Ein Investor plant bis zu 40 Wohnungen in Unggenried. Die Bürger wehren sich gegen den Verlust des dörflichen Charakters. Jetzt soll ein Kompromiss gesucht werden.
Unggenried – Das geplante „Sonnenblick-Quartier“ in Unggenried sorgt weiter für Diskussionen. Auf dem Gelände des früheren Stümpfl-Hofs möchte Investor Tobias Waltl bis zu 40 Wohnungen in drei Mehrfamilienhäusern errichten. Den Anfang soll ein Haus mit zwölf Wohneinheiten machen. Der Stadtrat Mindelheim hat das Projekt nun vorerst gestoppt – doch das Thema bleibt offen.
Stadtrat stoppt Mehrfamilienhaus in Unggenried – Bürgermeister setzt auf Dialog
Der Ortssprecher Erwin Bufler hatte Bürgermeister Winter eine Unterschriftenliste übergeben, in der sich 59 der 66 Einwohner gegen das Bauvorhaben ausgesprochen haben. „Wir sind nicht gegen das Bauen an sich, sondern gegen diese Größe“, sagte Bufler in der Sitzung. „Wenn der Bauherr uns entgegenkommt, kann man reden.“
Bürger wehren sich gegen Ausmaß des Projekts
Auch online formiert sich Widerstand: Eine Petition verzeichnet inzwischen rund 290 Unterstützerinnen und Unterstützer. Viele Bürger fürchten, dass sich der Ort mit den geplanten 40 Wohnungen – also bis zu 60 neuen Bewohnern – grundlegend verändern würde.
Bisher keine Mehrfamilienhäuser in Unggenried
Bauamtsleiter Michael Egger erklärte in der Sitzung, dass es in Unggenried bisher keine Mehrfamilienhäuser gebe. „Das wäre eine Zäsur“, sagte er. Bis dator gebe es nur landwirtschaftlich oder gewerblich genutzte größere Gebäude. Außerdem sei das Dorf nicht an die Kanalisation angeschlossen, sondern über Kleinkläranlagen mit Einleitung in die Westernach angebunden.
Unterschiedliche Sichtweisen im Stadtrat
Im Stadtrat prallten die Meinungen aufeinander. Stefan Drexel (Freie Wähler) sprach von einer „Zwickmühle“: Einerseits brauche man Wohnraum, andererseits laufe die Entscheidungsfrist über das eingereichte Bauvorhaben am 10. Oktober ab. Zwölf Wohneinheiten könnten sich seiner Ansicht nach städtebaulich durchaus einfügen.
Sein Fraktionskollege Dietmar Wagner sah in dem Vorhaben sogar eine Chance: „Die Ortsmitte ist derzeit nicht vorzeigbar. Zwölf Wohneinheiten wären eine Bereicherung und bezahlbarer Wohnraum.“
Ursula Kiefersauer (Mindelheimer Bürgergemeinschaft) erinnerte daran, dass man sich zwei Wochen zuvor im Bauausschuss noch einig war, dass der Bau nicht nach Unggenried passt. Sie mahnte, man brauche kreative Lösungen eines Architekten, die „die menschliche Mitte spürbar machen“.
Mehmet Yeşil (SPD) begrüßte Winters Vorschlag, zunächst das Gespräch zu suchen: „Das nimmt uns den Druck und gibt Zeit. Wir müssen die Bürger mitnehmen – für den Dorffrieden.“
Investor Tobias Waltl verteidigte das Projekt: „In unseren Augen ist das ein sehr schönes Ensemble. Wir zahlen nicht wenig Gewerbesteuer. Einfamilienhäuser kann sich heute kaum jemand leisten.“ Zum Dialog sei er bereit – „aber nicht mit 60 Leuten gleichzeitig“.
Beschluss: Bauantrag abgelehnt, Rückstellung möglich
Am Ende stimmten 17 Stadträte für die Ablehnung, sechs wären mit dem Bau der zwölf Wohnungen einverstanden gewesen – die fünf Vertreter der Freien Wähler und Thomas Burtscher (Grüne). Damit ist der Bauantrag vorerst gestoppt.
Sollte das Landratsamt Unterallgäu als Genehmigungsbehörde den Bau dennoch zulassen wollen, hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, das Baugesuch zurückstellen zu lassen – auch dann, wenn der Investor die Zahl der Wohnungen reduziert oder die Abwasserlösung anpasst. Grundlage dafür ist der im gleichen Zuge beschlossene Bebauungsplan „Talstraße östlich, Am Berg nördlich – Unggenried“.
Zusätzlich beschloss der Stadtrat eine Veränderungssperre für den räumlichen Geltungsbereich des Bebauungsplans. Diese soll im Wege der Ersatzverkündung ortsüblich bekannt gemacht werden – sofern der Bauantrag zum „Sonnenblick-Quartier“ mit zwölf Wohneinheiten nicht zurückgenommen wird oder die Jahresfrist der Rückstellung ausläuft.
Bürgermeister Winter will noch in diesem Jahr zu einem runden Tisch einladen: „Ich bin ein Freund vernünftiger Kompromisse. Es soll darum gehen, dass Bebauung in Unggenried möglich bleibt – aber im Maß des Ortes.“
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