Der Krügerrand aus Südafrika, der Maple Leaf aus Kanada, der American Eagle aus den USA – die beliebtesten Goldmünzen und Silbermünzen kommen aus der Ferne. Deutschland war bisher ein blanker Fleck auf der Landkarte der Anlagemünzen. Doch das soll sich jetzt ändern – mit einer überraschenden Initiative aus Bayern. Wie die Fachzeitschrift "MünzenWoche" berichtet, hat der Freistaat heute den "Bayern Thaler" vorgestellt, eine brandneue Investmentmünze, die den internationalen Markt aufmischen soll. Geprägt vom Bayerischen Hauptmünzamt und verziert mit dem weltberühmten Schloss Neuschwanstein, ist sie nicht nur eine Anlageoption – sondern ganz nebenbei ein weiteres Zeichen bayerischer Eigenständigkeit.
Warum gibt es keine deutsche Bullion-Münze? Bayern übernimmt das Kommando
Während auch Europa mit Österreichs Wiener Philharmoniker und Großbritanniens Britannia längst auf dem weltweiten Investment-Markt vertreten sind, herrschte in Deutschland bis heute gähnende Leere. Doch damit ist jetzt Schluss! "Wir spüren eine enorm hohe Nachfrage nach Edelmetallen – und eine echte deutsche Alternative fehlt bislang", erklärt Reinhard Riffel vom Bayerischen Hauptmünzamt. Bayern springt nun in die Bresche, um das zu ändern – und anstelle von „Bundes-Bullion“ gibt es nun also den Bayern-Thaler.
Neuschwanstein statt Bundesadler: Ein Design, das begeistert
Ein echter Blickfang: Statt sich für langweilige staatliche Motive zu entscheiden, hat Bayern mit Neuschwanstein einen weltbekannten Publikumsliebling als Motiv gewählt. Und das Beste: Jedes Jahr gibt es eine Sehenswürdigkeit - ein Konzept, das bereits Münzen wie die Australian Kookaburra oder Somalia Elephant zum Erfolg gemacht hat.
Über Sebastian Wieschowski
Sebastian Wieschowski ist Münzensammler seit Kindertagen und Experte für Numismatik und Edelmetalle. Er schreibt seit 2012 für deutsche und internationale Fachmedien. Mit seinen eigenen Buchprojekten (z.B. die „Bullion-Bibel“ oder der „Raritäten-Radar“) und Multimedia-Inhalten (als „Coinosseur“ bei YouTube) bearbeitet er Trend- und Zukunftsthemen für Sammler und möchte seine Leidenschaft weitertragen – als Hobby, aber auch als Wertanlage. Hier geht es zu seiner Webseite: www.coinosseur.de
Kein Euro? Kein Problem! Bayern erweckt den Thaler wieder zum Leben
Wer jetzt denkt, die Münze sei offizielles Zahlungsmittel, liegt falsch. Doch Bayern hat eine clevere Lösung gefunden: Statt den Euro zu nutzen, bringt der Freistaat den legendären "Thaler" zurück, eine historische Währung, die bis 1871 in Bayern genutzt wurde. Der Clou? Das Investmentprodukt erhält eine nostalgische Note – und den meisten Anlegern ist es inzwischen sowieso egal, ob ihre Münzen aus Gold oder Silber als Zahlungsmittel gelten, immerhin ist der Metallwert deutlich höher und niemand wird mit einem Wiener Philharmoniker in Österreich im Supermarkt bezahlen.
Die Bundesregierung schaut zu – Bayern handelt
Seit Jahren fordern Sammler, Anleger und Händler einen deutschen „Krügerrand“. Doch während das Thema in den letzten Jahren in Berlin nie auf die Agenda gekommen ist, handelt Bayern. Andere Versuche wie die Silber-Quadriga der Münze Berlin sind wegen hoher Preise und mangelnder Verfügbarkeit nicht im Münzen-Mainstream angekommen. Der Bayern Thaler hingegen wird von Anfang an über Sparkassen, Edelmetallhändler und Landesbanken breit vertrieben. Zudem wurden alle gängigen Gewichtseinheiten in Gold und Silber berücksichtigt, den Thaler wird es in sechs verschiedenen Varianten geben. Besonders begehrt: Eine Ein-Kilo-Goldprägung mit einem fiktiven Nennwert von 3000 Bayern Thaler.
Konkurrenz für den Krügerrand? Bayern geht auf Angriff
Ob sich der Bayern Thaler gegen etablierte Schwergewichte wie den Krügerrand oder Maple Leaf durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Doch die Mischung aus marktnaher Preisgestaltung, sammelwürdigen Motiven und bayerischer Identität macht ihn zu einem ernstzunehmenden Herausforderer auf dem globalen Bullion-Markt (als „Bullion“ werden im englischsprachigen Raum die Münzprodukte bezeichnet, die in erster Linie zu Anlagezwecken verkauft werden). Der Bayern Thaler könnte also das Münzgeschäft in Deutschland revolutionieren.
Und auch der symbolische Aspekt ist nicht zu unterschätzen: Während Berlin es nicht geschafft hat, eine eigene Investmentmünze auf den Markt zu bringen, zeigt Bayern, wie es geht.
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