Widerstand in Unggenried: Dorf und Bauausschuss lehnen das „Sonnenblick Quartier“ ab

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Auf dem Gelände des ehemaligen Stümpflhofes in Unggenried will ein Bauunternehmer ein Mehrfamilienhaus errichten – dagegen regt sich Widerstand. © Raab

Unggenried ringt um seine Zukunft: Ein Bauunternehmer will auf dem Gelände des Stümpflhofes ein großes Wohnprojekt mit bis zu 40 Wohnungen verwirklichen. Als der Bauausschuss über die Pläne beriet, machten Dorfbewohner und Stadträte deutlich: So ein Baukörper passt nicht ins Dorf.

Unggenried – Nachdem ein Bauunternehmer einen Antrag auf Baugenehmigung für das sogenannte Sonnenblick Quartier gestellt hatte, wurde über das neue Bauvorhaben im Umwelt-, Verkehrs- und Bauausschuss ausführlich beraten. Bauamtsleiter Michael Egger stellte das Bauprojekt, das auf dem Gelände des ehemaligen Stümpflhofes in der Talstraße 15 geplant ist, vor.

Unggenried und Mindelheimer Bauausschuss lehnen das „Sonnenblick Quartier“ ab

Das Mehrfamilienhaus sei auf einer Fläche von rund 32 x 15 Metern als zweigeschossiges Gebäude mit einem steilen Satteldach und zwei Schleppgauben geplant, sagte Egger. Insgesamt solle Platz für zwölf Wohneinheiten – sechs Zwei- und sechs Dreizimmerwohnungen – geschaffen werden, deren Wohnfläche zwischen 42 und 56 Quadratmetern betragen soll, führte der Bauamtschef aus. Hinzu kämen noch 19 Kfz-Stellplätze und ein Kinderspielplatz, wobei Egger einräumte, dass wenig Raum zwischen dem Kinderspielplatz und den möglichen Anwohnern im Erdgeschoss und im ersten Stock bestehe.

Zwei weitere Häuser für „Sonnenblick Quartier“ in Planung

Er gab zu bedenken, dass dieses beantragte Mehrfamilienhaus nach der Fertigstellung einen anderen Charakter aufweisen würde als die meisten bäuerlichen Häuser in Unggenried; gleichwohl gebe es nach dem Baurecht keine Möglichkeit für Einwände. Allerdings wusste Egger von zwei weiteren geplanten Wohngebäuden an dieser Stelle zu berichten: „Es sollen noch zwei Baukörper folgen, sodass insgesamt 40 Wohneinheiten entstehen.“ Bei der aktuellen Einwohnerzahl von 66 Personen in Unggenried kämen dann 60 bis 80 neue Einwohner hinzu, ergänzte der Bauamtsleiter.

Das sagt das Dorf Unggenried zum „Sonnenblick Quartier“

Danach kam Erwin Bufler, seit 2008 Ortssprecher Unggenrieds, zu Wort. Die Bewohner würden das neue Wohngebäude ablehnen, erklärte er. Denn es sei zu mächtig, brächte zu viele neue Einwohner und zu viel Verkehr in den Ort. Außerdem verwies Bufler auf die sanierungsbedürftige Kanalisation in Unggenried, die bereits jetzt überfordert und daher nicht für eine doppelt so hohe Zahl an Einwohnern geeignet sei. So stellte er fest: „Wir sind einfach gegen die drei Baukörper.“

Nein zur Gewinn­maximierung

In der anschließenden Diskussion kritisierte Mehmet Yesil (SPD) das Bauvorhaben: „Der Baukörper ist zu groß, es gibt kaum Freiraum, was durch die Hanglage erschwert wird.“ Er forderte eine „deutlich kleinere Lösung“ für das Bauprojekt. Peter Miller (ÖDP) schloss sich dem an. Er sagte, dass bereits zwölf Wohneinheiten zu viel wären für das Bauvorhaben. Gleichwohl trete er für eine Nachverdichtung ein, aber dazu brauche man ein gesundes Wachstum: „Hier geht es nur um Gewinnmaximierung. Das Dorf muss Dorf bleiben.“

Mehmet Yesil (SPD): „Das Dorf muss Dorf bleiben“

Ähnlich äußerte sich Ursula Kiefersauer (Mindelheimer Bürgergemeinschaft). Die Stadträtin verwies auf eine Ortsbesichtigung im Juli, bei der man entschieden habe, sich für das Dorf einzusetzen: „Dorf ist Dorf. Wir brauchen keine Nachverdichtung wie in München, wir brauchen nicht solche Dimensionen an Gebäuden.“ Vielmehr müssten die Stadträte Verantwortung gegenüber Unggenried zeigen und entsprechend handeln. Auch Alfred Beilhack (Freie Wähler) äußerte vehement Kritik an dem Bauprojekt: Das Vorhaben passe „überhaupt nicht zum dörflichen Charakter“.

Wolfgang Streitel (CSU) forderte, einen „vernünftigen Bebauungsplan mit Beteiligung der Dorfbewohner“ aufzustellen. Zweiter Bürgermeister Roland Ahne (SPD) bilanzierte die Diskussion mit folgenden Worten: „So kann man das Dorf nicht überfahren. Die erhöhte Anzahl der Einwohner ist dem Dorf nicht zuzumuten.“ Dazu würde ein entsprechender Bebauungsplan benötigt, waren sich die Ausschussmitglieder einig.

Ausschuss spricht sich für Bebauungsplan mit Veränderungssperre aus

Angesichts des Diskussionsverlaufs und zur vermeintlichen Erleichterung der zahlreichen Sitzungsgäste aus Unggenried wollte Manfred Salger (CSU) von Bauchef Egger wissen, welche rechtlichen Möglichkeiten der Antragsteller hätte, falls dieser an der geplanten Bebauung festhielte. Der Bauamtsleiter vertrat die Meinung, dass es für den Bauherrn schwierig sein würde, gegen den Bebauungsplan vorzugehen, der vom Stadtrat noch aufgestellt und beschlossen werden müsste.

Daraufhin beschloss der Ausschuss einstimmig, dem Stadtrat einen Bebauungsplan mit einer Veränderungssperre zu empfehlen. Wie der Bauunternehmer nun auf die Ablehnung seines Entwurfsplanes reagiert, bleibt abzuwarten.

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