Die Platznot an der Mindelheimer Grundschule spitzt sich weiter zu. Nun soll ein vom Stadtrat beschlossener Interimsbau für Entlastung sorgen – und das möglicherweise länger, als der Name vermuten lässt.
Mindelheim – Schon seit Jahren kämpft die Grundschule mit zu wenig Räumen. Zwei Klassen mussten bereits ins Gebäude der Mittelschule ausweichen, eine weitere sitzt im Musikzimmer. Auch Schulbücherei und Bewegungsraum werden längst zweckentfremdet. Mit Blick auf die wachsenden Schülerzahlen will die Stadt nun gegensteuern: In rund einem Jahr soll auf der Wiese zwischen dem alten Schulhaus und den Bushaltestellen ein zweigeschossiger Modulbau entstehen. Zwölf neue Klassenzimmer sind dort geplant – nutzbar sowohl für den Unterricht als auch für die Ganztagsbetreuung.
Besonders die Betreuung stellt die Verantwortlichen vor große Herausforderungen. Schon jetzt nehmen etwa die Hälfte aller Kinder das Ganztagsangebot wahr. Mit dem Rechtsanspruch ab dem kommenden Jahr rechnet das Bauamt damit, dass der Anteil mittelfristig auf 65 und langfristig auf bis zu 80 Prozent steigt. Derzeit verteilt sich die Betreuung noch auf mehrere Standorte, unter anderem auch auf den früheren Kindergarten „Miteinander“ in der Bürgermeister-Krach-Straße – eine Lösung, die auf Dauer kaum praktikabel ist.
Mehr Schüler, weniger Räume
Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden Klassenzimmer an der Mittelschule bald nicht mehr zur Verfügung stehen, da dort die Mensa erweitert werden muss. Damit fehlen der Grundschule perspektivisch fünf Räume. Langfristig kalkuliert die Verwaltung sogar mit einem Defizit von bis zu elf Klassenzimmern. Zwar soll im Mindelheimer Norden eine zweite Grundschule entstehen, doch bis dahin braucht es dringend eine Übergangslösung.
Investition ohne Förderung
Die Kosten für den Modulbau sind hoch: Rund 4,08 Millionen Euro veranschlagt die Stadt. Fördermittel gibt es nicht, da es sich offiziell nicht um eine dauerhafte Erweiterung handelt. Dennoch gilt die Variante als die wirtschaftlichere Entscheidung. Eine Containeranlage zur Miete hätte die Stadt über sechs Jahre hinweg sogar noch mehr gekostet – bei deutlich schlechterem Standard. Die Module überzeugen dagegen mit guter Dämmung, niedrigen Heizkosten und flexibler Raumaufteilung.
Klare Entscheidung
Bedenken, die Gebäude seien nicht langlebig genug, räumte Bürgermeister Dr. Stephan Winter aus: Auch die Module könnten bei Bedarf wieder abgebaut werden und seien so robust wie ein Massivbau. Die Schulleiterin Sabine Gruber sprach sich ebenfalls für die Modulbauweise aus – ihre Erfahrungen mit Containern seien ernüchternd gewesen. „Im Sommer unerträglich heiß, im Winter gefrorene Toiletten – das möchte ich niemandem zumuten“, erklärte sie. Einer Aufstockung des bestehenden Gebäudes um ein Stockwerk, wie Ursula Kiefersauer (Mindelheimer Bürgergemeinschaft) vorschlug, erteilte die stellvertretende Leiterin des Mindelheimer Bauamts Birgit Starke-Fleer eine Absage: „Da kommen Sie in eine andere Brandschutzklasse – das wollen Sie nicht finanzieren.“
Am Ende stimmte der Stadtrat einhellig für die zwölf neuen Klassenzimmer. „Die Grundschule ist restlos belegt, jeder Raum ist vollgestopft, es gibt wirklich keinen Platz mehr“, fasste Starke-Fleer die Lage zusammen. Dass der Bau nicht nur eine kurze Übergangslösung sein wird, daran ließ auch der Bürgermeister keinen Zweifel: „Ein ganzer Schülerzug wird in diesem Gebäude lernen.“
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