Der Musiker, Sportler, Autor und Volksmusik-Sprecher Gustl Bauer hat einen runden Geburtstag gefeiert. Die Schar der Gratulanten war groß.
Hausham – Wer Gustl Bauer gegenübersitzt oder ihn am Telefon hat, der dürfte nur selten ohne Lachfalten aus dem Gespräch herauskommen. Zu seinem 90. Geburtstag hat er auch so einen Spruch auf Lager, der die Anrufer gleich zum Schmunzeln bringt: „So alt werden ist fast unzulässig“, scherzt der Jubilar am Hörer und lacht. Aber beschweren will er sich über seinen Ehrentag freilich nicht. Dritte Bürgermeisterin Ria Röpfl (FWG), Nachbarn, Freunde und Dekan Michael Mannhardt gratulierten ihm am Sonntag, um nur einige zu nennen. „Es war ein wundervoller Tag, mit vielen netten Leuten“, sagt Bauer zufrieden. Meistens seien zehn Leute gleichzeitig um ihn herumgesessen. Die einen kamen, die anderen gingen. „Ich hab‘ mich sauwohl gefühlt.“
Fackelläufer bei den Olympischen Spielen 1972
Dass Bauer so viel Besuch hatte, dass er zum Feiern mit der Familie noch gar nicht gekommen ist, verwundert nicht weiter, wenn man seine Vita kennt. Jahrzehntelanges Engagement in vielen Bereichen ist darin dokumentiert. Da wäre die Musik, die der junge Gustl im Alter von sieben Jahren mit der Zither kennenlernte. Der Sport, mit dem er es vom Handballtorwart in Schliersee über den Leistungssport im Mittel- und Langstreckenlauf bis zum Olympiafackelläufer 1972 brachte. Oder sein Engagement als Sprecher bei Volksmusiksendungen im Radio, bei Alpenländischen Musikveranstaltungen oder für Aufnahmen auf Schallplatten, CDs oder für Naturfilme.
Mitglied der Münchner Turmschreiber, Träger des Bayersichen Poetentalers
Bauer war als Sprecher in Deutschland, Österreich, Belgien, Italien und in der Schweiz unterwegs, hat sechs Bücher geschrieben und vielfach die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma gelesen. Als Mitglied der Münchner Turmschreiber, Mitbegründer des Haushamer Kulturkreises und als Träger des Bayerischen Poetentalers sowie der Ehrennadel der Gemeinde ist er quasi „eine Einrichtung“ in Hausham, wie ihm kürzlich beim Forschungsprojekt für bayerische Ortsnamen beschieden wurde (wir berichteten).
Drei Zentimeter geschrumpft, aber 35 Kilo zugelegt
Bis heute lebt der 90-Jährige mit seiner Frau Luise in seinem Heimatort. In 61 Ehejahren sei er drei Zentimeter kleiner geworden, habe aber 35 Kilo zugenommen, scherzt Bauer in seiner Vita. Seiner Lebensfreude tut das keinen Abbruch. Vor dem 90. sei ihm, trotz seelischen Höhenflugs, ziemlich unbehaglich gewesen, meint Bauer. „Aber auch Freude kann aufregend sein.“
So hat Gustl Bauer das Kriegsende erlebt: Hausham kurz nach dem Krieg: Tauschgeschäft am großen Küchenzelt