Verein präsentiert „Seeanbindung 2.0“

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So stellt sich der Verein Schöner zum See die „Seeanbindung 2.0“ vor: Die Bahnhofsunterführung befindet sich auf der Ostseite des historischen Bahnhofsgebäudes, wo auch ein Neubau analog zum „Bahnmeisterhaus“ (dem einzigen Gebäude, das auf der Westseite stehen bleiben soll) geplant ist. © Schöner zum See

Nachdem die Realisierung der vorliegenden Pläne zur Seeanbindung zumindest vorerst gescheitert ist, hat der Verein Schöner zum See am Dienstag seine Überlegungen vorgestellt. Herzstück des „Seeanbindung 2.0“ ist eine Verlegung der Bahnhofsunterführung. Die Gleise sollen hingegen dort bleiben, wo sie sind.

Starnberg - Der Verein Schöner zum See (SzS) hat in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am Dienstagabend einen neuen Vorschlag zur Seeanbindung vorgelegt. „Seeanbindung 2.0“ haben Vorsitzende Iris Ziebart und ihre Mitstreiter das Projekt getauft. Es sei schneller und günstiger zu realisieren als die von Stadt und Bahn ausgehandelte, mittlerweile aber wieder auf Eis gelegte 177-Millionen-Euro-Planung. „Unsere Lösung kostet einen Bruchteil, sie geht drastisch schneller, und vor allem ist sie eine wirkliche Seeanbindung“, sagte Wolfgang Ziebart in der Versammlung im Casino des Münchener Ruder- und Segelvereins (MRSV).

Zunächst sieht der Plan keine Gleisverlegung vor, wie Iris Ziebart erläuterte. Gleis 1 solle wie bisher als Wendegleis zur Verfügung stehen, Gleis 2 für den Durchgangsverkehr, die Gleise 3 und 4 für die S-Bahn. „Das Damoklesschwert eines Betriebsbahnhofs am Oberfeld hat sich damit erledigt“, sagte Ziebart. Zudem würde ein ganz erheblicher Kostenfaktor der Bahn-Stadt-Vereinbarung hinfällig. Wenn der Bestand erhalten bleibe, sinke darüber hinaus das Risiko von Lärmschutzwänden, sagte sie.

Herzstück der Idee ist die Verlegung der Bahnhofsunterführung von der Westseite des historischen Bahnhofsgebäudes auf die Ostseite. „Das bringt für Stadt und Bahn gleichermaßen Vorteile“, betonte Ziebart. Anstelle der jetzigen Unterführung und des Bistros davor entstehe ein großzügiger Platz. Dieser könne Aufenthaltsfläche, Treffpunkt für Stadtführungen oder Teil einer Gastronomie im Bahnhofsgebäude sein. „Es bietet sich total an, dort zu sitzen und von dort auf den See zu blicken“, sagte die SzS-Vorsitzende. Voraussetzung sei natürlich, dass alle übrigen Anbauten abgerissen würden – mit Ausnahme des „Bahnmeisterhauses“ in der Verlängerung der Wittelsbacherstraße, in dem sich aktuell ein Modegeschäft befindet. Das würde sich für eine touristische Nutzung anbieten.

Die neue Unterführung plant SzS dort, wo sich derzeit das geschlossene Toilettenhäuschen und die Fahrradabstellanlage befinden. Sie würde die Gleise unterqueren und zwischen Seespitz und Dampfersteg auf die Seepromenade treffen. Die Vorteile liegen für Ziebart auf der Hand: Die Unterführung ist sieben Meter kürzer und zwei Meter breiter als die bisherige, sie hat eine Höhe von 2,40 Meter und sie bekommt einen sehr großzügigen Zugang auch mit Rampen. Aufgrund der Lage sehe man den See schon, sobald man hereingehe. Ziebart: „Das ist kein tiefes, dunkles Loch mehr.“ Die Promenade sei an der Stelle etwas tiefer als am Dampfersteg, was die Blickbeziehungen verbessere. Zudem könne die Unterführung ein Oberlicht erhalten.

Sehr überzeugend und plausibel.

Direkt angrenzend stellt sich SzS einen Neubau vor – in Maßen und Ausprägung analog zu dem „Bahnmeisterhaus“ auf der anderen Seiten des Bahnhofsgebäudes. Dieser könnte unter anderem öffentliche Toiletten und eine Fahrradabstellanlage aufnehmen, aber auch einen Bäcker und ein kleines Stehcafé. Das historische Gebäude, das ja bereits der Stadt gehört, biete sich für eine kulturelle Nutzung an. Iris Ziebart: „So würde das von Architekt Friedrich Bürklein entworfene Ensemble wiederhergestellt, die denkmalgerechte Sanierung des Bahnhofsgebäudes selbst ist ja unstrittig.“

Dieser Schnitt zeigt, wie die Unterführung vom Bahnhofplatz (rechts) zur Seepromenade (links) verlaufen könnte. Historische Bahnsteigdächer hält der Verein nur an den Gleisen 3 und 4 für erforderlich. Die Promenade soll durch Aufschüttungen breiter werden.
Dieser Schnitt zeigt, wie die Unterführung vom Bahnhofplatz (rechts) zur Seepromenade (links) verlaufen könnte. Historische Bahnsteigdächer hält der Verein nur an den Gleisen 3 und 4 für erforderlich. Die Promenade soll durch Aufschüttungen breiter werden. © schöner zum See

Um die Seepromenade zu verbreitern und damit die Aufenthaltsqualität zu steigern, kann sich SzS Aufschüttungen zur Verbreiterung der Fläche vorstellen. „Sitzstufen am Ufer können den Besuchern die Möglichkeit geben, den See zu erleben und den Blick auf die Berge zu genießen.“ Weitere Vorteile aus Sicht des Vereins: Das neue Wohn- und Geschäftsviertel zwischen dem Rondell an der Kaiser-Wilhelm-Straße und der Ludwigstraße werde aufgewertet, die Realisierung könne „unter rollendem Rad“, also während des Bahnbetriebs stattfinden, und je nach Finanzlage der Stadt Schritt für Schritt umgesetzt werden. Zudem sei die Stadt nicht darauf angewiesen, für die Umsetzung des Vorhabens zusätzliches Baurecht zu vergeben.

Ziebart forderte Bürgermeister Patrick Janik und den Stadtrat auf, alles dafür zu tun, die „Seeanbindung 2.0“ umzusetzen. Mit der Bahn selbst hat der Verein bislang nicht gesprochen, auch eine konkrete Planung oder Überlegungen zu Kosten und Finanzierung gibt es nicht, was SzS-Schatzmeister Markus Mooser zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht weiter schlimm fand. „Es geht erst einmal darum, eine Idee aufzuzeigen“, sagte er und nannte den präsentierten Vorschlag „einfach, aber revolutionär“. Mit den Überlegungen reagiere der Verein auch auf eine Aussage von Patrick Janik, der in der Bürgerversammlung im März beklagt habe, dass es keine Lösungsvorschläge gebe, sagte Iris Ziebart.

Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl, die als Zuhörerin am Dienstag dabei war, äußerte sich inhaltlich nicht zu den Plänen. Sie sagte dem Verein aber zu, die Unterlagen sowohl dem Bürgermeister als auch den Stadträten weiterzuleiten. „Herr Janik wird sie natürlich auch mit zur Bahn nehmen“, sagte sie. Für Ende Juli sei ein erster Termin nach dem Ziehen des Sonderkündigungsrechts durch die Stadt im Frühjahr anberaumt, erklärte sie. Bereits in der Stadtratssitzung am kommenden Montag, 8. Juli, ist die Seeanbindung auch Thema, allerdings nur im nicht öffentlichen Teil.

Kritisch äußerte sich Kammerl, was eine Aufschüttung der Seepromenade betrifft. Auch einige Punkte, die der Bahn wichtig seien, seien nicht berücksichtigt, sagte sie. Zudem sei die Grundstücksfrage offen. Iris Ziebart setzt darauf, in Verhandlungen mit der Deutschen Bahn zum Ziel zu kommen.

Von den Besuchern gab es viel Lob, von den Mitgliedern des Vereins einhellige Unterstützung für die „Seeanbindung 2.0“. Die frühere CSU-Stadträtin Hannelore Hartmann zum Beispiel nannte den Entwurf „sehr überzeugend und plausibel“. Sie forderte Stadtspitze und Stadtrat auf, der Bahn selbstbewusst gegenüberzutreten. Auch WPS-Stadtrat Ralf Breitenfeldt äußerte sich zustimmend, ebenso die FDP-Stadträtin Anke Henniger. Der Urheber der Pläne, Manfred Leipold aus Perchting, erklärte, mit zuständigen Stellen im Landratsamt und bei der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung bereits gesprochen zu haben. Dass er dort „nicht sofort abgewürgt“ worden sei mit seiner Idee, wertete er als gutes Zeichen.

Stadträte forden öffentliche Beratung

Mit Blick auf die Stadtratssitzung am kommenden Montag (18.30 Uhr, Schlossberghalle) haben sich die Stadträte Eva Pfister (BMS), Michael Mignoli (BLS), Anke Henniger (FDP) und Ralf Breitenfeldt (WPS) am gestrigen Mittwoch an Bürgermeister Patrick Janik gewandt. Er hat als Punkt 8 „Seeanbindung Starnberg – Vorstellung der Planungsvarianten – Weiteres Vorgehen“ auf die Tagesordnung gesetzt, allerdings im nicht öffentlichen Teil. Die vier Stadträte beantragen nun, den Tagesordnungspunkt öffentlich zu beraten.

Dabei verweisen sie auf einen Beschluss des Stadtrats vom 27. November 2023, wonach „Bürgerinnen und Bürger, Bürgerinitiativen sowie Interessengemeinschaften intensiv in die städtebaulichen Planungen sowie Auswirkungen bei dem Projekt Seeanbindung eingebunden werden“ sollen und die Verwaltung beauftragt wurde, „die Voraussetzungen für die Schaffung eines Beirats (Projekt Seeanbindung) zu schaffen und dem Stadtrat zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen“.

Beide Beschlüsse seien bis heute nicht vollzogen, kritisieren Pfister, Mignoli, Henniger und Breitenfeldt. Dennoch solle wieder ohne Bürgerbeteiligung und nicht öffentlich über das weitere Vorgehen beraten und entschieden werden. „Wir halten diese Vorgehensweise für kontraproduktiv und auch nicht im Sinne einer zwingend notwendigen ergebnisoffenen Bürgerbeteiligung.“

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