„Großartiges Beispiel für Neubaugebiet“

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Stolze Naturgartenbesitzer: Friederike (r.) und Jörg Müller mit Andrea Oberhofer (l.) und Ulrike Breitenberger. © Andrea Jaksch

Friederike und Jörg Müller haben im Herrschinger Neubaugebiet am Fendlbach eine Idylle geschaffen. Ein Naturgarten, den man dort nicht vermutet. Andrea Oberhofer und Ulrike Breitenberger vom Kreisverband für Gartenbau nahmen die kleine Oase gestern unter die Lupe, um sie zu zertifizieren.

Herrsching - „Das ist ein großartiges Beispiel für ein Neubaugebiet“, freute sich Naturgarten-Zertifiziererin Andrea Oberhofer. Sie steht im Garten von Friederike und Jörg Müller in Herrsching. Das Paar hat vor drei Jahren ein Eckhaus im Neubaugebiet am Fendlbach bezogen. Zum Haus gehört ein Stück Wald, durch den der Bach plätschert. „Wir wollten, dass alles eine Einheit bildet“, sagt Friederike Hartung-Müller. Das ist ihnen gelungen, und das finden nicht nur Rehe, die ab und an neugierig durch Küchenfenster blinzeln, das findet auch der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Starnberg, dessen Arbeitskreis Naturgarten Andrea Oberhofer seit März dieses Jahres leitet.

„Als wir einzogen, gab es einen Rasen, zwei Bäume und eine Hecke am Rand“, erinnert sich Friederike Hartung-Müller. Und eine Terrasse mit den üblichen Industrie-Pflastersteinen. „Ein Trauerspiel“, fanden sie und ihr Mann Jörg. Als erstes entfernten sie die Terrassen-Pflaster, und dann holten sie sich fachliche Unterstützung, „um etwas zu kreieren, was der Natur ein Zuhause gibt“. Das Ergebnis nach drei Jahren macht Staunen. Ein nur scheinbar wildes Durcheinander, alles macht einen Sinn. Sogar die etwa zwei Meter hohen Disteln, an denen sich die Vögel auch im Winter erfreuen, wenn sie abgeschnitten und vertrocknet im Garten aufgestellt werden. Wald und Garten sind zu einer Einheit gewachsen, verbunden über zwei schmale Holzstege über den Fendlbach.

Im Garten gibt es verschiedene Rückzugsorte, Sitzstufen runter zum Bach, eine Feuerstelle zur Straße, eine schattige Sitzecke unter Bäumen und eine Terrasse, allerdings neu verlegt mit „Gneis aus Österreich“, wie Jörg Müller betont. „Alles Naturmaterialien. Uns war wichtig, möglichst wenig zu versiegeln.“ Deshalb ist die neue Terrasse auch schmaler. Einen Rasen sucht man vergeblich. Dafür gibt es ein bewohntes Insektenhotel, einen Teich und seit kurzem einen Frosch. „Aber der bleibt nicht lange allein“, meint Andrea Oberhofer lachend. In diesem Garten am Fendlbach wächst alles, wie es wachsen will. Zweimal im Jahr werde alles heruntergeschnitten, der Schnitt zwei Tage liegen gelassen, damit er aussamt, und erst dann entfernt. „Man muss ein bisschen Geduld haben“, sagt Jörg Müller, „aber dann ist man in einer anderen Welt“. Und beim Starkregen vor drei Wochen hatten die Müllers auch kein Problem. Im Boden aus einem lockeren Mineralgemisch sei der Regen sogleich versickert. Für Andrea Oberhofer der Beweis: „Was haben wir für eine Macht mit unserem Garten?“

Als die Müllers von Wolfsburg nach Herrsching kamen, wurden sie bald Mitglied im örtlichen Gartenbauverein. Dort entdeckten sie den Hinweis auf die Naturgartenzertifizierung und bewarben sich. Andrea Oberhofer und Ulrike Breitenberger sind die Zertifiziererinnen, die den Garten gestern unter die Lupe nahmen. Es gibt Kernkriterien, die erfüllt sein müssen: Torf ist zum Beispiel tabu, Biodiversität ein Muss oder Gemüse und Kräuter erwünscht. Das Gemüse im Hochbeet fiel in den vergangenen drei Wochen jedoch den Schnecken zum Opfer, bedauert Friederike Müller. Dafür gibt es Obst- und Beerensträucher. Beeren, die auch Rehe lieben. Eine Felsenbirne ist genau bis zu der Höhe abgefressen, wie ein Reh groß ist. „Das muss man mögen, oder auch nicht“, sagt Jörg Müller, der sich noch mehr über den Besuch aus dem Wald freut, als dass er ihn verfluchen würde.

Der Garten der Müllers wäre der 103. zertifizierte Naturgarten im Landkreis. „Ich habe den Arbeitskreis mit 99 Naturgärten übernommen“, sagt Andrea Oberhofer, die an ihrem Gartenzaun in Erling natürlich auch selbst ein Zertifikat hängen hat. Dass sich dieser Naturgarten im Neubaugebiet befindet, begeistert sie. „Das hätte ich nie vermutet“, sagt sie. Friederike und Jörg Müller freut das Lob. Sie möchten ein gutes Beispiel geben. „Wer möchte, kann sich bei uns Inspiration holen“, sagt Jörg Müller.

Wer seinen Garten zertifizieren lassen möchte, kann sich unter kv-gartenbau-sta.de informieren und bewerben. Die Kosten betragen für Mitglieder 40 Euro, für Nicht-Mitglieder 80 Euro. Einige der örtlichen Gartenbauvereine im Kreis übernehmen die Kosten für ihre Mitglieder.

Man muss ein bisschen Geduld haben. Aber dann ist man in einer anderen Welt.

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