„Queeres Leben ist überall“: Christopher Street Day 2025 erstmals in Karlsfeld

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Die Regenbogenfahne, die sogenannte Pride-Flag, macht auf eine vielfältige Gesellschaft aufmerksam. Das wollen auch Kilian (links) und Len, die den ersten Christopher Street Day in der Gemeinde Karlsfeld planen. © vm

In Karlsfeld findet in diesem Jahr zum ersten Mal ein Christopher Street Day (CSD) statt. Im Interview erklären die Organisatoren, warum der Aktionstag mehr als nur bunte Fahnen und laute Musik bedeutet.

Karlsfeld – Mit Regenbogenflaggen, den sogenannten Pride-Flags, werden Menschen am Samstag, 12. Juli, durch Karlsfelds Straßen ziehen, um auf Queerness, also vielfältige sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, aufmerksam zu machen. In Dachau gibt es bereits seit drei Jahren einen eigenen CSD.

CSD-Paraden in Karlsfeld und in Dachau

In Karlsfeld geht der Christopher Street Day am 12. Juli um 14 Uhr am Bruno-Danzer-Platz in der Neuen Mitte los. Die Demonstranten ziehen durch die Lessingstraße, Hermann-Löns-Straße, Seestraße, Hochstraße, Ostenstraße, Ludwig-Thoma-Straße, Gartenstraße und zurück auf den Bruno-Danzer-Platz.
Unabhängig davon findet der CSD in Dachau am kommenden Samstag, 21. Juni, statt. Das zehnköpfige Organisationsteam lädt, wie in den vergangenen Jahren auch, von 12 bis 18 Uhr zu einem Straßenfest ein. Neu ist diesmal der Ort: Treffpunkt ist der Max-Mannheimer-Platz. Der Demozug, der um 15 Uhr beginnt, führt heuer durch den Süd-Westen Dachaus. Eine Party findet ab 18 Uhr im Freiraum Dachau statt.

Warum es den Aktionstag zusätzlich auch in Karlsfeld braucht und worum es dabei geht, erklären die Organisatoren Len und Kilian im Interview mit den Dachauer Nachrichten. Die beiden 22-jährigen Studenten kommen aus Karlsfeld und einer Gemeinde aus dem Dachauer Hinterland. Aus Angst, zur Zielscheibe queerfeindlicher Angriffe zu werden, wollen sie nicht, dass wir ihre Nachnamen veröffentlichen.

Seit 45 Jahren gibt es in München den Christopher Street Day. Seit drei Jahren hat auch Dachau einen eigenen. Warum ist eine CSD-Parade zudem in Karlsfeld wichtig?

Len: Wir wollen die Sichtbarkeit queerer Menschen aus der Großstadt herausbringen. Es soll zeigen, dass in jeder Gemeinde Queerness existiert und nicht nur in Städten. Queeres Leben ist überall. In der Stadt gibt es schon viele Angebote, aber am Land braucht es noch mehr.

Was verbindet Ihr mit dem CSD?

Kilian: In den Großstädten kommt oft rüber, dass man einen Tag lang laute Musik und einen bunten Umzug macht, aber der CSD ist weitaus mehr als das. Er hat eine sehr starke politische Botschaft: Es geht darum zu zeigen, dass Queerness akzeptiert und gemocht wird in der breiten Gesellschaft.

Was wünscht Ihr Euch von der Gesellschaft?

Len: Von anderen Menschen reicht mir meist Offenheit und Respekt. Es ist okay, zu sagen, man kennt diese sexuelle Orientierung nicht. Aber Ablehnung ist nicht okay. Insgesamt wünsche ich mir mehr Sichtbarkeit und ein stärkeres Vorgehen gegen Gewalt an queeren Menschen und Einschränkung queerer Rechte. Leider steigt beides wieder an.

Habt Ihr selbst Erfahrung von Diskriminierung oder Gewalt erlebt?

Len: Nicht wirklich. Ich bin Student. Das liegt bestimmt an meinem Umfeld, das offener und toleranter ist.

Kilian: Hätte ich mich in der Schule geoutet, hätte ich die Frage wahrscheinlich mit ,ja‘ beantworten können. Inzwischen habe ich mir die Leute gesucht, bei denen ich mich wohlfühlen kann.

Glaubt Ihr, dass der Karlsfelder CSD langfristig etwas bewirken kann?

Len: ja und nein. Dadurch wird kein großes gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Ich hoffe aber, wenn wir mit vielen Pride-Flags durch die Straßen ziehen, dass ein bisschen was hängen bleibt. Ich habe die leise Hoffnung, dass sich eine lose Gruppe queerer Leute bildet, die weiterhin in Kontakt bleibt.

Von wem habt Ihr bislang Unterstützung erhalten?

Kilian: Vom Kreisjugendring Dachau. Im Jugendhaus Karlsfeld hat unser erstes offenes Plenum aus insgesamt sieben Leuten stattgefunden.

Sollen am CSD nur queere Menschen teilnehmen?

Kilian: Nein. Ganz im Gegenteil: Es ist egal, ob man queer ist oder nicht. Alle sind willkommen. Bei der Demo geht es darum zu zeigen: Wir finden es gut, dass Ihr da seid und doof, wenn Euch Leute angreifen.

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