Die Freien Wähler wollen Ludwig Schmid ins Rennen um den Chefsessel im Landratsamt schicken, die CSU hat ihren Landratskandidaten Thomas Holz sogar schon nominiert. Wie aber sieht es bei den anderen Parteien aus?
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Grünen gingen bei den letzten Kommunalwahlen immer mit einem eigenen Kandidaten ins Rennen. Dreimal stand Klaus Koch an der Spitze. Ob das auch 2026 der Fall sein wird, ist offen. Kreissprecher Andreas Wild verrät nur, dass die Grünen mit einem eigenen Landratskandidaten antreten werden. Die Aufstellung erfolge am 22. Oktober „vollkommen basisdemokratisch per Urwahl durch die Grünen-Mitglieder im Landkreis. Entsprechend können wir Stand heute gar keine Aussagen zu wahrscheinlichen Bewerbern machen“. Auch an Spekulationen wolle man sich nicht beteiligen. Dass die Partei im Vergleich zu CSU und Freien Wählern relativ spät in den Wahlkampf einsteigt, stellt in den Augen der Grünen keinen Nachteil dar. „Wir werden mit einer schlagkräftigen, prägnanten und intensiven Kampagne die dann verbleibenden etwas mehr als vier Monate für den Wahlkampf nutzen.“
AfD hält sich noch sehr bedeckt
Ebenfalls wohl eher später wird die AfD in den Wahlkampf einsteigen. Man stecke mitten in den Vorbereitungen, sagt ein Vertreter des Kreisvorstands, der namentlich nicht genannt werden möchte. Auf jeden Fall werde man eine Kreistagsliste aufstellen, kündigt er an. Im Moment sitzen zwei Vertreter der AfD in dem Gremium. Ziel sei auch, einen Landratskandidaten ins Rennen zu schicken. Man führe Gespräche, etwas Genaues könne man aber noch nicht sagen. Auch in den Kommunen könnte es die eine oder andere Liste oder sogar einen Bürgermeisterbewerber geben. „Wir versuchen natürlich dort, wo wir stark sind, anzutreten.“ Möglichst noch „vor Weihnachten“ sollen die Nominierungen über die Bühne gegangen sein.
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„Keinen Landratskandidaten“ wird es bei der FDP geben, sagt Kreisvorsitzender Simon Roloff auf Anfrage. Aber die Kandidaten für eine Kreistagsliste sollen auf jeden Fall im Spätherbst nominiert werden. Damit sie auch zur Wahl am 8. März antreten dürfen, ist die FDP allerdings auf die Mithilfe der Landkreis-Bürger angewiesen. „Tatsächlich müssen wir Unterstützerunterschriften sammeln. Das ist ein Novum für uns“, sagt Roloff.
FDP braucht 385 Unterschriften, um für den Kreistag antreten zu können
Nötig wird das, weil die FDP bei den letzten drei Wahlen in Bayern weniger als fünf Prozent erzielte und derzeit keinen Vertreter im Kreistag sitzen hat. Edmund Häner, der seinerzeit für die Partei in den Kreistag nachgerückt war, hat der FDP längst den Rücken gekehrt. 90 Tage vor dem Wahltag – sprich im Dezember – darf die FDP damit beginnen, die 385 nötigen Unterschriften zu sammeln. Dazu liegen in den Rathäusern Listen aus. „Bis Mitte Januar müssen wir sie zusammenhaben“, sagt Roloff, der aber zuversichtlich ist. 56 Mitglieder zählt der FDP-Kreisverband derzeit. Eine Unterstützerunterschrift kann aber natürlich jeder Bürger abgeben, der findet, dass die Liberalen zur Wahl antreten sollten.
Sollte die Bayernpartei wieder antreten, bleibt ihnen das Schicksal des Unterschriftensammelns erspart. Kreisrat Wolfgang Morlang ist zwar mittlerweile der CSU-Fraktion beigetreten, hat aber noch nicht die Partei gewechselt.
Linke denkt noch über Landratskandidatur nach
Die Linke trat bei der Wahl 2020 erstmals mit einem Landratskandidaten an: Sebastian Englich ging ins Rennen, er sitzt seitdem im Kreistag. Wie es dieses Mal aussieht, ist derzeit noch offen. Man sei noch nicht so weit. „Ich gehe von einer Benennung Ende Oktober/Anfang November aus“, sagt Englich. Bis dahin werde sich auch entscheiden, ob die Linke nicht nur im Kreis antritt, sondern erstmals auch mit Listen in den drei Städten.
Auch bei der ÖDP wird noch diskutiert
Am 4. November wird die ÖDP ihre Kreistagsliste aufstellen. Dann wird sich auch zeigen, ob man mit einem eigenen Landratskandidaten ins Rennen geht. „Ausschließen wollen wir es nicht“, sagt Kreisrat Manuel Tessun auf Anfrage. Man befinde sich in Diskussionen. Bereits am 16. September wird die Mitgliederversammlung das Wahlprogramm beschließen. Derzeit stellt die ÖDP zwei Kreisräte und bildet mit den Freien Unabhängigen Wählern (FUW) und Häner, der ohne Gruppierung ist, eine Ausschussgemeinschaft.
Wie es mit den FUW weitergeht, ist unklar. Kreisrat Franz Hartmann tritt bei der Kommunalwahl jedenfalls nicht mehr an, wie er auf Nachfrage berichtet. „Alles Weitere ist bis dato noch offen“, so Hartmann.
SPD will einen Bewerber für das Amt des Landrats aufstellen
Und was ist mit der SPD? Die Partei ließ zuletzt aufhorchen, weil man in der einstigen SPD-Hochburg Wolfratshausen keinen Bürgermeisterbewerber aufstellen wird. Für den Landkreis ist Kreisvorsitzender Klaus Barthel aber zuversichtlicher. „Wir werden auf jeden Fall eine Bewerberin/einen Bewerber aufstellen.“ Im Moment kläre man die Situation in den Ortsvereinen, die gerade dabei sind, ihre eigenen Listen vorzubereiten. „Wir sammeln derzeit auch die Bewerberinnen und Bewerber für die Kreistagsliste und arbeiten an unserem Wahlprogramm“, so Barthel. Am 17. September entscheidet dann der Gesamtvorstand über den Programmentwurf und wird einen Vorschlag für die Landratskandidatur besprechen. „Dann werden wir auch die Öffentlichkeit informieren“, so Barthel. Endgültig entschieden wird über Programm, Liste und Landratskandidatur dann in der Delegiertenkonferenz am 8. November.
Bei den Freien Wählern und der CSU stehen die Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Landrat Josef Niedermaier (FW) bewerben, bereits fest: Ludwig Schmid kandidiert für die FW, Thomas Holz für die CSU: