Im Berliner Südwesten sind zehntausende Menschen seit Samstagmorgen ohne Strom. Verantwortlich ist dafür offenbar ein Anschlag der linksextremen Vulkangruppe. Sie reklamiert die Beschädigung von Kabeln am Kraftwerk Lichterfeld in einem Bekennerschreiben für sich. Der Staatsschutz des Landeskriminalamts hält das Schreiben für echt.
Stromausfall in Berlin ist nicht die erste Tat der Vulkangruppe
Die Vulkangruppe schreibt, der Angriff auf das Kraftwerk sei ein "Akt der Notwehr und der internationalen Solidarität mit allen, die die Erde und das Leben schützen" gewesen. Ziel des Anschlags seien nicht Stromausfälle gewesen, sondern der fossilen Energiewirtschaft zu schaden. "Bei den weniger wohlhabenden Menschen in dem Südwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen."
Wer ist die Vulkangruppe, die solche abstrusen Gedanken anhängt? In Sicherheitskreisen sind die Linksextremisten keine Unbekannten: Seit 2011 haben sie in Berlin und Brandenburg immer wieder "Brandanschläge auf neuralgische Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen", wie der Bundesverfassungsschutz schreibt.
Linksextreme Vulkangruppe ist seit 2011 aktiv
Zu den Taten, die mit der Vulkangruppe in Verbindung gebracht werden, gehören:
- Anschlag auf die Bahn in Berlin: 2011 wurde südlich des Berliner Ostkreuzes eine Kabelbrücke in Brand gesetzt. Im Bekennerschreiben hieß es, man habe die Bahn angegriffen, um den Transport von „Atomtechnik und Atommüll“ und deutschen „Waffensystemen in die weltweiten Kriege“ zu sabotieren.
- Anschlag auf die Mörschbrücke in Berlin: Am 26. März 2018 wurden wichtige Versorgungsleitungen in Brand gesetzt. Tausende Privathaushalte und hunderte Gewerbebetriebe blieben stundenlang ohne Strom. Ziel war es laut Bekennerschreiben explizit, einen möglichst hohen Sachschaden zu verursachen.
- Anschlag auf S- und Fernbahn in Berlin-Karlshorst: 2019 wurde die Bahnstrecke lahmgelegt. Die Gruppe solidarisierte sich mit „Fridays For Future“ und deren Klimastreiks.
- Anschlag nahe der Tesla-Gigafactory in Brandenburg: Am 5. März 2024 bekannte sich die Vulkangruppe dazu, einen Strommast in der Nähe der Tesla-Produktion in Grünheide in Brand gesetzt zu haben. Die Stromversorgung des Werks wurde unterbrochen und es kam zu einem längerfristigen Produktionsausfall. Tesla sprach von einem Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro.
Vulkangruppe sieht kritische Infrastruktur als Kapitalisten-Instrument
Der Bundesverfassungsschutz sieht als Motiv der Vulkangruppe, dem verhassten kapitalistischen System Schaden zuzufügen. Linksextremisten sehen der Analyse zufolge in kritischer Infrastruktur den Garanten für das Funktionieren eines "repressiven Staates", der ausschließlich darauf bedacht sei, seine "kapitalistischen Profitinteressen" zu befriedigen und seine Macht zu festigen.
Der Berliner Verfassungsschutz ordnet die Vulkangruppe dem gewaltorientierten anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu. Themen, die in der Gruppe eine Rolle spielen würden, seien neben der allgemeinen Kapitalismuskritik die Zerstörung der Erde, Greenwashing, Militarisierung, Überwachung und das Patriarchat.
Größe der Gruppe ist unklar, offenbar aber feste Strukturen
Wie viele Personen und wer genau hinter der Vulkangruppe stehen, ist dem Berliner Verfassungsschutz nicht bekannt, wie es in einem Bericht von 2024 heißt. Allerdings geht er davon aus, dass es eine feste Struktur der Gruppe gibt. Die Bekennerschreiben würden sich in mindestens acht Fällen Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen ähneln. Deshalb sei von einem identischen Autorenkreis auszugehen.
Die Täter würden sich wechselnde Namen geben, die sich meist auf isländische Vulkane beziehen, zum Beispiel "Grimsvötn" und "Katla". In dem Verfassungsschutzbericht heißt es, Hintergrund der Namensgebung dürfte der Ausbruch des Vulkans Eyjafjällajökull 2010 sein, der seinerzeit wochenlange Beeinträchtigungen des Flugverkehrs in Europa mit sich brachte.
Berliner Regierung sah hohes Anschlags-Risiko
Offenbar war der Berliner Regierung klar, dass die Vulkangruppe jederzeit wieder losschlagen kann. In der Antwort auf eine schriftliche Anfrage der AfD schrieb die Senatsverwaltung für Inneres im vergangenen Juni, das Risiko für weitere Anschläge sei "nach wie vor als hoch einzuschätzen". Es sei "auch künftig mit anlassbezogenen und anlassunabhängigen Straftaten" zu rechnen.