Seit mehr als 60 Jahren sind Gustl und Luise Bauer aus Hausham ein Paar. Kennengelernt haben sie sich am Miesbacher Landratsamt. Jetzt feiern sie Diamantene Hochzeit.
Hausham – „Jetzt kommt sie“ – das war für Gustl Bauer vor mehr als 60 Jahren das Startzeichen, um von seinem Bürostuhl im Miesbacher Landratsamt aufzuspringen und auf den Gang zu eilen. Er wollte Luise nicht verpassen, die Frau, mit der er nun auf 60 Jahre Ehe zurückblickt. Mit großer Freude und Dankbarkeit haben die beiden ihre Diamantene Hochzeit gefeiert.
Luise und Gustl Bauer haben sich in Miesbach kennengelernt. „Obwohl wir beide Haushamer waren“, sagt Gustl Bauer. Er selbst arbeitete damals bereits im Landratsamt, Luise war Angestellte bei der Mercedesvertretung Paul Mayer. Galt es, ein Auto anzumelden, ging sie mit den Papieren zur Zulassungsstelle. „Ein lieber Kollege verständigte mich immer, sobald sie ins Haus kam“, erinnert sich Gustl Bauer. Er habe eben jenes „Jetzt kommt sie“ gesagt. „Und mich hielt es nicht mehr auf meinem Bürostuhl.“
Luise war damals erst 17 Jahre, Gustl zehn Jahre älter. Sie war eine auffallende Schönheit, erzählt Gustl Bauer. Aber der Grund, warum er sich in Luise verliebte, waren ihr Wesen und ihre Ausstrahlung, die ihn so sehr beeindruckten. Schon bald machte er ihr einen Antrag, und im Juli 1964 gaben sie sich das Ja-Wort – mit Einwilligung von Luises Eltern, denn damals war man erst mit 21 Jahren volljährig.
Erster Sohn mit zwei Jahren gestorben
Das Glück war vollkommen, als 1969 Sohn Harald zur Welt kam. Doch das Schicksal nahm ihnen den kleinen Buben, der mit knapp zwei Jahren starb. „Gott sei Dank hatten wir schon unsere Tochter Birgit, und ein Jahr später kam unsere Gerlinde dazu“, erzählt Gustl Bauer. Der Schmerz über den Verlust von Harald, aber auch das Glück mit ihren Töchtern haben die beiden fest zusammengeschweißt. Sie waren fleißig und bescheiden, und so konnten sie 1979 ein Haus bauen.
Gustl Bauer hat sich neben seiner Arbeit im Landratsamt vor allem der Kultur verschrieben. Er spielte Theater und Zither, moderierte Volksmusikveranstaltungen und -sendungen, schrieb Bücher und begründete den Kulturkreis in seiner Heimatgemeinde Hausham mit, wo er 2016 mit der Ehrennadel ausgezeichnet wurde. Die Familie stand an erster Stelle, doch dank Luise konnte er diesen Interessen Zeit und Energie widmen.
Heute sehen Luise und Gustl Bauer ihr Leben auch durch die Enkelkinder Marinus und Sophia bereichert. „Für all das sind wir sehr dankbar“, sagt Gustl Bauer. Bergwandern sei zwar wegen der Beschwernisse, „die das Alter halt so mit sich bringt“ nicht mehr möglich, aber Radeln, Spazierengehen und der Garten gehören zur gemeinsamen Freizeit. Und für beide steht fest, worum sie auch bei einem Gottesdienst gebeten haben: „Wir hoffen, dass uns der Herrgott noch lange zusammenlässt.“