Der Volksmusikabend in Fischbachau findet zum letzten Mal statt. Organisator Klaus Greinsberger (79) erzählt im Interview von den Anfängen – und warum er nun aufhört.
Elbach – Eine fast 40-jährige Tradition geht am Mittwoch, 27. August, zu Ende: Klaus Greinsberger (79) richtet zum letzten Mal den Fischbachauer Volksmusikabend im Klostersaal aus. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt Greinsberger, der 59 Jahre in der Elbacher Blaskapelle gespielt hat, auf die Anfangszeit zurück.
Herr Greinsberger, was hat Sie vor 37 Jahren dazu bewogen, den Sitzungssaal im Fischbachauer Rathaus fünfmal im Jahr in eine Volksmusik-Bühne zu verwandeln?
Auslöser waren für mich die in der damaligen Zeit sehr populären Konzerte von Sängern und Gruppen der volkstümlichen Musik in der damals noch privat von Alfons Köck betriebenen Wolfseehalle. Da wollte ich als Leiter der Tourist-Information den Gästen, aber auch den Einheimischen zeigen, wie die echte, traditionelle Volksmusik bei uns klingt.
Die Gemeinde ist also in Konkurrenz zu einem privaten Veranstalter gegangen?
Keineswegs. Alfons Köck und ich hatten immer ein gutes Verhältnis und wollten uns nichts wegnehmen. Ich habe das eher als Bereicherung gesehen und ein bisschen auch als unsere Aufgabe als Gemeinde, hier einen Beitrag zur Pflege der Tradition zu leisten. Gott sei Dank hatte ich hier auch die Rückendeckung aus dem Rathaus und vor allem der Bürgermeister. Ich hatte immer die Zusicherung, dass ein mögliches Defizit gedeckt wird. Zum Glück habe ich nicht oft darauf zurückgreifen müssen.
Warum?
Weil wir schon kurz nach dem Start so gut wie immer einen vollen Saal hatten. Das lag nicht nur am Mittwochabend-Termin, an dem nicht nur die Zuhörer nicht anderweitig verplant waren und damit gut Zeit hatten, sondern auch an den Gruppen. Pro Abend habe ich jeweils vier Ensembles eingeladen. Nach Möglichkeit immer eine Tanzl-/Geigenmusi, eine Gesangsgruppe, eine Stuben-/Zithermusi und noch eine etwas seltenere Formation, beispielsweise ein Harfenduo. So war es eine runde Sache, und wir haben einen breiten Geschmack abgedeckt.
Gruppen kamen bis aus dem Salzburger Land
Wie sind Sie denn an die Gruppen herangekommen?
Das war anfangs gar nicht so leicht, weil es ja noch kein Internet gab, wo man mal schnell die Kontaktdaten herausfinden konnte. Also bin ich halt selbst zu vielen Volksmusik-Veranstaltungen gegangen und habe dort persönlich gefragt. Das war insofern kein Problem für mich, weil ich als langjähriger Musikant (Tenorhorn und Lyra, Anm. d. Red.) in der Elbacher Blaskapelle natürlich selbst viel Freude am Zuhören und auch schon ein gewisses Netzwerk in der Volksmusikszene hatte.
Wie groß war denn der Einzugsbereich des Volksmusikabends?
Aus dem gesamten Alpenrand sind die Gruppen nach Fischbachau gekommen. Der Kern in etwa vom Allgäu bis ins Salzburger Land. Wir haben uns also über die Jahre schon gut etabliert. Auch die Zuschauer sind nicht nur aus dem Leitzachtal, sondern aus den gesamten Landkreisen Miesbach und Rosenheim angereist. Das war schon schön, weil es zu vielen interessanten Begegnungen gekommen ist. Dass wir über die Jahre wechselnde Ansager hatten, war gewissermaßen noch mal eine extra Würze.
Können Sie ein paar Namen nennen?
Am Anfang hat mir unser örtlicher Trachtenvereinsvorsitzender Sepp Riesenberger geholfen, dann hat uns lange Jahre Gustl Bauer unterstützt. Der meinte dann irgendwann, dass er nicht mehr weiß, was er noch Neues erzählen soll. Dann haben wir uns in einem größeren Radius umgeschaut und sind so zum Beispiel auf Klaus Wittmann oder Siegfried Götze gekommen. Bei so viel Abwechslung war auch ein zweieinhalbstündiges Programm nie eintönig.
Nachfolgersuche schwierig
Zu einem echten Hoagascht gehört ja auch ein bisserl Verpflegung. Wie waren Sie da aufgestellt?
Die ersten Jahre hat das Klosterstüberl für die Bewirtung gesorgt. Später haben wir selbst die Schänke übernommen. Als der neue Klostersaal fertig war, hatten wir da dann auch mehr Platz zur Verfügung.
Klingt alles nach einer großen Erfolgsgeschichte. Warum endet diese nun mit Ihrem Ausstieg als Organisator?
Mei, ich werde bald 80, da wird einem die Planung mit mehreren Monaten Vorlauf dann doch irgendwann zu viel. Hinzu kommt, dass sich die Besucherzahlen nach der Corona-Zeit nicht mehr wirklich erholt haben. Ich denke, dass der Ukraine-Krieg vielen Menschen auf die Stimmung geschlagen hat und dass auch das Geld nicht mehr so locker sitzt – selbst wenn wir zuletzt nur vergleichsweise überschaubare 13 Euro Eintritt verlangt haben.
Haben Sie überhaupt aktiv nach einem Nachfolger gesucht?
Durchaus, aber da reißt sich heute einfach keiner mehr drum. Fairerweise muss man sagen, dass ich die Organisation lange Jahre im Rahmen meiner hauptamtlichen Tätigkeit und später zwar im Ehrenamt, aber immerhin noch auf geringfügiger Beschäftigungsbasis im Rathaus gemacht habe. sg
Das Programm
des letzten Volksmusikabends im Fischbachauer Klostersaal am Mittwoch, 27. August, um 20 Uhr umfasst folgende Mitwirkende: Kellerer Klarinettenmusi, Haager Viergesang, Goldtropf Musi und Harfentrio Fischer-Schauer. Als Ansager fungiert Hansl Auer aus Hammerau. Karten sind an der Abendkasse erhältlich, Reservierungen unter Tel. 0 80 28 / 25 94 möglich.