Nur Barzahlung auf Berghütten

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Keine Kartenzahlung: Bargeld ist hoch oben am Berg gefragt, wie hier beim Berggasthof Neureuth über dem Tegernsee. Oft reicht die Netzabdeckung nicht, um Kartenzahlung zu ermöglichen. Aber es gibt auch andere Gründe. © kw

Während der Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr geht, ist dies auf Hütten im Tegernseer Tal anders. Warum zählt hier meist nur Bares?

Tegernseer Tal – Bergsportbegeisterte, die ohne Bargeld in den Tegernseer Bergen unterwegs sind, sollten die Homepage der Hütte genauer lesen. Denn vielfach wird darauf hingewiesen, dass nur Barzahlung möglich ist: „Cash only.“ Mancher mag dies im elektronischen Zeitalter für ein Relikt aus vergangenen Zeiten halten, doch scheitert der bargeldlose Zahlungsverkehr meist an der mangelnden Netzabdeckung von Berghütten und Almen rund um den Tegernsee. Die Hüttenwirte können ein Lied davon singen.

Wirt hält Vordrucke mit Überweisungsverpflichtung bereit

Etwa Thomas Gigl, der das beliebte Wanderziel Berggasthof Neureuth hoch über dem Tegernsee seit mehr als zehn Jahren betreibt. Bei Bilderbuchwetter gehen auf seiner Sonnenterrasse mit Ausblick bis zum Großvenediger hunderte von Essen raus. Die Bestellungen werden zwar elektronisch erfasst, doch bei der Bezahlung zählt nur Bares. Darauf werden die Gäste sowohl auf der Homepage als auch beim Betreten des Gastro-Bereichs hingewiesen. Doch nicht alle Besucher registrieren das auch.

„Etwa fünfmal in der Woche kommt es vor, dass jemand nur mit Karte zahlen kann. Aber das ist dennoch ganz unproblematisch“, meint Wirt Gigl. Vorsorglich halte er Vordrucke mit Überweisungsverpflichtung bereit. In den vergangenen zehn Jahren habe er nur dreimal Gäste an ausstehende Zahlungen erinnern müssen. Die Überweisungen seien dann prompt erfolgt. „Wir hatten noch nie einen Ausfall.“

Für Kartenzahlungen bräuchte Gigl hier auf über 1200 Metern Höhe ein stabiles und vor allem schnelles Internet. „Das haben wir aber nicht“, beklagt der Wirt. Eine Verbesserung könne nur eine neue Telekom-Leitung zum Berggasthof bringen. Doch auf diese Investition werde er als einziger Kunde am Berg wohl „noch lange warten müssen“. Dabei hänge bereits alles an einem seidenen Faden. „Von den vier Adern in der Leitung sind jetzt schon zwei altersbedingt kaputt. Wenn mir eine weitere ausfällt, haben wir hier weder Telefon noch Internet“, berichtet Gigl. Dann gehe nichts mehr, „dann ist es wie in der Steinzeit“. Erst einmal steht dem Gasthaus Neureuth ohnehin eine Sanierung der Energieversorgung ins Haus.

Weniger Trinkgeld bei Kartenzahlung

Wenn größere Gruppen oder Firmen Reservierungen anmelden, so Gigl, regele man die Zahlung schon im Vorfeld mit einer Rechnung zur Überweisung. Was dem Wirt auffällt: „Ganz selten werden von Firmen Trinkgelder mit überwiesen.“ Seiner Einschätzung nach kommen die Bedienungen bei Kartenzahlung schlechter weg.

Ähnliches berichtet auch der Wirt vom Berggasthof Galaun am Riederstein. „Von den Erfahrungen meiner Bedienungen anderswo höre ich, dass das Trinkgeld dort viel geringer ausfällt, als wenn Gäste hier bar zahlen“, sagt Franz Wagner junior. Bei ihm hat der Grundsatz „Cash only“ auch persönliche Gründe, wie er erklärt: „Ich bin von Haus aus kein Fan von Kartenzahlung. Das ist wieder ein Schritt mehr zur völligen Überwachung.“

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Abgesehen davon sei auch bei ihm auf dem Galaun die Netzabdeckung äußerst dürftig. „Das Internet ist schwach und der Handyempfang schlecht. Was ist, wenn die Karte dann nicht funktioniert? Dann steht meine Bedienung teilweise zehn bis 15 Minuten bei dem Gast, um zu kontrollieren, ob die Überweisung geklappt hat.“ Für ihn als Wirt sei Bargeld „die schnellere und einfachere Lösung“ auch für das Trinkgeld, das die Bedienung am Abend zählen kann. „Sonst müsste ich nach der Schließung noch am Computer sitzen und schauen, wer was überwiesen hat.“

Zusätzliche Kosten für Kartenlesegeräte

Bei Karolina Höß, Wirtin der Lukasalm im Suttengebiet, ist für die Zeche auch nur Bares gefragt. Sie könne keine Zahlung per Karte oder Handy anbieten, wenn das Internet nicht einwandfrei funktioniere. „Zudem würden für mich zusätzliche Kosten für Kartenlesegeräte und Kartenanbieter anfallen“, so Höß, die seit zehn Jahren Pächterin der Lukasalm ist. Aus Erfahrung weiß sie: „Nur Bares ist Wahres.“

Ähnliches erleben Wanderer auch auf der Aueralm über Bad Wiessee. Auch dort ist Barzahlung angesagt. Ebenso weiter südlich auf Kreuther Gemeindegebiet. Auf der Schwarzentenn-Alm, zwischen Hirschberg und Ross- und Buchstein gelegen, „gibt es kein Handynetz“, sagt Simon Stickl als Betreiber. Und dies, obwohl die Gäste, die mit Karte zahlen wollen, „immer mehr werden“. Aber die meisten hätten noch Bargeld bei ihren Ausflügen dabei. Wenn dies nicht reiche, würden die Gäste äußerst zuverlässig die Zeche überweisen. Ob Kartenzahlung am Hirschberghaus mit seinen Übernachtungsmöglichkeiten möglich ist, war nicht zu erfahren. Am Wochenende gab es einen Pächterwechsel. Peter Maier verabschiedete sich, und der Neue war telefonisch da oben nicht zu erreichen.

Selbst an den frisch renovierten Siebenhütten der Wirtsfamilie Bogner hinter Wildbad Kreuth scheitern Gäste mit EC- oder Kreditkarten. „Bei uns geht kaum das Telefon“, so Josef Bogner senior. „Also bleibt nur Bares.“

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