Starkbierfest im Bräustüberl: Predigt ohne Wackelkontakt

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Tegernsee

Kommentare

Beim Anzapfen: (v.l.) Brauer Moritz Metzger, Herzogin Anna in Bayern, Beni Hafner, Caterina und Peter Hubert.  © THOMAS PLETTENBERG

Starkes Bier, starker Aufgalopp der Prominenz: Bräustüberl-Wirt Peter Hubert hatte zur alljährlichen Fastenpredigt eingeladen, wo Nico Schifferer als Bruder Barnabas nicht nur der Politik einschenkte. Dem Tegernseer Brauhaus empfahl er ein KI-Rezept zur Entwicklung eines alkoholfreien Hellen.

Tegernsee – So viele Gäste sind gekommen, aber über einen freut sich Bräustüberl-Wirt Peter Hubert ganz besonders. „Hoffentlich haben wir keinen Wackelkontakt“, zwinkert er den Besuchern zu, als er das Mikrofon am Rednerpult prüft. Wackelkontakt, so heißt der Hit, der Oimara Beni Hafner quasi über Nacht berühmt gemacht hat. Und da steht er jetzt, der Star. In Lederhosen und mit einem etwas verlegenen Lächeln.

Es freue ihn „narrisch“, dass der Beni sich Zeit genommen habe, strahlt Hubert. Die Verbundenheit reicht weit zurück: Das Bräustüberl-Sponsoring half dem jungen Oimara beim Karrierestart. Keine Frage, dass er Hubert die Bitte, beim Starkbierfest das Bierfass anzuzapfen, nicht abschlägt. Zuvor, verrät Hubert, habe ein Trainingslager bei Braumeister Norbert Stühmer stattgefunden.

Als Mahner zeigte sich Fastenprediger Nico Schifferer.
Als Mahner zeigte sich Fastenprediger Nico Schifferer. © THOMAS PLETTENBERG

Es war erfolgreich: Nach drei festen Schlägen fließt das Bier, die Pfütze am Boden zeugt vom Eifer. Herzogin Anna in Bayern, Chefin des Brauhauses, prostet den Gästen zu. Wie jedes Jahr ist die große Wirtsstube zum Wohnzimmer der Tegernseer Gesellschaft geworden. Politiker, Unternehmer, Medienmenschen – die Liste der Prominenten ist so lang, dass Hubert ziemlich lange braucht, um zumindest einige von ihnen in seiner Ansprache zu begrüßen.

Fastenprediger nimmt das Alkoholfreie aufs Korn

„Früher hast Du nicht gewusst, was Du sagen sollst, und jetzt redest Du ohne Zettel 20 Minuten lang“, frotzelte Nico Schifferer, als er schließlich ans Rednerpult durfte. Was er als Erstes aufs Korn nahm, war für seinen Auftraggeber eine Überraschung: das alkoholfreie Helle des Brauhauses Tegernsee, das nächste Woche in den Handel kommt. „Über ein Jahr lang werkeln die schon umeinander, wie sie den Alkohol wieder aus dem Bier rausbringen“, wunderte sich Schifferer. Dabei könne das doch so schwer nicht sein. Mithilfe von ChatGPT habe er in nur zwei Minuten ein Rezept für die Herstellung alkoholfreien Gerstensafts gefunden. Beim Starkbierfest übers Alkoholfreie reden zu müssen, sei eigentlich pervers: „Das kommt mir vor, als ob der Eunuch vom Schnackseln spricht oder der Haslberger über Bescheidenheit.“‘
Es war nicht der letzte Seitenhieb auf Franz Haslberger, den Schifferer wegen seiner Neigung, Bauvorgaben nicht allzu viel Beachtung zu schenken, einige Male aufs Korn nahm. Aber nicht nur ihn. Gift und Galle sprühte Schifferer auch wegen des Projekts „Weber in der Wies“, dem Umbau eines alten Bauernhauses in Gmund. „Klar ist, dass sich ein Kitzbüheler Luxus-Immobilienentwickler einen Dreck schert um unsere Heimat“, wetterte er. Die Genehmigung vom Landratsamt: nicht nachvollziehbar.

Mehr Mahnen als Derblecken

Das Bauen im Tegernseer Tal, die Behörden, die Gerichtsverfahren: Es war eine ernste Starkbierrede. Mehr Moralpredigt als fröhliches Abwatschen, mehr Mahnen als Derblecken. Schenkelklopfer liegen Schifferer ohnehin nicht, aber auch sein Florett setzte er diesmal eher spärlich ein. Der Stich, es gebe in den fünf Tal-Orten „vier Bürgermeister und ein Partybiest“ ließ die Besucher in Richtung von Wiessees Gemeindeoberhaupt Robert Kühn blicken.

Spott bekam auch Kreuths Rathauschef Josef Bierschneider ab: Der „kommunale König-Salomon ohne Verfallsdatum“ werde beim umstrittenen Radweg wohl nur jeden zweiten Kilometer asphaltieren lassen, um seine Gemeinde zu befrieden. Mit Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn hingegen sprach der Prediger ein ernstes Wort über die Entscheidung, E-Autos drei Stunden lang kostenlos parken zu lassen. „Das war der Söder“, rief Hagn.

Gmunds Bürgermeister Alfons Besel war nicht gekommen. Terminprobleme. „Der sucht die verlorenen Bürger“, vermutete Schifferer, der sich zuvor darüber mokiert hatte, dass nach amtlicher Feststellung in Gmund 311 Bürger weniger leben als angenommen.

Gegenüber Rottachs Bürgermeister Christian Köck, der sich gegen eine weite Amtszeit entschieden hat, gab sich der Fastenprediger väterlich. Statt weiterhin mit Jagdnarrischen im Seeforum zu streiten und Berge von schriftlichem Unsinn zu bewältigen, wolle der jetzige Rathauschef mehr Zeit für seine kleinen Kinder und die Ehefrau: „Ich bin sehr stolz auf Dich.“

Die besten Sprüche

Auch interessant

Kommentare