Merz im Bürger-Check: Ein selbstkritischer Kanzler

Falls Sie die 60 Minuten ARD-Arena mit Friedrich Merz und 150 Bürgern verpasst haben: Grämen Sie sich nicht. Wer Merz vertraut, tut es weiter. Wer ihn nicht gewählt hat, weiß wieder, warum.

Ich empfinde in diesen Townhall-Runden immer eine Spur Mitleid für den Hauptdarsteller. Themenbreite: unkalkulierbar. Fragen: teils detailverliebt.

Kaum erfüllbare Ansprüche

Gleichzeitig soll er empathisch, aber nicht schleimig, bestimmt, aber nicht dominant, informiert, aber nicht belehrend rüberkommen. Und das alles bei Adrenalinlevel „DEFCON 3“.

Der Publikums-Mix am Montag: Ein Berufssoldat, der wissen will, wie Merz „junge Leute aufs frühe Sterben“ vorbereitet. Ein Ex-Schülersprecher aus Gelsenkirchen, genervt von „Gestalten mit Messern“ in Parks. Ein Rettungssani, der nicht weiß, wie man von 3500 brutto Einstiegsgehalt leben soll. Hebammen mit 40 Prozent Einbußen. Eine Ärztin, die sich über lange Wartezeiten für Kassenpatienten empört.

Partikularinteressen vs. Zumutungen

Hohe Medizinerdichte im TV-Studio übrigens. Anders als in Ostfriesland – von wo aus ein Hausarzt anreiste, im Ort bald der letzte seiner Art. Er verlangte mehr Medizinstudienplätze. Dann eine 44-jährige Mutter aus Köln, deren Witwenrente nicht reicht, aber Zuverdienstgrenzen vorgibt. Ein Gastronom (deutsche Küche – „wir sterben aus“), trotz Mehrwertsteuersenkung nicht positiv gestimmt. Dagegen ein Mecklenburger, der sich weniger Partikularfürsorge und mehr Zumutungen wünscht.

Und Merz? Über weite Strecken: ziemlich souverän. Hier ein paar Highlights.

  • Selbstkritik (zum Stadtbild): „Ich hätte vielleicht früher sagen sollen, was ich konkret damit meine. Das würde ich heute anders machen.“
  • Wahrnehmung: „Meine Eltern leben in einem Pflegeheim, ich sehe, was die Menschen dort leisten. Und ohne diejenigen aus anderen Ländern geht es einfach nicht mehr.“
  • Ziel: „Wir müssen grundsätzlich einen Anreiz setzen, arbeiten zu gehen. Wenn Sie durch Arbeit Nachteile haben, machen wir politisch etwas falsch.“
  • Eingeständnis (zur Rentenreform): „Wir haben 30 Jahre Zeit versäumt. Wir hätten es direkt nach der Wiedervereinigung machen sollen.“
  • Ansage: „Die in unserem Land leben wollen, müssen sich an die Regeln halten, und wenn sie es nicht tun, müssen sie gehen.“
  • Versprechen: Die AfD ist „Nationalismus der schlechtesten Art – nicht mit mir.“
  • Lieblingskonter (an eine Jung-Diakonin, die der CDU das C abspricht): „Wir können mit christlicher Nächstenliebe auch nicht jedes Problem lösen.“
  • Zusage: „Wir wollen die Steigerung der Krankenversicherungsbeiträge verhindern.“
  • Vertröster: „Ich nehm’s mit und kümmer mich drum und schau mir die Sache an.“ – „Da wachsen die Bäume nicht in den Himmel.“ – „Es gibt nicht den einen Knopf, auf den man drücken kann.“

Und hier noch eine Hausaufgabe: googeln. Die Staatsministerin fürs Ehrenamt – „das ist eine Frau, eine Kollegin aus Sachsen“. Korrekt. Und ihr Name lautet Dr. Christiane Schenderlein (CDU). Fürs nächste Mal.

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