollte.
Auch die Met Opera New York nutzte schon den Bibliotheksaal Polling
Am 27. September 1975 fand das erste Konzert nach der Restaurierung statt. Seither hat die Münchner Konzertdirektion Hörtnagel mehr als 800 Gastspiele teils weltbekannter Künstler im Bibliotheksaal veranstaltet. Sie holte Größen wie Karl Richter, Martha Argerich, Friedrich Gulda oder Yehudi Menuhin nach Polling und die bedeutendsten Klaviertrios und Streichquartette der Klassikwelt. Geigerin Anne-Sophie Mutter nahm hier CDs auf; während der Corona-Pandemie wurde 2020 ein Auftritt des Tenors Jonas Kaufmann von Polling aus weltweit als Stream übertragen, organisiert von der Metropolitan Opera New York. In den musikalischen Tagebüchern des Bibliotheksaals finden sich Einträge von Leonard Bernstein, Carl Orff und Loriot.
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Seit 2009 veranstaltet der Verein „Podium Musicale“ in dem Saal mehrmals jährlich hochklassige Konzerte junger Künstler bei freiem Eintritt. Größter Beliebtheit erfreut sich auch die Reihe „Volksmusik im Bibliotheksaal“ von und mit Karl Edelmann. Noch viele weitere Veranstalter nutzen gern diesen Saal, der mit dem Slogan „Ein Fest für Aug‘ und Ohr“ wirbt. An die Tradition des Klosters Polling als Ort der Wissenschaft knüpft neuerdings das Festival des Astrophysikers Harald Lesch mit dem Merlin-Ensemble Wien an.
50 Jahre Konzerte im Bibliotheksaal: Riesenprogramm zum Jubiläum
Nun jährt sich die Wiedereröffnung des Saals zum 50. Mal. Das feiert der Verein „Freunde des Pollinger Bibliotheksaals“ mit mehreren Veranstaltungen am Samstag, 27. September. Los geht‘s um 15 Uhr mit einem Festakt, umrahmt vom Sakurai Ensemble um Geigerin Juli Linden (Eintritt frei, Reservierung unter www.zuenftick.de). Um 17 Uhr folgt ein erstes, rund anderthalbstündiges Konzert mit dem „Duo Fantasia“ (Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ mit Flöte und Klavier), der „Spielmusik Karl Edelmann“ und dem Ensemble „Fagotti Parlandi“. Nach einer Pause mit Snacks und Getränken beginnt um 20 Uhr ein Konzert mit vielfach preisgekrönten Nachwuchs-Stars: Geigerin Noa Wildschut und Pianist Amadeus Wiesensee spielen Werke von Clara Schumann, Brahms, Eunescu und Schoenfield.
Eintrittskarten
für beide Konzerte am Samstag, 27. September, im Bibliotheksaal Polling gibt es in verschiedenen Preisklassen unter www.zuenftick.de.