Während sich die Biker zu wehren versuchen, ist die Polizei zufrieden: Seit der Teilsperrung gibt es kaum mehr Verstöße auf der ehemaligen Problemstrecke Sudelfeld.
Bayrischzell – Schon seit Beginn der Motorrad-Saison Ende April ist die Sudelfeldstrecke für Biker nur eingeschränkt befahrbar: Täglich zwischen 11 und 21 Uhr gilt ab Tatzelwurm bis Bayrischzell (Kreis Miesbach) noch bis Ende Oktober eine einseitige Sperrung. Die zweijährige Testphase, die zunächst bis zum Herbst 2026 fortgeführt wird, sorgt zwar weiterhin für Murren in der Szene. Neben der angestrebten Klage eines Motorradfahrers und einer Online-Petition mit über 4000 Unterschriften plant der Bundesverband der Motorradfahrer eine Demonstration gegen die Sperrung. Vor Ort ist es jedoch unerwartet ruhig geworden am Sudelfeld.
Polizei mit der Wirkung zufrieden
„Die großen Raser halten sich ganz massiv fern“, sagt Jan Zangenfeind von der Kontrollgruppe Motorrad, die bei der Autobahnpolizeistation Holzkirchen angesiedelt ist. Die Baustelle mit Ampelregelung, die seit Beginn dieser Woche zur Sperrunghinzukam, dürfte darauf keinen Einfluss haben. „Für die Motorradfahrer ist eine Ampel eher positiv, weil sie bis zur Linie vorfahren und dann die ganze Strecke über keine Autos vor sich haben“, erklärt Zangenfeind.
Doch unabhängig davon sei der erwartete Brennpunkt ausgeblieben. „Selbst die üblichen Sudelfeldfahrer arrangieren sich mit der Sperrung“, sagt der Sprecher der Kontrollgruppe. Immer wieder fahren die Beamten ans Sudelfeld – doch die früheren „Problemgruppen“ seien fast komplett verschwunden. Verstöße seien stark rückläufig – bis auf abgefahrene Reifen und kleinere, technische Vergehen, stellte die Kontrollgruppe zuletzt so gut wie keine Delikte mehr fest. „Die Sperrung deckt von 11 bis 21 Uhr genau das Zeitfenster ab, an dem die Motorradfahrer sonst unterwegs sind“, sagt Zangenfeind. Und die Sperrung einfach zu ignorieren, traut sich angesichts der engmaschigen Kontrollen offenbar niemand.
Ein Manko sieht Zangenfeind nur darin, dass die Regelung in Google Maps nicht ersichtlich ist. Ortsfremde Urlauber würden deshalb vom Fahrverbot überrascht und müssten wieder umkehren. Über Landl oder Fischbachau gebe es aber immerhin zwei schöne Alternativstrecken. Selbst von Motorradfahrern, betont Zangenfeind, habe er vor Ort aber bisher nur Positives gehört. Viele der Biker seien ebenso dankbar wie die Radler, dass die problematischen Raser nun verbannt sind.
Bundesverband plant Demonstration
Ganz anders sieht das der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM). Der will nicht nur einen Biker bei einer Klage vor dem Verwaltungsgericht unterstützen (wir berichteten), sondern plant auch eine Demonstration gegen die Sperrung.
„Wir lassen uns das nicht gefallen, wir sind ungehalten“, macht Rainald Mohr, Vorstandsmitglied im BVDM und Referent zum Thema Streckensperrung, deutlich. Und das wolle man mit der Demo auch den Politikern in der Region zeigen. Losgehen soll es am 20. September, ab etwa 12 Uhr, auf der Loretowiese in Rosenheim. Dort sind verschiedene Reden geplant. Zum Abschluss soll ein Demo-Zug die gesperrte Strecke bis zum Schnauferlwirt führen. Die Veranstalter rechnen – je nach Wetter – mit bis zu 1000 Teilnehmern.
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Nach anfänglichen Problemen bei der Anmeldung der Demo – der Verband wirft dem Landratsamt Rosenheim Blockade vor – ist die Durchführung auch nach einem Kooperationsgespräch zwischen BVDM und der Kreisbehörde weiterhin unklar. Während Mohr von einer telefonischen Zusage berichtet, weist das Landratsamt die Blockade-Vorwürfe zurück, stellt aber klar: „Verschiedene sachliche und rechtliche Fragen konnten noch nicht abschließend geklärt werden.“
Unter anderem die Fläche für die Auftaktkundgebung oder die Möglichkeit des Befahrens der gesperrten Strecke seien noch nicht geklärt. Ob die Demo wie angemeldet stattfinden kann, könne man „bis zum endgültigen Abschluss des Verwaltungsverfahrens“ nicht treffen. Auch die Kontrollgruppe Motorrad ist noch nicht informiert. nap