Erst kein richtiger Winter und dann so viel Regen: Kann das was werden mit der Ernte heuer? Tatsächlich ist die Prognose besser als erwartet, wie sich auf der Erntepressefahrt des Bayerischen Bauernverbandes diese Woche herausgestellt hat. In diesem Jahr führte sie über die Felder bei Gilching bis nach Alling und auf den Germannsberg.
Gilching - Kreisobmann Georg Holzer aus Diemendorf staunt. Da zieht doch Martin Fink jun. tatsächlich eine schon recht dicke Zuckerrübe aus seinem Feld nahe Geisenbrunn. Tatsächlich wachsen im Landkreis Starnberg nur rund um den Gilchinger Ortsteil Zuckerrüben. Um diese und die Ernte 2024 ging es bei der Erntepressefahrt des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), die diese Woche auf dem Hof von Martin Fink begann. Erstmals war mit Dr. Stefan Gabler auch der Behördenleiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) dabei, außerdem Thomas Müller vom Bauernverband, Florian Seethaler aus Perchting, Kreisbäuerin Sonja Frey, Martin Fink sen., Georg Zankl jun. und Hans Eirenschmalz aus Hochstadt.
Die Ernteaussichten, das wird schnell klar, sind für die Bedingungen in diesem Jahr gar nicht so schlecht. Nicht so wie 2023, als es einfach zu heiß war, das Getreide auf den Feldern regelrecht verdorrte. Martin Fink jun. räumt aber ein: „Eigentlich wissen wir es erst, wenn der Mähdrescher kommt.“ Holzer stellt fest: „Im Vergleich mit anderen Landesteilen sind wir noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen.“
Ein paar Kümmernisse gibt es dann aber doch. Für den Weizen sind die nächsten Wochen entscheidend, es müsste endlich mal länger warm und trocken sein. Die Gerste hat unter den plötzlichen Hitzetagen gelitten, das mag sie gar nicht, und für die Wintergerste war es zu feucht, dafür ist der Raps gut. Zu kämpfen haben die Landwirte, ob bio oder nicht, mit Unkraut wie dem resistenten Weidelgras, das über Geräte in die Felder eingeschleppt wird und fast nicht zu bekämpfen ist. Es spitzelt aus Finks Gerstenfeldern und hat auch ein Zuckerrübenfeld so durchwuchert, dass Fink mit einem Ernteausfall rechnet.
Die Familie Fink in Geisenbrunn bewirtschaftet 200 Hektar landwirtschaftliche Flächen und dazu 28 Hektar Forst. Zwei Generationen arbeiten dort Hand in Hand, und Finks zehn Jahre alte Tochter Anna entwickelt auch schon ein Faible für die Landwirtschaft, ihr haben es alte Hühnerrassen angetan. Die gackern auf dem Hof herum, als sich die Teilnehmer auf die Kleinbusse verteilen. Fink jun. hatte sich einige Gedanken gemacht über die Route für die Pressefahrt. Zum Vergleich ging es auch an den Feldern des frisch gebackenen Biobauern Georg Zankl jun. vorbei.
Die Umstellung seiner 350 Hektar ist gerade abgeschlossen. „Man schaut ja schon immer, was der andere so macht“, sagt Martin Fink jun. Und weil die Sojabohnen des Biobauern Zankl so viel besser aussahen, versuchte es der konventionelle Landwirt Fink ausgerechnet heuer auch mal mit ungespritzten Sojabohnen. Die schauen dann auf dem Feld nicht ganz so glücklich aus. „Sie müssten höher sein“, sagt Fink, zieht eine Pflanze aus dem Boden und zeigt die Knöllchenbakterien an den Wurzeln, die mit den Pflanzen eine Symbiose eingehen und sie mit Stickstoff versorgen. Zu nass war es ihnen an dieser Stelle trotzdem.
Es geht entlang an Zuckerrüben, Sojabohnen und Mais auf den Germannsberg. Fink hat dort auf 602 Meter Höhe weite Flächen gepachtet. Der Blick reicht bis in die Alpen, der Wind streicht über ein hochgewachsenes Gerstenfeld. Ob sich die Ähren am Ende für Braugerste eignen, entscheidet ihr Eiweißgehalt. Trotz des Wechsels von Nass zu Warm ist Fink ganz zufrieden. Allerdings hätte er gern stärker gedüngt. Holzer kritisiert, dass die Düngeverordnung alle Betriebe über einen Kamm schert. „Dabei würden unsere Böden mehr Stickstoff vertragen.“ Es sei wichtig, die verschiedenen Regierungsbezirke zu berücksichtigen. Denn die Landwirte koste dies Ertrag.
Der Mais steht schon gut 60 Zentimeter hoch auf dem Germannsberg. Mehr als 1000 Tonnen vermarktet Fink über einen Landhandel, er wird CO₂-neutral getrocknet und meistens als Tierfutter oder für die Energiegewinnung genutzt. Beim Weizenfeld wenige Meter weiter ist Fink skeptisch. „So sieht er gut aus“, sagte er. Dann zerdrückt er ein paar Körner, ein paar sind verkümmert. Wenn sich keine trockene Witterung einstellt, droht Pilzbefall. „Das wissen wir erst bei der Ernte“, sagt Fink. Von den zehn Hektar Zuckerrüben auf Finks Feldern sind wegen des akuten Befalls von Weidelgras wohl nur acht zu ernten.
Die Rückfahrt führt an Dinkel- und Sojafeldern von Biolandwirt Zankl vorbei. Er ist zufrieden. Der Dinkel ist hart im Nehmen, die Sojabohne wächst unverdrossen auf wasserdurchlässigem Boden. Holzer findet, dass der Dinkel zu wenig Pflanzendichte hat. Zankl zeigt in die Mitte des Feldes: „Wir sind hier in der Schotterebene. Hier vorne hat der Boden 35 Bodenpunkte, da hinten 60. Und da steht er dicht.“ Die Landwirte fachsimpeln über Zeiteinteilung, wann sie mit welchen Geräten aufs Feld fahren. „Das Problem ist: Wegen des Klimawandels weißt du eigentlich nie, wann der richtige Zeitpunkt ist“, sagt Zankl. Sicher ist nur: Die Zusammenarbeit mit Pflanzen, Wetter und Klima ist eine Wissenschaft für sich.
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Gerade deswegen ärgert sich Holzer immer wieder darüber, dass Gesetze wohl nicht immer von Menschen gemacht werden, die sich auskennen. Über Russland, das mittlerweile 90 Millionen Tonnen Getreide auf den Weltmarkt wirft, was die Preise zerstört. Über hohe Produktionskosten, denen zu niedrige Preise gegenüberstehen. Über die Bürokratie beispielsweise für die Hofläden in der Region. Und über die Diskussion über die Rückerstattung beim Agrardiesel, die nun stufenweise abgeschafft wird. Da scheint der Regensommer das kleinere Problem zu sein.
So viel wollen die Landwirte dann aber gar nicht schimpfen. Im Nachgang zu den Protesten haben sie eine Agrarkommunikationsgruppe gegründet, am 18. Oktober wollen sie im Landkreis einen Aktionstag zum Thema Landwirtschaft veranstalten. Holzer ist im Nachhinein auch noch begeistert von der Fahrt durch den westlichen Landkreis: „Also, dass hier die Zuckerrüben so gut wachsen, das hätte ich nicht gedacht.“