Wolfgang Meiler will kürzertreten. Der Gautinger Bootsbauer mit Werkstatt in der Reismühle hatte lange nach einem Kompagnon gesucht, ihn aber nicht gefunden. Nun fährt er den Betrieb zwar zurück, aufgeben will der 61-Jährige seine Werft aber nicht.
Gauting - Seit drei Jahrzehnten betreibt der Gautinger Bootsbaumeister erfolgreich eine Werkstatt in der Reismühle. Vergeblich habe er einen jungen Bootsbaumeister gesucht, der als Selbstständiger bei ihm im Unternehmen mit einsteigen möchte. Er habe seinen Betrieb bereits zurückgefahren – und seine beiden Auszubildenden bereits weitervermittelt. Seine Bootswerkstatt aufgeben werde er deshalb nicht. „Bei der Restaurierung von alten Motor- bis Segelbooten“ sei seine Gautinger Werkstatt von knapp 30 Betrieben in Bayern immer noch eine „eine große Nummer“. Meiler selbst ist Obermeister der Boot- und Schiffbauerninnung.
„Ich werde künftig aber weniger arbeiten“, erklärt Bootsbaumeister und Ex-Gemeinderat Wolfgang Meiler (61). 2014 war er bei der Stichwahl knapp als Gautinger Bürgermeisterkandidat der BiG (Bürger in Gauting) unterlegen. Der Gemeinderat ist bereits Vergangenheit, nun schraubt er auch den Betrieb zurück. Weil er deshalb die vorgeschriebenen Praktika-Stunden nicht mehr gewährleisten könne, habe er seine beiden Auszubildenen an Betriebe am Starnberger See weitervermittelt, so der Gautinger. Meilers Lehrlinge „Nummer 33 und 34“. Denn er bildete seit 1991 aus.
Seine 650 Quadratmeter große Werkstatt mit Speicher im „traumhaften Ambiente“ der Reismühle an der Würm will Meiler behalten. Der Bootsbaumeister selbst wohnt gleich in der Nähe beim Sommerbad. Mit 61 Jahren findet er jedoch, sei es an der Zeit, zurückzufahren. Mit seiner Frau Elke wolle er künftig mehr Zeit auf dem eigenen Boot „happy!“ am Starnberger See verbringen, erzählt Meiler mit vergnügtem Lächeln. Die „happy!“ sei „unsere kleine Badeinsel“, sagt der Bootsbauer liebevoll. Er hat das Boot bereits umweltfreundlich von Benzin-Motor auf Elektro umgerüstet. Und da seine Ehefrau „quasi schon im Ruhestand“ sei, will er künftig ebenfalls weniger arbeiten, um vielleicht auch mehr Zeit gemeinsam auf dem Wasser verbringen zu können.
Aktuell stehen zwei „Boesch“-Boote und eine „Lacustre“ in der großen Halle. Die „Lacustre“, ein klassisches Mahagoni- Kielboot vom Bodensee, habe sein Kunde heuer im Frühjahr im Ammersee zu Wasser gelassen – und dabei festgestellt, dass es ein Leck im zerfallenden Heckbalken hatte, erzählt Meiler. Die für Binnengewässer ideale Rennsegel-Yacht sei häufig auf dem Starnberger See zu sehen: Doch die dunkel gebeizte „Lacustre“, die sein Kunde von einem Vorbesitzer am Züricher See erworben hat, harre noch der Restaurierung, so der Meister, der sein Handwerk nunmehr 42 Jahre ausübt.
Christine Cless-Wesle