Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man in Deutschlands derzeit bekanntestem Geldinstitut jemanden an die Strippe bekommt. Offenbar versuchen gerade sehr viele Menschen, bei der Sparkasse Gelsenkirchen anzurufen, genauer gesagt, in der Filiale Buer.
Immerhin bietet eine Computerstimme nach langem Schmoren in der Warteschleife einen Rückruf an – um 11.20 Uhr. Tatsächlich klingelt exakt um diese Zeit das Telefon. „Sparkasse Gelsenkirchen“, meldet sich eine Mitarbeiterin und sagt ihren Namen.
„Sparkasse Gelsenkirchen“: Freundliche Mitarbeiterin am Telefon
Die Frage, was der Anrufer auf dem Herzen hat, spart sie sich. Vermutlich ahnt sie den Hintergrund. Es geht, selbstverständlich, um den spektakulären Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer, bei dem bislang unbekannte Täter 3250 Schließfächer aufbrachen und nach ersten Schätzungen mehr als 100 Millionen Euro erbeuteten. Ein Jahrhundert-Verbrechen.
Wie denn die Lage vor Ort sei, will der Mann am anderen Ende wissen. Vor allem, ob die Filiale den Geschäftsverkehr zeitnah wieder aufnimmt nach all dem Schlamassel. Die Antwort fällt kurz und ernüchternd aus.
„Wir wissen auch nicht, wann wir wieder öffnen“, erklärt die Sparkassenmitarbeiterin. „Wir haben selbst noch keine Informationen.“ Aktuell sei in der Filiale noch die Polizei zugange. Man habe „mit der Sichtung der Dokumente und Wertgegenstände angefangen, die noch vor Ort sind“. Einige Bankangestellte würden die Ermittler dabei unterstützen. „Aber für Kunden sind die Räume noch nicht freigegeben.“
Nach Millionenraub: "Alles bleibt erstmal zu, auch das Foyer"
Auf die Frage, ob es eine Art Zeitplan gebe, wann sich die gläserne Eingangstür endlich wieder für jedermann öffne, sagt die Sparkassenfrau: „Nein, es gibt keinen Zeitplan. Alles bleibt erstmal zu, auch das Foyer mit den Geldautomaten.“ Eines könne sie allerdings jetzt schon verraten: „Wenn wir wieder öffnen, werden wir erstmal Termine vergeben, weil nicht alle Kunden gleichzeitig reinschauen können.“
Doch auch das sei noch Zukunftsmusik. „Wir warten auf Informationen, wie das weitergehen wird.“ Kunden sollten ihre Bankgeschäfte so lange in anderen Sparkassenfilialen abwickeln, rät die Mitarbeiterin. Sobald es etwas Neues gebe, werde es auf der Homepage (sparkasse-gelsenkirchen.de) veröffentlicht. Dort findet sich derzeit der Hinweis, dass die Zweigstelle Buer „bis auf Weiteres geschlossen“ sei.
Mehr könne sie leider nicht sagen, meint die Frau am Telefon. „Auf Wiederhören!“
Polizei ermittelt mit Hochdruck, Täter weiter auf der Flucht
Bei dem Chaos, das die Bankräuber angerichtet haben, und bei der Menge an Ermittlungsarbeit, die sie der Polizei hinterlassen haben, dürften die Untersuchungen innerhalb der Bank noch einige Tage in Anspruch nehmen. Kunden müssen sich also gedulden. Vor allem die Opfer des Schließfach-Raubs brauchen starke Nerven.
Während die Fahnder weiter Datenträger sichten, Kundendaten prüfen und Spuren auswerten, sind die Täter auf der Flucht. Die Polizei vermutet, dass Sparkassen-Insider ihnen bei ihrem Raubzug geholfen haben.