Der Landkreis Dachau wird Biogas-Produzent

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Aus Biomüll soll Energie werden. Dafür müssen die Bürger aber brav ihre Biomülltonne füllen. © Privat

Seit Jahren überlegt der Landkreis, wo und wie er am besten seine Bioabfälle entsorgen könnte. Lange war geplant, den Biomüll nach Augsburg zu transportieren. Nun soll der Weg kürzer werden: In Maisach wollen die Landkreise Dachau, Fürstenfeldbruck und Starnberg eine eigene Entsorgungsanlage bauen. Erste Untersuchungen verliefen positiv.

Dachau – Nachdem aus der Kooperation des Landkreises Dachau mit der Abfallverwertungsanlage Augsburg für eine Vergärungsanlage nichts wurde (wir berichteten), war man darüber nicht allzu traurig, wie Sina Török, Sprecherin des Landkreises, mitteilte. Denn: „Eine ortsnahe Verwertung des Biomülls kann nicht nur im Sinn der Umwelt sein, da lange Transportwege vermieden und CO₂-Emissionen reduziert werden, sondern sie ist auch praktischer und günstiger.“

Vor allem aber ist eine ortsnahe Verwertung notwendig. Wie Török nämlich erklärt, hätten „in den vergangenen Jahren mehrere bestehende Anlagen ihren Betrieb eingestellt – bei gleichzeitig weiterhin hohem Aufkommen an Bioabfall“. Wenn es aber nur noch wenige Anlagen gebe, diktiere der Betreiber den Preis. „Ziel ist es daher, sowohl die Entsorgungssicherheit zu gewährleisten als auch wirtschaftlich zu arbeiten und das bei der Vergärung entstehende Biogas möglichst lokal zu nutzen.“ Die Entsorgungssicherheit, das ist Török wichtig zu betonen, „ist eine gesetzliche Pflichtaufgabe des Landkreises“!

Auch die Anwohner waren einverstanden mit dem Großprojekt

Die Lösung war sodann: Die drei Landkreise Dachau, Fürstenfeldbruck und Starnberg tun sich zusammen und bauen eine eigene Biogasanlage. Das bei der Gaserzeugung entstehende Nebenprodukt, Biokompost, soll außerdem an Landwirte oder Gärtnereien verkauft werden. Motto: „Regionale Erzeugung, regionale Wertschöpfung, regionale Arbeitsplätze“.

Und dieser Plan scheint nun aufzugehen. Wie Peter Kistler, Sachgebietsleiter Kommunale Abfallwirtschaft am Landratsamt, den Kreisräten in der jüngsten Sitzung des Umwelt-, Verkehrs- und Kreisausschusses erklärte, „wächst und gedeiht“ das Projekt. Gemeinsam mit Johannes Brühl, dem technischen Leiter des Gemeinsamen Kommunalunternehmens für Abfallwirtschaft (GfA) der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck, berichtete Kistler, dass ein vor einem Jahr in Maisach gefundenes Grundstück nun untersucht und für geeignet befunden worden sei. Auch eine Anwohnerbefragung hätte keine Einwände ergeben.

Nebenprodukt Düngemittelersatz

Lediglich was die Anlagenkapazität betrifft, könnte es eng werden. Um nämlich Maisach ausschließlich mit Biogas zu versorgen – die bestehenden Leitungen müssten dafür übrigens nicht erneuert werden –, wären 50  000 bis 65 000 Tonnen Biomüll jährlich nötig. Aktuell bringt Dachau aber nur 6159 Tonnen, Fürstenfeldbruck 5513 Tonnen und Starnberg 11 566 Tonnen Abfälle zusammen. Bei einer flächendeckenden Einführung der Biotonne und entsprechender Werbung könnte diese Menge aber schnell auf zumindest 35 000 Tonnen erhöht werden, glauben Kistler und Brühl. Die restliche Menge notwendigen Biomülls müsste anderweitig „akquiriert“ werden.

Wovon die beiden ebenfalls überzeugt sind: dass der bei der Biogasproduktion entstehende Humus „qualitätsvoll“ und als Düngemittelersatz auf den heimischen Feldern verwendet werden soll. Da es in Maisach außerdem ein Bestands-Gasnetz mit Bestandskunden gibt, die man – anders etwa als bei künftigen Fernwärmenetzen – nicht erst anwerben und man damit „ganz von vorn anfangen“ muss, besteht laut Brühl „eine tolle Ausgangslage“.

Das Projekt wächst und gedeiht.

Landrat Stefan Löwl sah es ähnlich. Bei allem Wunsch nach mehr Sonnen- oder Windenergie: „Gas werden wir weiter brauchen, wir können Gas nicht ersetzen. In 40 Jahren haben wir nur noch Biogas.“

Wer die Anlage betreiben wird, also die drei Landkreise gemeinsam in einer noch zu gründenden Organisation, oder ob der Betrieb an einen Dritten vergeben wird, steht dagegen noch nicht fest. Aktuell fungiert die GfA zumindest als Projektleiterin für die Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck.

In einem nächsten Schritt sollen nun die Kosten für die Anlage ermittelt werden. Diese, so erklärte Kistler, würden stark von der jeweiligen Anlagentechnik abhängen. Um den Kreishaushalt nicht zu belasten, soll die Finanzierung ohnehin über den Gebührenhaushalt der Kommunalen Abfallwirtschaft laufen. „Für den Landkreis entstehen somit keine zusätzlichen Belastungen“, betonte Kistler. Mit anderen Worten: Der Bürger wird den Dachauer Anteil am Bau über die Entsorgungsgebühren tragen müssen. Weil laut GfA-Mann Brühl „die Errichtung einer Bioabfallvergärung negative Treibhausgas-Emissionen ermöglicht“, dürfte es von Bund und Freistaat aber eine üppige Förderung geben.

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