Es sieht im Moment nicht schlecht aus für die AfD. Seit der Bundestagswahl 2025 hat sie in Umfragen deutlich zugelegt und damit weiter an Präsenz gewonnen. In Gesamtdeutschland, aber vor allem in östlichen Gefilden. 2026 könnte ein historisches Jahr werden, denn in vier Bundesländern stehen Landtagswahlen an, darunter Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.
In beiden liegt die AfD in Umfragen weit vorne. Eine Regierungsbeteiligung scheint zumindest theoretisch nicht völlig abwegig, zumal jüngst auch einzelne Stimmen des BSW davon sprachen, künftig keine Koalitionen gegen die Partei mehr mittragen zu wollen.
Doch wäre ein solcher Erfolg wirklich ein Triumph für die AfD? Oder könnte gerade das zum Stolperstein auf dem Weg zur bundesweiten Macht werden? Das klingt paradox - genau deswegen lohnt sich ein vertiefender Blick.
Die AfD steht an einem Wendepunkt
Die AfD steht heute an einem Wendepunkt, manche nennen es auch einen Scheideweg. Einerseits ist sie in Umfragen auf Bundesebene so stark wie nie zuvor.
Andererseits tobt innerhalb der Partei ein Machtkampf, der tiefgreifender ist als früher: Auf der einen Seite – zweifelsfrei etwas simplifiziert - der radikale Flügel um Björn Höcke, der von „Remigration”, EU-Austritt, Nato-Abwendung und engen Beziehungen zu Russland spricht.
Die politische Spaltung der AfD lässt sich kaum übersehen
Auf der anderen Seite findet sich ein pragmatischeres Lager um Parteichefin Alice Weidel, das die AfD langfristig regierungsfähig machen will. Zwischen diesen beiden Seiten spannt sich der Kurs der Partei und irgendwo dort wird sich womöglich auch ihr Schicksal entscheiden.
Die politische Spaltung lässt sich dabei kaum übersehen. Während sich Alice Weidel in Berlin um ein staatsmännisches Profil bemüht, drängt der rechte Flügel in Ostdeutschland auf Konfrontation. In Landesverbänden wie Brandenburg, Sachsen oder Sachsen-Anhalt dominieren Personen, die eng mit der gerade wiedergegründeten Jungen Alternative (JA), die nun als „Generation Deutschland“ firmiert, verbunden sind.
Die JA war Anfang des Jahres vom Bundesverfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch” eingestuft worden – ein Grund für die Parteispitze, sich zunächst zu distanzieren. Doch nun ist sie zurück, mit vielen bekannten Gesichtern und kaum kaschierter ideologischer Ausrichtung.
AfD-Treiber Höcke: Raus aus der Nato, raus aus der EU
Die ist auch nicht unklar. Björn Höcke, Fraktionschef in Thüringen, hat mehrfach verdeutlicht, wohin seine Reise geht: Deutschland solle die Nato verlassen, die EU aufkündigen und eine „ethnokulturelle Identität” bewahren.
Seine Auftritte sind Bekenntnisse zur Fundamentalopposition. Für ihn ist Regierungsbeteiligung offensichtlich nur dann sinnvoll, wenn sie zur Umgestaltung des Staates führt. Auch dies ist eine klare Strategie.
Nähe zu Russland? Chrupalla geht mit, Weidel distanziert sich
Auch der Co-Vorsitzende der AfD, Tino Chrupalla, hat sich - ob aus Machtkalkül oder Überzeugung - manchem Narrativ gegenüber offen gezeigt. Zum Beispiel dem Verständnis für Russlands Krieg in der Ukraine.
Weidel verfolgt dagegen eine andere Agenda. Sie spricht von „Verantwortung” und „Stabilität”, will die AfD anschlussfähig für konservative Wähler machen. In Interviews gibt sie sich europakritisch, aber nicht ausgrenzend, fordert Grenzkontrollen, aber keine internationalen Brückenabbrüche.
AfD-Chefin Weidel passt ihren Kurs an
Im Herbst 2025 warb sie in den USA offen für neue transatlantische Kontakte, was mancher Anhänger im Osten kritisch sehen wird. Die Nähe zu Russland werden von ihr mehr und mehr kritisch kommentiert, denn ihr ist klar: Im Bund ist mit einer solchen Haltung keine Mehrheit zu erringen und wahrscheinlich auch kein Koalitionspartner.
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Vielleicht ist eine derartige, teilweise personalisierte Skizzierung in zwei Lager etwas grob, denn zweifellos gibt es noch zahlreiche Konflikte innerhalb der Partei, aber relevant für diese Betrachtung ist die langfristige strategische Ebene, keine Scharmützel in einzelnen Landesverbänden.
Ostdeutschland als Kraftquelle der AfD – und als Risiko
Grenzen in innerparteilichen Auseinandersetzungen sind gelegentlich fließend, manch Politiker in seiner Haltung flexibler, dennoch beschreibt sie aber den unausweichlichen Kern des Konflikts.
Trotzdem kommt die Stärke der AfD noch immer primär aus dem Osten. In Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen erzielt sie Umfragewerte von 35 bis 40 Prozent.
Die Wählerschaft der AfD ist breiter geworden
Die Wähleranalysen zeigen dabei, dass es weniger klassische Rechtsextreme sind, die hier AfD wählen, sondern vor allem, ältere Menschen, sozial Abgehängte, aber ebenso der Bürger aus dem Mittelstand und Personen mit geringem Vertrauen in Institutionen. Die Wählerschaft ist definitiv breiter geworden.
Der politische Wettbewerb zeigt sich dagegen schwach, der Frust groß und trotzdem ist eine Wählerschelte völlig unangebracht, denn die politischen Aktivitäten anderer Parteien haben diese Urnengänger nicht nur nicht binden können, sondern politisch teilweise auch nicht geliefert – eine unangenehme Wahrheit, deren Leugnung aber nichts an der Realität zu ändern vermag, denn inzwischen hat die AfD auch im Westen Erfolge vorzuweisen.
AfD-Zukunft: Pragmatisch geführter Bundesverband, ideologisch gelenkter Osten?
Doch der Preis dieses Erfolgs könnte hoch sein. Sollte die AfD im neuen Jahr tatsächlich in ein oder zwei Landesregierungen im Osten eintreten – womöglich mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) als Juniorpartner –, würde das den radikalen Flügel massiv stärken.
Er hätte Ministerposten, Einfluss auf Bildungspolitik, auf Polizei und Justiz. Die Partei würde faktisch eine Doppelstruktur haben: Ein pragmatisch geführter Bundesverband, und ein ideologisch gelenkter Osten. Das könnte die Bundesstrategie unterminieren.
Macht kann auch entzaubern
Ein zweischneidiges Schwert, denn das gibt einerseits Macht, andererseits könnte es auch entzaubern, denn die AfD verspricht viel und es sei an dieser Stelle gar nicht von Russland, USA, Abschiebungen, Nato oder EU die Rede.
Als Beispiel sei hier vielmehr Markus Frohnmaier, seines Zeichens Ministerpräsidentenkandidat in Baden-Württemberg genannt. Er kündigt bei Facebook ein großes Abschiebeprogramm, die Einführung von Volksentscheiden und die Abschaffung des Rundfunkbeitrages an – nichts davon könnte er als Ministerpräsident alleine durchsetzen und das weiß er vermutlich auch selbst.
Ulrich Siegmund, ein weiterer Spitzenkandidat geht davon aus, dass er den Öffentlichen Rundfunk - von Sachsen-Anhalt aus - auf zwei Sender reduzieren und zugleich die Schulpflicht in der derzeitigen Form abschaffen könnte.
Für erstes ist er alleine gar nicht zuständig und letzteres würde wohl einer Verfassungsänderung auf Bundesebene und einer breiten Mehrheit im Bundestag- und Rat benötigen. Natürlich wissen das viele Wähler nicht, aber sie werden es spätestens nach der Wahl erfahren.
Bündnisfähigkeit: Die Brandmauer steht noch
Für viele Machtoptionen würde die AfD auch Bündnispartner benötigen. Die CDU, die nach der Bundestagswahl 2025 wieder den Kanzler stellt, hat eine Koalition mit der AfD kategorisch ausgeschlossen.
Auch SPD, FDP und Grüne lehnen Gespräche ab. Nur das BSW lässt vorsichtige Signale erkennen: Sahra Wagenknecht spricht von "inhaltlicher Schnittmenge" in der Migrationspolitik, vermeidet aber jede Koalitionsaussage. 2026 könnte sie zum Zünglein an der Waage werden.
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Qualitätsurteil: Gut (1,8)
Dass nicht jeder mobiler Lautsprecher klein und handlich sein muss, zeigt der knapp sieben Kilogramm schwere JBL Boombox 3. Dafür bietet der Lautsprecher im Test einen starken Sound, eine tolle Laufzeit und WLAN-Funktionen wie AirPlay, Multiroom und eine Spotify-Integration. Kabelanschlüsse fehlen dafür völlig.
Doch genau darin liegt ein strategisches Problem für die AfD. Regierungsverantwortung in Ostdeutschland wäre zwar ein symbolischer Sieg – aber sie könnte bundesweit abschreckend wirken. Ein AfD-Ministerpräsident wäre vielleicht ein neuer König Kroisos. Voller Elan, aber für das Gesamtgefüge selbstzerstörerisch handelt.
Die mediale Aufmerksamkeit wäre zudem enorm. Jede Personalentscheidung, jede Schulpolitik, jede Polizeiaktion würde unter dem Brennglas stehen. Ein einziger Skandal könnte genügen, um die Mäßigungsstrategie im Bund zu zerstören.
2029 im Blick: Die Falle des Erfolgs
Alice Weidel hat einen klaren Fahrplan: 2029 will sie ins Kanzleramt, zumindest aber in ein Ministerium. Dafür braucht sie mindestens 25 Prozent bundesweit und eine Koalitionsoption. Doch mit jedem Prozentpunkt, den der Flügel gewinnt, wird diese Vision unrealistischer.
Der rechte Flügel schreckt gemäßigte Wähler ab, insbesondere im Westen. Schon heute bleibt die AfD in NRW, Hessen oder Bayern weit hinter der Union zurück. Sie bleibt dort, jenseits des Kernklientels, nur Option für wurzellose Wähler – nicht mehr. Ihre Heimat ist sie oft noch nicht geworden.
Erfolge bei Ost-Wahlen: Die Bundesführung um Weidel könnte die Kontrolle verlieren
Dazu kommt, dass der Verfassungsschutz weiterhin weite Teile der AfD beobachtet. Eine Regierungsbeteiligung in einem Bundesland würde diese Beobachtung nicht beenden, sondern eher verschärfen.
Die AfD würde in einem ständigen Konflikt mit Bundesbehörden stehen. Auch das könnte potenzielle Koalitionspartner abschrecken.
Fazit: Zu großer Erfolg kann der AfD schaden
Die AfD steht gerade so gut da wie nie zuvor. Doch der größte Gegner lauert in den eigenen Reihen. Je nach Betrachtungsweise steht er im Osten oder im Westen.
Sollte der radikale Flügel bei den Wahlen 2026 die Oberhand gewinnen und erste Landesregierungen erobern, droht eine Spaltung der Partei. Die Bundesführung um Weidel könnte die Kontrolle verlieren.
Die Folgen wären kaum absehbar und würden auch der politischen Konkurrenz die Möglichkeit geben, die Partei in ihrer inhaltlichen Zerrissenheit zu stellen.
Ein Zuviel an Erfolg zur falschen Zeit könnte die AfD auf Jahre blockieren. Es wäre nicht das erste Mal in der deutschen Politik, dass der eigene Aufstieg zum größten Problem wird. So ging es der SPD im Ersten Weltkrieg, den Deutschnationalen (DNVP) in der Weimarer Republik, der Bayernpartei nach ihren Nachkriegserfolgen und erneut den Sozialdemokraten nach der Agenda 2010. Auch jetzt profitiert die Partei von der gegenseitigen Blockade von Union und SPD in der Bundesregierung, welche die Umsetzung politischer Reformen massiv erschwert.
Dass dies bei der Alternative für Deutschland geschehen könnte, ist nicht absehbar, denn historisch gesehen, kam es bei anderen Parteien es, trotz extremer Spannungen und Interventionen, nicht zu einem Bruch.
Das historisch interessantestes Beispiel ist hier sicher die NSDAP, bei der sich konservative Kräfte um Franz von Papen bemühten, den sozialistischen Flügel um Gregor Strasser vom nationalen-autoritären abzuspalten.
Die Geschichte ist noch nicht geschrieben, sie wird aber geschrieben werden. Sicher ist das nicht, aber gewiss ist nur die Ungewissheit des Kommenden.
Andreas Herteux ist Wirtschafts- und Sozialforscher, Herausgeber und Autor des Standardwerks zur Geschichte der Freien Wähler (FW) und Gründer der Erich von Werner Gesellschaft. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.